Beim Aalener Stadttheater steht die erste Premiere der neuen Spielzeit  an  

  "Crash & Care" - das etwas andere Sicherheitstraining

Theater im Zeichen des Virus, heißt zuallererst Abstand halten und optimistisch sein. Zumindest für den laufenden Monat September sind alle guter Dinge. Vielleicht auch, weil des Umzugs in den neuen Kulturbahnhofs wegen die Schauspieler derzeit vor allem Umzugshelfer sind, während das Publikum sich gedanklich schon einmal von den vertrauten Spielorten verabschieden darf. Auf dem Parkplatz des Kulturbahnhofs steht derweil bereits eine Requisite, die so gar nicht nach Theater aussieht: ein Autowrack.  Indes, der Dreh- und Angelpunkt eines Stückes, das am 19. September Premiere hat und das - obwohl Stückentwicklungen, zu diesem Genre zählt sich "Crash & Care", am hiesigen Theater immer wieder zum Repertoire gehören - etwas aus dem Rahmen fällt. Nicht nur, weil coronabedingt lediglich zehn Zuschauer den Plot begleiten dürfen, sondern weil er überraschenderweise bereits in der Bahnhofstraße seinen Lauf nimmt, um im Kulturbahnhof beziehungsweise auf dessen Parkplatz zu enden, eben bei dem sichtlich arg beschädigten Auto.

Die stellvertretende Aalener Intendantin Tina Brüggemann freut sich auf den Theaterauftakt, hat ihn gar regelrecht herbeigesehnt, schließlich geht es nach mehr oder weniger kulturellem Stillstand nun endlich wieder los. Rechtzeitig und pünktlich zur Spielzeit 2020/2021. Nach der "Inneren Sicherheit" heißt diesmal das Spielzeitmotto "Herz der Stadt". Sorgsam eingefädelt erweist sich die erste Inszenierung als Brücke zwischen den beiden Leitgedanken. Im Ein-Personen-Stück "Crash & Care" lotst der Protagonist die Gedanken des Publikums sorgsam hin zum Thema Sicherheit. Der Anblick des Unfallwagens solle das Innerste berühren, das menschliche Herz als Sinnbild des Lebens zeigen. Der Crash-Test-Dummy stehe zugleich als Synonym für die Zerbrechlichkeit des Menschen, meint Regisseur Florian Feisel.

Mit "Crash & Care", so heißt das Stück, zeigt das Theater der Stadt Aalen in Kooperation mit dem freien Theaterkollektiv O-Team unter der Regie von Florian Feisel eine Live-Hörspiel-Performance, die sich vordergründig mit Strategien der Unfallvermeidung als Verdrängung der eigenen Sterblichkeit beschäftigt. Die im Spielverlauf  sich entwickelnde Erforschung des Unfalls erfolgt dabei in Simulation und Modell - ikonisch dargestellt durch einen Crash-Test-Dummy. "Crash & Care" wird durch den Fond Doppelpass der Kulturstiftung des Bundes und durch die Landeshauptstadt Stuttgart gefördert.  

Im Mittelpunkt dieses Audiowalks steht das (reale) Unfallauto, das eigens vor dem Kulturbahnhof  als Installation positioniert wurde. Unbestritten ein Eyecatcher, ein zur Skulptur gefrorener Aufprall. Einer, der es in sich hat, sorgt doch allein der Anblick für das erwünschte Gedankenkarussell. Die doppeldeutige Erzählung mache den Zuschauer zum Beobachter, wobei es zu einer zusätzlichen Erkenntnisebene komme, betont Folkert Dücker, der einzig agierende Schauspieler.

Die Stückentwicklung selbst begann mit dem Autowrack, mit den damit zusammenhängenden realen Unfallgeschehen samt seiner technischen Details sowie den damit verbundenen menschlichen Schicksalen, die sich unweigerlich in den Vordergrund drängen. Daraus zieht "Crash & Care" seinen Report, den notwendigen Spannungsbogen. Die Erzählung über den Unfall sei immer auch eine Erzählung über die eigene Sicherheit und Freiheit, mutmaßt Samuel Hof (Ausstattung). Daraus resultiere Frage: "Wie will ich leben?" Das Auto selbst wird so zur Metapher.

Mit Blick auf den Handlungsverlauf des Stückes ist im Gespräch mit den Theatermachern indes jedes weitere Insistieren zwecklos. Regisseur Feisel, Dramaturg Jonathan Giehle, Regieassistent Emilien Truche und Schauspieler Folkert Dücker schweigen beharrlich. Keiner will vorab allzu viel verraten. Auch gibt es kein erhellendes Wörtchen zur Musik, für die Barbara Borgir verantwortlich zeichnet. Nur so viel scheint sicher: aus den Kopfhörern bei diesem Audiowalk wird - ramponiertes Autoblech hin oder her - kein Heavy Metal dröhnen. Aus gutem Grund wie Tina Brüggemann weiß, schließlich stehe die Interaktion zwischen Schauspieler und Zuschauer im Vordergrund, das Heraufbeschwören starker Gefühle.

Wobei Regisseur Feisel gerne von Neugierde und Nervenkitzel spricht und vom Verzicht auf den möglichen erhobenen Zeigefinger. Allerdings will er aktuelle Bezüge zur gegenwärtigen Situation durchaus sehen, ohne dass diese explizit angesprochen werden.

 

INFO

 

Crash & Care

Premiere

Sa, 19.09.
17.00 Uhr | Kulturbahnhof
Startpunkt Parkplatz Gala Dügün Salonu (Aalen, Bahnhofstr. 86)

 

Achtung: Es gibt keine Abendkasse, Voranmeldung erforderlich

 

Weitere Informationen über die Theaterkasse im Alten Rathaus unter der Telefonnummer 07361-522600 oder unter kasse@theateraalen.de

 

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Infos unter www.theateraalen.de

Fotos: Theater, kul

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