Es sind wahrlich keine lustigen Zeiten! Da passt der verballhornte Spruch: Stell dir vor es gibt eine Ausstellung und keiner darf hin. Leider trifft dies die aktuelle Schulkunstausstellung im Aalener Landratsamt. Die stolperte zwar bereits zur Eröffnung über das Corona-Virus, aber insgeheim hoffte jeder, dass es irgendwie doch gut geht, zumal nach der Vernissage sich interessierte Besucher mit ausreichend Abstand voneinander die Exponate hätten ansehen können. Falsch gedacht! Nur zwei Tage später schließt in Aalen das Rathaus seine Pforten fürs Publikum und nur wenige Stunden später zieht das Landratsamt nach. Hinter verschlossenen Türen ist die Kunst nun auf nicht absehbare Zeit auf sich gestellt. Bleibt die vage Hoffnung, dass irgendwann die Corona-Krise zu Ende geht und die Schulkunstausstellung hoffentlich verlängert wird.  Bis dahin soll die nachfolgende kleine Diaschau allen ein Trost sein.

Schulkunst-Ausstellung im Aalener Landratsamt

"100 Jahre Bauhaus - Form und Funktion"

Eine große Schulkunstausstellung zum Thema "100 Jahre Bauhaus - Form und Funktion"

sollte es werden, mit vielen Eltern, Lehrern und Schülern im Publikum. Doch wenig überraschend,  auch über dieser Veranstaltung hing das Damoklesschwert namens Corona. Noch eine Viertelstunde vor Beginn habe er befürchtet, es kämen keine Besucher, verrät Schulrat Christian Meinzinger vom Staatlichen Schulamt Göppingen. Zu Unrecht, denn immerhin wagten rund 60 Interessierte den Weg zur Vernissage, deutlich weniger als erwartet, aber mehr als Corona-bedingt vermutet. 

Der Kunst tat dies freilich keinen Abbruch, zumal die Organisatorinnen Sabine Barth, Evelyn Lehmann, Carola Schülein, Jana Sorger und Simona Stark ein handfestes Programm aufgelegt haben, das dem Thema Bauhaus und der davon bis heute noch ausgehenden Intention wie natürlich dem Anliegen der beteiligten Schülern gerecht wird.

Beiträge von zwanzig Schulen - von der Grundschule  über Gemeinschaftsschulen bis hin zu Gymnasien und Sonderpädagogischen Einrichtungen - hat das Quintett für diese alle zwei Jahre stattfindende regionale Schulkunstausstellung zusammengestellt. Übrigens eine Aktion des Ministeriums für Kultus, Jugend und Sport Baden-Württemberg, des Zentrums für Schulqualität und Lehrerbildung Baden-Württemberg und des Staatlichen Schulamts Göppingen, das zuständig ist für die Landkreise Göppingen, Heidenheim und den Ostalbkreis.

In allen Altersstufen und über die Schularten hinweg beschäftigten sich die Kinder und Jugendlichen aus dem Bereich des Schulamtsbezirkes Göppingen mit der einfachen Formensprache der Bauhauskunst und wendeten sie in den Bereichen Grafik, Malerei und Objekt an. Durch praktisches Erproben von verschiedenen Gestaltungsaufgaben sollten sie so  die Vielfalt an Umsetzungsmöglichkeiten kennenlernen. Trotz des großangelegten Projekts und angesichts der Anzahl beteiligter Schulen ist der Aufbau im Landratsamtsfoyer recht überschaubar, weil gut durchdacht und aufgebaut. Alles, was in irgendeiner Art und Weise mit dem Begriff Bauhaus in Verbindung gebracht werden kann, findet sich als Bild, Plastik, Mobile oder in einer anderen Variation wieder. Zwar nicht immer in den Farben der klassischen Moderne eines Piet Mondrian (Blau, Rot, Gelb), beim Bauhaus geht´s schließlich auch schlichter. Wobei die nach Entwürfen des niederländischen Malers gestalteten Objekte zugegebenermaßen die Farbtupfer der Ausstellung sind.

Ganz besondere, denn die auf Magnettafeln angeordnete bunte Geometrie darf von den Besuchern nach Gusto verschoben werden. Wie auch jene in den kleinen Kästchen, die gar zum kreativen Spiel á la Mondrian auffordern. Alles natürlich mit tieferem Sinn, wie auch die Architekturentwürfe der Schüler, mal mit Bleistift aufs Blatt gebracht beziehungsweise das Blatt Papier gleich zum  Bauhaus-analogen 3-D-Format gefaltet.

