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Barbara Newhall Follett: "Die Welt ohne Fenster"

Vom Weggehen, ohne verloren zu gehen

1927, gerade zwölf Jahre alt, veröffentlicht Barbara Newhall Follett ihren ersten Roman: „The House Without Windows" - „Die Welt ohne Fenster“. Zu verdanken ist die Wiederentdeckung des Kleinods der Künstlerin Jackie Morris, in England eine bekannte Illustratorin und Kinderbuchautorin, die zeichnend, schreibend und träumend in einem kleinen Haus am Meer in Wales lebt. Ihre Seele, gesteht sie, werde berührt über einen Ozean, über ein Jahrhundert hinweg.  „Pure Magie“, ein „kleines Wunder“ nennt sie die Geschichte, welche sie mit bezaubernden Bildern begleitet.  Einleitend erzählt  Jackie Morris von dem Leben der Autorin und der Entstehungsgeschichte des Buches. Barbara,Tochter der Kinderbuchautorin Helen Thomas Follett und des Literaturkritikers Wilson Follet, gilt als Wunderkind. Bereits mit vier schreibt sie Gedichte, welche von der Natur und der Wildnis handeln, ersinnt mit sieben Farksolia, eine Fantasiewelt und die dazu passende Sprache.

Die junge Eepersip, so heißt die Protagonistin in „Die Welt ohne Fenster“,  möchte nicht in einem Haus mit Türen, Fenstern und einem Dach leben. Sie sehnt sich nach einem Leben in Freiheit und nach dem Alleinsein.  Ein weiblicher Peter Pan, so Jackie Morris, jedoch stärker als dieser, nicht besessen  von der eigenen Klugheit. „Sie singt und tanzt gerne, hat jedoch keine Angst davor, still zu sein, allein zu sein.“

Eins fühlt Eepersip sich mit Flora und Fauna. Sie  lässt sich verzaubern von  blühenden Butterblumen- und Gänseblumenfeldern, schwimmt im Meer, schläft unter einer Schneedecke. Mehr als die Menschen liebt sie die Schwalben, die in Gold und Blau blühenden Iris am Teich, die über gelben Rosenblättern tanzenden zarten Schmetterlinge, jubelt über deren Anblick. Sie beschützt die Tiere und wird von diesen beschützt. Nachdem Eepersip von zu Hause davongelaufen ist, versuchen die verzweifelten Eltern vergeblich sie in die Zivilisation zurückzuholen.

Barbara „lebte in einer  Zeit, in der ganze Wolken von Schmetterlingen aus den Blumenfeldern aufstiegen und es fünfzehn Minuten dauern konnte, bis ein Vogelschwarm den Himmel überquert hatte“, stellt Jackie Morris fest. Wie anders sei die Natur, die den heutigen Kindern hinterlassen wird. Mit Botanik, Schmetterlingen und Vögeln habe die junge Autorin sich so gut ausgekannt wie eine Wissenschaftlerin, sei hochkreativ und abenteuerlustig gewesen. Mit 14 geht ihr Leben jedoch  in die Brüche wie auch ihre schriftstellerische Karriere bereits den Zenit überschritten hat. Am Ende schlittert sie in eine unglückliche Ehe und in ein Leben, welches das Gegenteil zu ihren ursprünglichen Träumen ist. Dass sie am 7. Dezember 1939, 25 Jahre alt, spurlos verschwindet,  erfährt die Öffentlichkeit erst 1966. Die Umstände ihres Todes werden nie aufgeklärt.

In der märchenhaften Erzählung, eine Liebeserklärung einer Zwölfjährigen an die Natur, verwandelt sich Eepersip am Ende. "Sie würde immer für alle Sterblichen unsichtbar bleiben, außer für jene, die eine Seele hatten zu verstehen, Augen zu sehen. Für sie ist sie stets präsent, ein Geist der Natur, eine Elfe der Wiesen, eine Najade der Seen und eine Nymphe der Wälder."

Vielleicht ist sie auch noch auf ähnliche Weise anwesend wie die verschwundene Eepersip in der "Welt ohne Fenster", so Jackie Morris, welche den Roman allen widmet, die weggehen, ohne verloren zu gehen. Mit der Empfehlung, das  Buch draußen unter freiem Himmel zu lesen.

Wundervoll ist auch der Einband des Buches: Auf weißem Grund gaukeln goldumrandete Schmetterlinge.

 

Barbara Newhall Follett und Jackie Morris

Die Welt ohne Fenster

Roman

192 Seiten

Verlag Diana

Übersetzt aus dem Amerikanischen von Stefanie Fahrner

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Aalener Kulturjournal