29. Aalener Jazzfest

Klein und fein

Eigentlich hat kaum noch jemand mit dem Aalener Jazzfest gerechnet, schließlich regiert Covid-19 die Welt. Doch welch Wunder, das Jazzfest wird tatsächlich stattfinden. Im begrenzten Rahmen, aber immerhin. Auch in diesen schwierigen Zeiten sei man entschlossen zum 29. Male das Jazzfest

auf die Bühnen zu bringen, betonen die Macher vom Verein "kunterbunt" . Milow, die SWR Big Band feat. The Queens of Soul, Marla Glen, Web Web & Max Herre, Max Mutzke und Marialy Pacheco, Peter Fessler & Alfonso Garrido - auf die Damen und Herren Musiker darf man sich zwischen dem 4. und 8. November freuen. Und auf ihre Sicht auf Jazz, Soul & Co.

Foto: Lena Semmelrogge

SOUL WOMEN: DIE SWR BIG BAND FEAT. QUEENS OF SOUL, WITH

VERY SPECIAL GUEST COSMO KLEIN

Ein gut geöltes, perfektes, präzise swingendes Orchester wie die SWR Big Band,

herausragende Solistinnen und Solisten, intelligent konzipierte Programme,

Sahnehäubchen für Augen und Ohren, so entstehen eimmer wieder glanzvolle

Höhepunkte auf dem aalenerjazzfest. 2020 widmet die Band ein Programm den Queens

of Soul, bei dem Ida Sand und Onita Boone im Mittelpunkt stehen, verstärkt durch den

Male Stargast Cosmo Klein. Großer Big Band Jazz harmoniert mit den Hits großer

Solistinnen wie Aretha Franklin, Diana Ross, Natalie Cole, Nina Simone, Chaka Khan oder

Beyoncé. Unterstützt wird die SWR Big Band von zwei außergewöhnlichen Soulstimmen

aus den USA & Schweden. Aus New York stammt die umwerfende Onita Boone, die

schon mit Whitney Houston, Patti LaBelle oder Elton John tourte und 2012 ein

herausragendes Konzert mit der SWR Big Band in Aalen spielte. Aus Stockholm kommt

mit Ida Sand eine der profiliertesten Jazz- und Soul-Sängerinnen Skandinaviens.

Emotionale Balladen, harte Grooves, mitreißender Swing, die SWR Big Band zeigt, was

ein druckvolles Orchester an Wandlungsfähigkeit auf seiner Klaviatur hat, wieviel dem

Jazz nach dem Ausklingen der großen Orchester fehlt und wie wertvoll der Beitrag der

SWR Big Band ist.

Foto: Privat, Veranstalter

DAS MILLIONENDING: MILOW

Milow, sprich Mailo, ist ein belgischer Singer/Songwriter, dessen Diskografie nicht

weniger als 1,1 Mio. Tonträger umfasst. 2018 singt er neben Bryan Ferry, Tim Bendzko,

John Miles und den Pointer Sisters als Headliner der Konzerttour Night of the Proms in

Deutschland und Luxemburg. Nach dem wenig später veröffentlichten Album "North And

South" und unermüdlichen Reisen um den Erdball landet der Belgier in Los Angeles und

geht an sein mittlerweile fünftes Album "Silver Linings". 2016 ist es Zeit für einen neuen

Sound, mit neuen Studiomusikern und Produzenten nimmt er das Album "Modern Heart"

auf, das mit House- und R'n'B-Elementen überrascht. Der Erfolg stellt sich ein. Milow

verpasst nur knapp die Pole Position in den belgischen Charts. In Deutschland erreicht er

einen neunten Platz. Mit "Lean Into Me" kehrt Milow 2019 zu seinen musikalischen

Wurzeln zurück: Akustikgitarre, Fingerschnipsen, Dur-Akkorde - mehr benötigt der

Wahlkalifornier nicht, mehr, um seine wohl persönlichste Platte abzuliefern. Milow

bedient sich in seiner Musik international erprobter Elemente des Singing/Songwritings,

ohne auf ausgeleierte Schablonen zurückzugreifen. Seine zumeist akustisch gehaltenen

Songs reichert er inzwischen gern mit elektronischen Elementen an. Das macht ihn bis

heute zum Dauergast in den internationalen Hitparaden.

