Ausstellung in der Galerie des Aalener Kunstvereins

Kunst von uns

Zeigen 72 Künstler gleichzeitig 293 Kunstwerke, dann bedeutet dies, die Ausstellung "Kunst von uns" ist wieder da. Selbstredend in den Galerieräumen des Aalener Kunstvereins im Alten Rathaus. Kunst von jener Art, die sich Kunstfreunde nicht entgehen lassen sollten, beweist sie doch, in der Aalener Bucht existieren die blühenden (Kultur-)Landschaften tatsächlich. "Ist alles so schön bunt hier", singt die Mutter des Punks Nina Hagen überaus schön und schrill. Auch wenn das Liedchen einst mit Sicherheit nicht auf die Ausstellung gemünzt war. Wobei - hätte sie "Kunst von uns" gekannt, wäre sie ganz bestimmt nie auf den Gedanken "Meine schöne Phantasie, meine Schaltstellen sind hinüber!" gekommen, denn Phantasie, Kreativität und Können sind die Zutaten für die Kunstschau, die bis zum 5.April in der Galerie zu sehen ist. Über drei Stockwerke eine höchst farbige, vielfältige und zuweilen auch kuriose Kunst von recht unterschiedlichen Künstlern.

Mit Lob und Preis dürfen all jene zurecht bedacht werden, die seit der letztjährigen Kunstschau in ihren Ateliers so überaus fleißig gemalt, getöpfert, gehämmert, fotografiert oder auf eine sonstige Art und Weise gekünstlert haben, um die Ausstellungsräume nun wieder neu zu bestücken. Die unentbehrliche Voraussetzung für diese alljährliche "Kunst von uns"-Aktion, bei der sich die regionale Kunstszene zum wohlfeilen Schaulaufen trifft. Viele der beteiligten Künstler haben in der hiesigen Kunstszene einen guten Namen, allerdings sind heuer ebenso viele unbekannte Maler, Bildhauer, Grafiker, Fotografen, Keramiker und andere mit von der Partie, deren Arbeiten es erst noch zu entdecken gilt. Ganz im Sinne - was die "Kunst von uns"-Ausstellung sein möchte - ein offener Marktplatz der Inspirationen für ungewöhnliche, unerwartete und manchmal auch einzigartige Objekte.

Aus deren schierer Fülle die besten herauszufiltern, obliegt freilich allein dem subjektiven Geschmack eines jeden einzelnen Betrachters, gilt doch wie immer die alte Weisheit: Kunst ist in Form gebrachtes Denken und Empfinden von Menschen. Das gelingt mal prächtig, mal bemüht, aber jedes Mal erweist es sich als ein richtiger Schritt in die richtige Richtung, um den Aalener Kunstbetrieb nicht zuletzt seiner Bedeutung wegen am Laufen zu halten.

Und so findet sich beim Kunstverein wieder viel Traditionelles und Modernes zugleich. Immer Sehenswertes, bei dem manch ein Künstler überraschend auch sein Genre wechselt, andere hingegen zum Malstil vergangener Zeiten zurückfinden.

Für die Ausstellungsbesucher wichtig, beim Kunstverein darf es über die Maßen bunt zugehen, da bunt nun einmal für die Fülle kreativen Empfindens steht. Nur: Alles muss authentisch sein, alle Arbeiten Ausdruck des Naturells und der Neigungen ihrer Schöpfer, weder einem Zeitgeschmack noch dem Druck des Kunstmarkts unterworfen. Eine Ausstellung ohne jeglichen „Mainstream-Charakter“ und das macht die "Kunst von uns" zu meh, als nur zu einer kleinen ART Aalen.

Und selbst wenn, wie bei der großen ART Karlsruhe, die Kunst nicht immer als solche zu erkennen ist, gilt dennoch: Der Kunstbegriff liegt glücklicherweise nicht fest, sondern entwickelt sich immer weiter.  Für die aktiven „Hobby- und Profikünstler“ bedeutet das, ihr Wirken ebenfalls fortzuentwickeln, dabei die Öffentlichkeit zu suchen, ins Gespräch zu kommen und sich Lob und Tadel auszusetzen.

Auf den ersten Blick wirken die Bilder der KV-Aktiven vertraut und lassen sich (scheinbar) vergleichsweise leicht in die verschiedenen Maltraditionen einordnen: gegenständlich, abstrakt, monochrom, farbig. Auf mannigfache Weise nehmen die Kunstschaffenden alle zur Verfügung stehenden Möglichkeit wahr. Auch im Ausdruck und in der Technik.

Es gibt viel zu entdecken

Drei Stockwerke Kunst verlangen indes nach Zeit. Zwei Rundgänge sind schon nötig, um sich einen Überblick zu verschaffen. Wer seine Beobachtungen vertiefen will, erkennt rasch, dass so manche Künstler einer originellen Symbiose den Vorzug geben, dabei sozusagen zwischen Ratio und Intuition schweben. Das kann schlicht und unscheinbar sein, aber auch geometrisch-konstruktiv oder expressiv mondriansch.