Neben Architektur ist Stuhldesign noch ein großes Thema. Mackintosh, Thonet, Mies van der Rohe - da geht den Schülern das Herz auf, weil beim Stuhldesign das Bastel-, besser das Konstruktionspotential so riesengroß ist. Die Ergebnisse kommen als kleines Modell aufs Podest oder stehen in Lebensgröße zum Probesitzen einladend im Foyer. Alles und alle perfekt fürs heimische Wohnzimmer gedacht, unter dessen Zimmerdecke sich eines der ausgestellten  Mobiles  sicherlich auch gut machen würde -  inspiriert von einfachen und

Visuelle Überzeugungsarbeit für die Schulkunst

klaren geometrischen Formen und Farben, gestaltet im Originalbauhausstil.

Einer der Höhepunkte des Abends: Lena Wolf, Ronja Albrecht, Elena Fichtner und Katharina Wirth  (Ernst-Abbe-Gymnasium Oberkochen, EAG) zeigen einen von Oskar Schlemmers Triadischem Ballett inspirierten experimentellen Tanz, zu dem Karsten Falk die Musik komponierte. Apropos Musik, die kam zwecks Auflockerung zwischendurch vom EAG-Saxophon Ensemble (Nicolai Schurr, Marit Riedel, Jonas Fanenbruck, Leonie Zoller).

Kunst dürfe in der Schule nichts sein, was im Verborgenen stattfände, betonte Schulrat Christian Meinzinger. Kinder sollten zeigen können, wie verschiedenartig und fantasievoll sie die Welterleben, darstellen und deuten. "Diesen Prozessen wird im Fach Kunst/Werken Raum gegeben. Kinder können in ihrem Gestaltungsprozess ihre Potenziale entdecken, gewinnen Erkenntnisse über sich selbst und die Welt, erleben Freude.

Sie lernen zugleich sich die vielfältige Welt der Bilder zu erschließen, sie zu deuten, zu verstehen oder auch mit anderen Augen zu sehen. Vor allem lernen sie aber auch sich über die Mittel der Kunst auszudrücken, sich damit zu entfalten und sich in der Welt zu positionieren." Ein prozess- und projektorientierter Unterricht eröffne den Schülern die Chance über bildnerische, kommunikative und soziale Kompetenzen eine umfassende Persönlichkeitsentwicklung zu erfahren. Die Schulkunstausstellung biete sich als gute Plattform für Kreativität, Inspiration und al Ort der Auseinandersetzung mit sich und der Welt an. Warum ausgerechnet mit dem Thema Bauhaus, erklärte im Anschluss Marcel Egerter von der Pädagogischen Hochschule Schwäbisch Gmünd. Er erinnerte zugleich an die Geschichte der Bauhausära, die vor rund hundert Jahren begann. Walter Gropius in Weimar gegründet damals das Bauhaus. Nach dem Trauma des ersten Weltkriegs empfanden die Bauhauskünstler das ausladende Dekor, das Kunstwerke und

Objekte des vorausgegangenen Jahrhunderts geprägt hatte, als leer und unzeitgemäß. Sie erteilten dem manierierten Stil der Vorkriegszeit eine Absage und propagierten eine neue Formensprache, die von geometrischen Formen ausgeht und sich lediglich noch an der Funktion orientieren sollte. Diese daraus resultierende schlichte Form der Alltagsgegenstände war die Geburtsstunde des modernen Produktdesigns und prägt bis heute in allen Bereichen das ästhetische Empfinden. Selbst die Digitalisierung der Schulen kommt bei dem 100jährigen Thema Bauhaus nicht zu kurz. Sabine Barth konzipierte eigens zur Ausstellung ein Suchspiel via Tablett (kostenlos im Landratsamt auszuleihen) oder dem eigenen Handy und der "Actionbound"-App (iOS und Android). Das Ganze geht recht einfach: App herunterladen, QR-Code scannen und los geht´s. Nicht immer einfach, aber sehr vergnüglich und nachhaltig.

Druckversion Druckversion | Sitemap
Aalener Kulturjournal