Foto: Privat, Veranstalter

DAN REINSTEIN AND THE LASER BLENDED VISION BAND:

THE SOUND FOR SIGHT CONCERT

Saxophonist Dan Reinstein ist ein weltbekannter Augenchirurg, der PRESBYOND® Laser

Blended Vision entwickelt hat, eine Technik zur Korrektur von Presbyopia, einem

altersbedingten Sehverlust, mit Laser. Reinstein hat nicht nur an der Cambridge School

of Medicine studiert, sondern auch ein zweijähriges Diplom am Berklee College of Music

absolviert. Zu seinen musikalischen Referenzen zählen u.a. John McLaughlin, Steve

Smith, Regina Carter oder Tom Coster. Er hat eine Gruppe internationaler Jazzstars

ausgewählt, die alle ohne Brille Noten lesen oder ihr Publikum sehen, dank Prof.

Reinsteins revolutionärer Behandlungsmethode. Alle Einnahmen daraus gehen an die

Forschung gegen Sehprobleme. Keine Frage: wenn ein Musiker das Attribut Multitalent

verdient, ist es Dan Reinstein. Das gilt für seine musikalischen Qualitäten wie für seine

Bühnenpräsenz. Reinstein schafft es immer wieder, sein Publikum zu begeistern, auch

bei seinem letzten Aalener Auftritt.

Foto: Ivona Zec

BOMBE: MARLA GLEN

Das Album „Unexpected“ ist das explosivste, überraschendste Werk von Marla Glen.

2020 fegt es durch die Welt von Cajun, Funk und Disco Soul mit 14 Songs, dazu

Afrikanisches, allerlei Rhythmusinstrumente, Gebläse und ein Stück vom

Gospelurgestein „Go Down Moses“, ein Gesamtkunstwerk, das Eindruck hinterlässt,

auch durch die unglaubliche Bühnenpräsenz von Marla Glen, eine Musik, die nie ihre

Aktualität verliert, gespielt und gelebt von einem Interpreten, der in den letzten Jahren

immer wieder interessante Spuren zwischen Soul, Funk und R & B hinterlässt.

Foto: Christian A. Lang

GROSSE KUNST: DUOPHONIC - PETER FESSLER UND ALFONSO

GARRIDO

Nachdem sie letztes Jahr beim aalenerjazzfest im alten Kino am Kocher Ihre grandiose,

jedoch Corona bedingt noch nicht veröffentlichte Live-CD aufgenommen haben, erhalten

alle die es verpasst haben, ein weiteres Mal die Möglichkeit in der cozy Studio-

Atmosphäre des Kino am Kocher im neu eröffneten Kulturbahnhof die beiden Ausnahme-

Fachkräfte zu erleben. Keine Frage, Fessler ist das, was der Schwabe als Käpsele

bezeichnet, ein virtuoser Scatter, ein Gitarrist allererster Güte, ein Europäer mit einem

perfekten Sinn für Brasilianisches, ein herausragender Melodiker mit einem

unübertroffenen Sensorium für komplexe Rhythmen. Mit Alfonso Garrido bringt er einen

Lateinamerikanischen Schlagwerker aufs aalenerjazzfest, den Deutsch-Chilenen,

dessen Arsenal an vertrackten Rhythmen ähnlich umfangreich ist wie sein

Instrumentarium an Perkussionswerkzeugen. Genial, keine Frage.

Foto: Moritz Künster_Iowres

AESTHETIK HOCH DREI: MAX MUTZKE & MARIALY PACHECO, FEAT RHANI KRIJA

Auch wenn sie einzeln div. aalenerjazzfeste begeistern, als flotten Dreier kennen wir den

Sänger aus dem Schwarzwald, seine kubanische Pianopartnerin und den marokkanischen

Percussionisten noch nicht. Was Mutzke an mächtigem Groove und lyrischem Soul in der

Stimme hat, legt Pacheco an delikaten Grooves und komplexen Rhythmen ihrer

karibischen Heimat in eine wunderbare, akustische Musik mit viel Mut zu Improvisation

und Spontaneität. Die Begegnung mit dem Mann aus dem Südschwarzwald und seiner

unwiderstehlichen Soulstimme kommt im Kontext ihrer CD „Duets“ zustande, für die

Pacheco 2017 einige ihrer Lieblingsmusiker ins Studio bittet, zu denen auch der aus

Marokko stammende Ausnahmepercussionist Rhani Krija gehört. Aus dieser ersten,

schon damals eindrucksvoll puristisch und akustisch angelegten Zusammenarbeit

entsteht ein abwechslungsreiches und zugleich in sich geschlossenes Programm, das

2020 nur an wenigen ausgewählten Orten zu hören sein wird, z.B. dem aalenerjazzfest.