Die Hängung der Bilder scheint allerdings keiner besonderen Neigung zu folgen. So befinden sich nebeneinander Abstraktes, Gegenständliches, Grafisches. Jedem Bild wohnt dennoch eine imaginäre Sentenz inne, die, wie auch immer, zum Aufbruch ruft, hin zu neuen Ufern oder auch nur zum Träumen und Verweilen. Das kann sich bisweilen zu einer echten Herausforderung auswachsen, denn nicht alle Kunstwerke lassen sich so leicht mit nur einem Blick erfassen, anderen bieten freilich nicht einmal einen Ansatzpunkt dafür. Bei so manch einem muss (darf) man sich durch schwungvoll rhythmische Strukturen kämpfen, andere wieder gleichen einem Irrgarten voller Linien und Zeichen oder sie schaffen ein Labyrinth von Bildern im Bild. Selbst den ausgestellten Fotografien sollte man nicht so einfach vertrauen, sondern immer mit einem zweiten Blick begegnen, um ein eventuelles Geheimnis dahinter zu entdecken.  

Immer dem eigenen Urteil vertrauen

Wie gesagt, die Kunstschau ermöglicht einen überaus aufschlussreichen Blick in das kulturelle Leben der Stadt. Ein höchst munteren wie vielfältigen, bei dem die zahlreichen jungen Künstler hoffnungsfroh stimmen. Zumal die rund 300 Exponate stellvertretend für ein (vermutlich) kaum überschaubares Arsenal an Objekten stehen, das zugleich unterschiedlichste künstlerische Positionen zur Disposition stellt. Vorgegebene Meinungen, ausgetretene Pfade, zeitgeistige Forderungen - mach ein Kunstwerk folgt solchen Vorgaben, aber eben nicht alle. Wobei heuer richtig Provokantes nicht dabei ist. Dennoch gibt es zahlreiche Entdeckungen zu machen. Laura Luchians zu konzentrischen Kreisen rhythmisierte Farbpünktchen zum Beispiel. Oder Dietmar Schmids Bildlichter, Ingrid Zillobers Ölmalerei, Hans Werner Andexers Aquarelle, Uwe Gückelhorns Spachtelarbeiten, Matthias Roeschs Injekt Drucke und und und. Um nur - aller Ungerechtigkeit zum Trotz - ein paar zu nennen. Gedruckte Worte sind eh geduldig, deshalb am besten selbst die Ausstellung besuchen. Es lohnt sich. Garantiert!

Zu sehen sind Arbeiten aus den Bereichen Malerei, Fotografie, Bildhauerei, Goldschmiedehandwerk, Installation sowie Keramik, die Einblicke in das künstlerische Werke können auch erworben werden.

Teilnehmende Künstler sind: Hamza Alabli, Hans Werner Andexer, Wiebke Bader, Annegret Barth, Toni Baumann, Kathrin Beck, Georgeta Berger, Béla Bisziok, Johannes Böhnlein, Cecilia Campos, Dieter Zoltan Demeter, Ingrid Demmler-Seckler, Corinna Ebert, Artur Elmer, Ekaterina Filjuta, Roswitha Gaupp, Hermann Gerstung, Alfons Glocker, Uwe Gückelhorn, Monika Heidt, Georg Heller, Stefan Heller, Otto Hess, Monika Hoffer, Gerhard Ilg, Ute Ilg , Mark Keller, Gunther Kerbes, Albrecht Kettler, Helmut Kimmel, Melanie Kraus, Tobias Kraus, Peter Kruppa, Ina Linden, Laura Luchian, Elisabeth Manz, Barbara Martis, Christine Meinhardt, Christiane Peschel, Ingrid Pfeiffer, Uta Rasp, Christa Rettenmaier, Marlies Rettenmaier, Gunvor Reuter, Matthias Roesch, Dieter Rühmann, Jessica Rühmann, Josef Schaeble, Uwe Scharfenecker, Christine Scheiner, Hannelore Schilling, Christine Schlegelmilch, Ingeborg Schlipf, Peter Schlipf, Dietmar Schmid, Peter Schneider, Filipa Serra e Silva, Cornelia Katharina Singer, Ana Szabo, Elke Tawfik, Ingrid Theinert, Binu Thomas, Astrid Triebel, Mario Vetter, Irmgard Sofie Wetzel, Birte Widmann, Gerhard Winkler, Karin Witte, Stephan Wolter, Evi Wörle, George Zamecki und Ingrid Zillober.

INFO

Kunstverein Aalen: Kunst von uns

Galerie im Alten Rathaus

Ausstellung bis 5. April

www.kunstverein-aalen.de

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Aalener Kulturjournal