Afrika im Park - ein mythischer Spaziergang

Vielleicht, vielleicht auch nicht!

Foto: Schloss Fachsenfeld

Sie täten ja gerne, dürfen aber noch nicht richtig. Während die großen und kleinen Konsumtempel ihre Tore wieder ganz weit aufmachen, bleibt der Kultur das altbekannte Plätzchen am Katzentisch. Beim Aalener Stadttheater blitzt indes ein wenig vom alten Glanz durch den Corona-Vorhang, wenn auch lediglich als digitalisiertes Online-Schnipselchen, aufgepuscht mit ein bisschen Podcast.

Da bekanntermaßen aber nichts alternativlos ist,  steht Ende Mai dem Theaterglück nichts mehr im Wege. Ein Hauch von Theaterluft weht dann durch den Fachsenfelder Schlosspark, darf doch zumindest einigen Schauspielern (Julia Sylvester, Margarete Lamprecht, Manuel Flach und Arwid Klaws) aus der Ferne und in freier Natur gelauscht werden. Ganz in Anlehnung an die  "Spaziergänge im Park" (Regie: Tina Brüggemann; Dramaturgie: Tonio Kleinknecht; Kostüm: Stephanie Krey) . 

 Los geht´s am 23. Mai (18 Uhr, Schloss Fachsenfeld) mit "AFRIKA IM PARK – ein mythischer Spaziergang".  Im Mittelpunkt dabei, die recht unterschiedlichen Texte der beiden Autoren Paulina Chizipiane und Chika Unigwe. Und wenn tatsächlich alles gut läuft, soll es folgende weitere Termine geben (abhängig von den geltenden Corona-Bekämpfungsverordnungen und unter Einhaltung der Abstands- und Hygienevorschriften):

 

Freitag, 29. Mai 2020, 18 Uhr, Schloss Fachsenfeld

Samstag, 06. Juni 2020, 18 Uhr, Schloss Fachsenfeld

Samstag, 13. Juni 2020, 18 Uhr, Schloss Fachsenfeld

Sonntag, 21. Juni 2020, 18 Uhr, Schloss Fachsenfeld | zum letzten Mal

Das Stück

(pm) `Sarnau, heute ist der Tag, sich einen liebsten zu angeln. Beweg‘ dich Mädchen, wackle mit dem Hintern, dass die Fliegen deinen Kurven folgen. Ich jedenfalls habe mir schon einen geschnappt. Mit Paulina Chizipianes „Liebeslied an den Wind“ wollen wir Sie an den ersten drei Stationen im Park nach Mosambik entführen. Die heitere und sinnliche Protagonistin Sarnau trifft den Mann ihres Lebens. Doch ihr Lebensmut wird auf eine harte Probe gestellt, als die derzeit besondere Mischung von Tradition und Moderne diese Beziehung unmöglich machen. Klangvolle Naturbetrachtungen verbinden die teils entwaffnende Derbheit ihrer Beschreibungen von Liebe und Macht mit einer europäisch geprägten Poesie. Auch in Chika Unigwes Zukunftsvision „Amara for President“ spielt die gesellschaftliche Stellung ihrer Protagonistin eine große Rolle, sind die Figuren sinnlich gezeichnet und von tiefen Gefühlen erfasst. Doch Amaras beharrlicher Wille öffnet eine Perspektive von ungeahnter utopischer Kraft.

Die Autorinnen

Foto: Verlag

Paulina Chiziane wuchs in einem stark anti-kolonial geprägten Haushalt auf, ihr Vater verbat es ihr Portugiesisch zu sprechen, lediglich die lokale Sprache XiChope war als Umgangssprache erlaubt. Chiziane wird zu einer zweiten Generation von Autorinnen und Autoren in Mosambik gezählt. Sie porträtiert in ihren Werken Individuen und weniger gesellschaftliche Bewegungen, und thematisiert die Geschlechterverhältnisse in ihrem Land auf unterschiedliche Art und Weise. In ihren Werken gibt sie der ländlichen Bevölkerung eine Stimme, die bis dato von politischen und sozialen Diskursen ausgeschlossen waren. Paula Chiziane begann in den 1980er Jahren mit  ihrer schriftstellerischen Tätigkeit, 1984 veröffentlichte sie ihre ersten Geschichten in den Magazinen Domingo und Tempo.

1990 veröffentlichte Chiziane ihr erstes Buch mit dem Titel Balada de Amor ao Vento (Liebeslied an den Wind). Das Buch erregte nicht nur Aufmerksamkeit, weil es als der erste von einer Frau in Mosambik veröffentlichter Roman galt. Auch die besonders intime Schilderung von Geschlecht, Sexualität, Beziehungen aus einer weiblichen Perspektive galt als bemerkenswert. Ihren literarischen Durchbruch erzielte Chiziane jedoch mit ihrem 2002 veröffentlichten Roman Niketche: Uma História de Poligamia (Niketche: Eine Geschichte der Polygamie), für den sie unter anderem 2003 den bekanntesten mosambikanischen Literaturpreis, den Prémio José Craveirinha, des mosambikanischen Schriftstellerverbandes erhielt. In dem Werk beschrieb Chiziane die stark emotionale und wirtschaftliche Abhängigkeit, die Frauen von Männern in Mosambik erleben, oft durch polygame Strukturen bestärkt.

Foto: Herby Sachs

Chica Unigwe ist eine belgische Schriftstellerin und Literaturwissenschaftlerin nigerianischer Abstammung, die heute in den USA lebt und in niederländischer Sprache schreibt. Ihr Werk wurde vielfach international ausgezeichnet. Zukiswa Wanner zählte sie 2012 zu den „fünf besten afrikanischen Schriftstellern“. Unigwe schreibt auf Niederländisch und auf Englisch. Ihre ersten Kurzgeschichten wurden in den 1990er Jahren in Nigeria veröffentlicht. Weitere erhielten in den Jahren 2003 bis 2005 internationale Auszeichnungen. Auch ihr erster Roman De Feniks wurde 2005 mit einem Preis von Vrouw en Kultuur für das beste Debüt ausgezeichnet und 2007 für den Gerard-Walschap-Preis nominiert. Internationale Bekanntheit erreichte Unigwe, als ihr zweiter Roman Fata Morgana 2009 in englischer Übersetzung erschien. On Black Sister’s Street (deutsch Schwarze Schwestern) gewann 2012 den mit 100.000 US-Dollar dotierten Nigeria-Literaturpreis. Ihr dritter Roman Night Dancer kam 2016 in die engere Auswahl für den Nigeria-Literaturpreis. In der Zwischenzeit war Black Messiah (2014) erschienen, der in literarischer Fiktion das Leben von Olaudah Equiano schildert.´

INFO

Es wird keine Abendkasse geben. Karten können an allen Reservix-Vorverkaufsstellen, an der Theaterkasse oder online auf www.theateraalen.de erworben werden.

 

Es wird als Premiere der 23. Mai anvisiert. Je nach Gesetzeslage kann aber auch einer der anderen angegebenen Termine Premierendatum sein. Oder die Produktion wird bei einem vorzeitigen Spielzeitende in der kommenden Spielzeit gezeigt werden.

 

Theaterkasse öffnet ab dem 16. Mai 2020 wieder im Alten Rathaus von 9:30 Uhr 12:30 Uhr

 

Wer das Theater unterstützen möchte, kann Gutscheine oder Saisonkarten an der Theaterkasse kaufen.

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Aalener Kulturjournal