Foto: Florian Seidel

MAX. GROOVE: A WEB WEB EXPERIENCE BY MAX HERRE & ROBERTO DI GIOIA

Die Band mit dem doppelten Namen wird seit 2017 von Keyboarder Roberto Di Gioia

geleitet und als deutsche Supergroup gefeiert. Roberto Di Gioia zelebriert das Kantige,

Exotische, spielt einen unerhört neuartigen Sound, der Spiritual-, Middle Eastern- & Ethno

Jazz mit harten Grooves kombiniert. Zur Band zählen neben Sänger Herre und Keyboarder

Di Gioia Bassist Christian von Kaphengst, Drummer Peter Gall und Saxophonist Tony

Lakatos. Herre ist ein Urgestein der Stuttgarter Hip Hop-Szene mit unüberhörbaren

Verbindungen zum Jazz, dessen musikalischer Weg über amerikanischen Hip Hop und

den Stuttgarter Freundeskreis bis zu Megafestivals wie Rock am Ring führt. Di Gioia

beginnt seine Profikarriere bei Klaus Doldinger, spielt später mit Albert Mangelsdorff,

John Schröder, Wolfgang Haffner oder Johannes Enders, aber auch mit Legenden wie

Art Farmer, Johnny Griffin, Joe Lovano oder Clark Terry.

Termine

Mittwoch 04.11.2020

Stadthalle

SWR Big Band feat. The Queens of Soul and a very special guest Cosmo Klein

19:00 20:00 46

Berliner Platz 1, 73430 Aalen

 

Donnerstag 05.11.2020

Stadthalle Milow 19:30 20:30 46

Berliner Platz 1, 73430 Aalen

 

Freitag 06.11.2020

Stadthalle The Laser Blended Vision Band

Berliner Platz 1, 73430 Aalen Marla Glen & Band

Kino am Kocher Peter Fessler & Alfonso Garrido - Duophonic 22:00 23:00 34

Georg-Elser-Platz 1, 73430 Aalen

 

Samstag 07.11.2020

Stadthalle Max Mutzke & Marialy Pacheko, feat Rhani Krija

Berliner Platz 1, 73430 Aalen A Web Web Experience By Max Herre & Roberto di Gioia

Stand 22.09.2020

 

Alle Preise verstehen sich als Endpreis, zzgl. Systemgebühr.

 

 

Wir machen Musik!

Vor knapp dreißig Jahren, im Sommer 1989, wurde die Kulturinitiative kunterbunt e.V.

gegründet. Sieben Studenten machten sich zur Aufgabe, das Kulturangebot in der

Region zu erweitern, mehr Jazzmusik auf die Bühnen der Ostalb zu schaffen und ein

kunterbuntes Angebot unter die Leute zu bringen. Was mit einzelnen Konzerten

begann, entwickelte sich schnell zu einem Club, welcher sich auf Jazzkonzerte

spezialisierte, bis dann vor 29 Jahren das erste aalenerjazzfest veranstaltet wurde.

Seither hat der Verein um den künstlerischen Leiter Ingo Hug viele Jazzgrößen nach

Aalen gebracht. Unter anderem Miles Davis, Ray Charles, B B King, Fats Domino, ....

Und das aalenerjazzfest hat es geschafft, die Top 10 der deutschen Jazzfestivals zu

erreichen. Auch Stars der Popmusik, genannt seien Clueso, Jan Delay, Max Giesinger,

ZAZ, Marianne Faithful, Sinnead o Connor..., fanden den Weg auf die Bühnen des

aalenerjazzfest. Lokale Nachwuchsbands bekamen und bekommen die Chance, sich

auf dem Festival zu beweisen. Die tatkräftige Unterstützung durch die unzähligen,

ehrenamtlichen Helfer, die jedes Jahr elementar dazu beitragen, das Festival

durchzuführen, sind wichtiger Bestandteil des aalenerjazzfest. Die weltweite

Wertschätzung und Anerkennung des kulturellen Leuchtturms für die ganze

Raumschaft wurde auch durch den zweimaligen Besuch des Gründers und bis zu

seinem Tode Impressario des „Montreux Jazzfestivals“, Claude Nobs, bestätigt.

 

Fotos: Veranstalter, Christian A. Lang, Josefine Bäckström, Moritz Künster_Lowres,Lena Semmelroggen, Ivona Zec, Florian Seidel

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Aalener Kulturjournal