Bei den Spielclubs des Aalener Theaters stehen die Premieren an

Dauerbrenner und heißes Eisen: "Die Welle"

Der "Spielclub 2" des Aalener Stadttheaters hat sich mit Morton Rhues "Die Welle" eines ganz heißen Eisens bemächtigt, dessen Brisanz und Aktualität sich tagtäglich in den TV- und Zeitungsnachrichten spiegelt. Es geht um totalitäre Ideologien, namentlich um die faschistische, die sich indes längst weiterer politischer und religiöser bemächtigt haben. Wäre es nicht so ernst, könnte von einem Thema wie geschaffen für die Theaterbühne gesprochen werden.

Schon seit geraumer Zeit proben die Mitglieder des Jugendspielclubs ihre "Welle", wobei Regisseur Arwid Klaws bestätigt, dass sie keine modernisierte Fassung, sondern das Original auf die Bühne bringen wollten. Das war  vor dem allgemeinen Shutdown.  "Corona knallte mittenrein!", erinnert sich Klaws. Plötzlich seien sie vor dem Nichts gestanden, da das ganze Aufführungskonzept so nicht mehr zu realisieren gewesen sei. Doch einfach aufgeben war für den Spielclub keine Alternative. "Alle wollten unbedingt weitermachen, selbst zum Preis, wieder bei Null beginnen zu müssen." Die Hygieneregeln bestimmen nun das Bild, auffallend vor allem die Abstandsregeln von 1,50 Metern. "Es ist eben alles anders, aber es funktioniert!" Die Szenerie wirke statischer, ein wenig wie bei einem Mühlespiel, beschreibt Dramaturg Winfried Tobias die den Hygieneregeln angepasste Inszenierung. Arwid Klaws Mannschaft ist sich dennoch sicher, diese "Welle" wird ankommen, da das Thema aktueller denn je ist.

1967 führte ein Lehrer an einer amerikanischen Highschool mit seinen Schülern ein Experiment durch, das die Machtmechanismen des sogenannten "Dritten Reichs" vor Augen führen und zugleich zeigen sollte, wie Diktatur auch heute noch funktionieren kann. Ist das nicht Vergangenheit? Nur eine absonderliche Gruselgeschichte, die sich niemals wiederholen wird?

In "Die Welle" beginnt alles mit einem Film über den Holocaust. Der junge Lehrer Ben Ross zeigt den Schülern Bilder von ausgezehrten Menschen in deutschen Konzentrationslagern. Die Schüler sind entsetzt, aber kaum einer glaubt, dass Menschen heute noch zu derlei Grausamkeiten fähig sind. Hier setzt Ross´ Experiment an. Fast unbemerkt von den Schülern installiert er in der Klasse ein repressives System, das den Klassenverband nach und nach in Opfer und Täter teilt. Nachhaltig, denn die Situation droht schon nach einigen Tagen zu eskalieren.

Morton Rhues „Die Welle“ gehört seit den 1980er Jahren zum Kanon auch an deutschen Schulen, räumt doch das Buch mit dem weit verbreiteten Vorurteil auf, dass der Nationalsozialismus ein historisches Phänomen ist.  Auch in Reinhold Tritts Theateradaption wählt sich die durch den Geschichtslehrer Ross initiierte Schülerbewegung das Motto "Stärke durch Gemeinschaft!" Ein zunächst harmlos klingender Leitspruch, der jedoch überraschend schnell für Disziplin und Ordnung in der Klasse sorgt und unter anderem dem  einstigen Außenseiter Robert Billings in den Sattel hilft. Er und andere finden Gefallen am disziplinierten Schulalltag, an einer Ideologie, die ihnen Macht über andere verleiht. Wie und warum das Experiment indes so vehement aus dem Ruder laufen wird, macht deutlich, dass die Vergangenheit lebendiger ist als gedacht.  "Die Welle“ ist übrigens die letzte Produktion, die das Theater der Stadt Aalen in ihrer Spielstätte im Wirtschaftszentrum zeigt.

 

Premiere: 26.Juni (19 Uhr), Wi.Z

 

 

"Friede, Freude , Lutschbonbon?" und „Sag doch was!“

Da das ursprüngliche Projekt des "Spielclubs1 " unter der Leitung von Lisa-Marie Krauß Corona bedingt nicht wie geplant stattfinden kann, wurde kurzerhand ein neues Projekt entwickelt, das auch unter freiem Himmel gespielt werden kann

Für „Friede, Freunde, Lutschbonbon?“ wird das Publikum am Stadthallen-Parkplatz zu einem rund 60minütigen Theaterspaziergang über die Schillerhöhe mitgenommen. Dabei gehe es um die Suche nach dem verlorenen Kind, verrät die Regisseurin und Dramaturgin Anne Klöcker stellt klar: "Das wird wie in einem Krimi! Niemand scheint zunächst zu wissen, worum es geht." Antworten finden sich schließlich an 13 verschiedenen Stationen. Den Weg dorthin hat das Künstlerkollektiv "K" mit süßer Kunst verschönt.

 

Premiere: 12. Juli (15. Uhr), Schillerhöhe

Auch der Kinderspielclub ist im Theaterjuli mit von der Partie.  Am 8. Juli ist das von Vivien Bergjann verfasste Stück „Sag doch was!“ (Regie: Vivien Bergjann, Robin Kucher) auf der auf der Homepage des Theaters zu sehen. Die Produktion des Spielclubs FSJ-Kultur hätte eigentlich bereits im April im Alten Rathaus gezeigt werden sollen, doch auch hier hat Corona zugeschlagen. Jetzt wird es digital umgesetzt.

 

 

INFO

www.theateraalen.de

Theaterkasse

Telefon: 07361 522600

Mail: kasse@theateraalen.de

 

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Aalener Kulturjournal