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Premiere am Theater Aalen: 2. Oktober 2021

  Frankenstein oder der moderne Prometheus

Beim Aalener Stadttheater beginnt in der nächsten Woche die Saison. Mit Corona-Auflagen, aber immerhin öffnet sich wieder der Bühnenvorhang. Er freue sich, dass das Theater wieder zum Thema in der Stadt werde, betont Intendant Tonio Kleinknecht. "Wir sind wieder da und versichern zugleich, das Theater ist für alle Besucher ein sicherer Ort." Dank Corona-Hygieneregeln mag man anfügen, derweil Dramaturgin  Tina Brüggemann bereits zur ersten Premiere am 2. Oktober entführt. Passend zu den für alle nach wie vor schwierigen Zeiten? Immerhin soll es Horror pur sein: "Frankenstein"!  Theaterfans erinnern sich: 2012 schlüpfte bei einer szenischen Lesung auf Schloss Fachsenfeld Stephan Weigelin in die Rolle des Forschers Victor Frankenstein (Foto: r) und Alexander Wilß (l) in die seines künstlich erschaffenen Wesens. Die beiden Theatermacher Jonathan Giele und Marco Kreuzer bringen nun die ganze Geschichte auf die Bühne. Beim Stichwort Horror winken sie allerdings ab, denn was sie inszenieren wollen, ist keine Adaption von James Whales Schwarzweiß-Film von 1931 und schon gar nicht Ishiro Hondas Frankenstein Filmserie, sondern, wie Giele versichert, ein eng an die Originalvorlage angelehntes Theaterstück.

Marco Kreuzer (l) und Jonathan Giele (r) bringen einen Leckerbissen der klassischen Schauerliteratur auf die Bühne: "Frankenstein".

Danach versucht Victor Frankenstein mit zweifelhaften Methoden den Tod zu besiegen. Er erschafft aus Leichenteilen eine lebendige Kreatur. Doch dann erschrickt er selbst vor seiner Schöpfung und verleugnet sie mit tödlichen Folgen für alle, die ihr begegnen. Frankenstein hat die Wahl, die Konsequenzen seiner Schöpfung eskalieren zu lassen oder Verantwortung für sein Handeln zu übernehmen und die Wut des Wesens zu besänftigen, indem er dessen Wunsch nach Gemeinschaft erfüllt und eine zweite Kreatur erschafft.

Die englische Schriftstellerin Mary Shelley veröffentlichte 1818 erstmals ihren Roman. Darin erzählt sie die Geschichte des jungen Wissenschaftlers Viktor Frankenstein, der heimlich einen künstlichen Menschen erschafft. Der erfolgreiche Schauerroman habe rasch einen großen Einfluss auf Literatur und Populärkultur gehabt, weiß Marco Kreuzer. Bei der Inszenierung wird er insbesondere für auf  vier Leinwänden zu sehenden Videoprojektionen verantwortlich zeigen, die das Publikum in die unterschiedlichsten Szenen entführen und zugleich für Atmosphäre sorgen werden. Eine gewisse Referenz an die alten Scherenschnittfilme will Giele dabei nicht verhehlen, ohne allerdings allzu viel zu verraten. Auch das durchaus ein bisschen Horror mitschwingen werde, zumal das dazugehörige Sounddesign das Seinige dazu beitrage.

Marco Kreuzer, Jonathan Giele und Tina Brüggemann (von links) bringen den Theaterbesuchern Mary Shellys "Frankenstein" ganz nahe.

Auch Schattenprojektionen und Unschärfe, fügt Jonathan Giele hinzu. Während Tina Brüggemann alles unter der Überschrift "Ästhetischer Zugriff" bündelt, wird es den drei Schauspielerinnen und Schauspielern Margarete Lamprecht, Alice Katharina Schmidt und Arwid Klaws überlassen sein, die Intention der beiden Regisseure überzeugend auf die Bühne zu bringen.

Ein bisschen Horror ja, aber kein Schocker - ein kleiner Nebeneffekt wie auch die gerne auf die Bühne gehievte Frage nach der Verantwortung der Wissenschaft. Marco Kreuzer gibt die Richtung an: "Es ist eine wahnsinnig emotionale Geschichte, von Menschen, die versuchen, das richtige zu tun, aber dran scheitern." Eine Ambivalenz, die Jonathan Giele noch erweitert, unter anderem um  Einsamkeit und Anerkennung.

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Aalener Kulturjournal