Sommertheater beim Aalener Theater

"Leonce und Lena" - Verwechslungskomödie und Traumspiel

Unterhalten, lachen, nachdenken? Beim sommerlichen Theaterlustspiel im Wasseralfinger Schloss erwartet die Besucher eine besondere Komödie. Auch wenn zugegebenermaßen der Name Georg Büchner eher an "Dantons Tod", "Lenz" oder an "Woyzeck" erinnert. Doch zwischen all den Stücken schrieb der Autor 1836 für einen Wettbewerb der Cotta´schen Verlagsbuchhandlung ein Lustspiel, das weit über schnöden Klamauk hinausgeht, das allerdings erst sechs Jahrzehnte später uraufgeführt wurde. Heute längst ein Bühnenklassiker und für das Aalener Theater der absolute Sommerhit - Corona hin, Corona her.

Dramaturgin Tina Brüggemann verspricht gar das "mit Abstand schönste Theatererlebnis in diesem Sommer". Sicherlich zur Freude des während der Aufführung unterm Hygienereglement stehenden Publikums, das sich - vordergründig - auf die Liebesgeschichte zwischen einem Prinzen und einer Prinzessin freuen darf. Zwei Königskinder, denen jedoch Ungemach droht, da sie  mit einem jeweils anderen zwangsverheiratet werden sollen.  Dem zu entkommen flüchten die Beiden unabhängig voneinander aus ihren Königreichen, treffen sich irgendwo inkognito und verlieben sich ineinander. Listig versuchen sie nun ihren Lebensweg selbst zu bestimmen, um allerdings am Ende festzustellen, dass sie doch eigentlich ihrem vorbestimmten Schicksal in die Arme geflüchtet sind. C'est la vie!

Büchner wäre indes nicht Büchner, handelte es sich bei diesem Lustspiel lediglich um eine Posse Shakespeare’schem Ausmaßes. In der Geschichte verbirgt sich mehr. Wer sehen will, sieht zugleich eine Satire über den Zustand einer nach den Napoleonischen Kriegen erstarrten Gesellschaft. In der der Wunsch nach politischer und gesellschaftlicher Veränderung spürbar sei, wie Tina Brüggemann anfügt. Regisseur Jonathan Giele geht noch einen Schritt weiter, er erkennt hinter den scheinbaren Nonsensdialogen  Büchners philosophische Statements, insbesondere einen heiter-verzweifelten Kosmos.

Da darf man auch darob gespannt sein, wie er die oftmals befremdlichen Lücken, Risse und Sprünge im Originaltext in seiner Inszenierung wiedergibt und die sich daraus ergebenden Fragen beantwortet. Eines verrät Giele bereits vorab: Büchners pathetische Sprache bleibt unverändert. Und mit ihr ein Traum von Utopia, ein widersprüchliche Nachdenken über den Sinn des Lebens.

Über ein solches Sommertheater darf man sich wahrlich freuen, wäre da nicht auch Corona!

"Wir haben eine ästhetische Form gefunden, um in der gegenwärtig schwierigen Zeit, Büchners `Leonce und Lena´ auf die Bühne zu bringen und gleichzeitig die Hygieneregeln einzuhalten", so Giele. Was unter anderem weniger Zuschauer pro Vorstellung bedeuten wird. Tina Brüggemann kann, trotz zusätzlicher Aufführungen, nur empfehlen: "Schnell anmelden, da alle Termine sicherlich rasch ausverkauft sein werden."

 

INFO

Theater Aalen

"Leonce und Lena" im Wasseralfinger Schloss

Premiere: 3. Juli  (20.30 Uhr)

Weitere Termine:  04.; 05.; 10.; 11.; 12. und 17. Juli

Aller weiteren Termine unter www.theateraalen.de

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Aalener Kulturjournal