Brunhilde Bross-Burkhardt: „50 sagenhafte  Naturdenkmale in  Baden-Württemberg“

Eine Entdeckungsreise

In Baden-Württemberg gibt es auf nahezu  36000  Quadratkilometern  über 14000 Naturdenkmale. Im Südwesten Deutschlands liegend grenzt das Ländle, wie es liebevoll genannt wird,  an drei deutsche Länder und drei europäische Staaten. Natur, Landschaften und Geologie sind außerordentlich vielfältig. Im Westen liegen der Schwarzwald und die Rheinebene, im Süden der Bodensee und der Alpenrand, im Osten die Schwäbische Alb und im Norden die Hohenloher Ebene und der Kraichgau.

Die aus dem baden-württembergischen Langenburg stammende  Fachjournalistin und Buchautorin Dr. Brunhilde Bross-Burkhardt führt mit ihrem  Reiseführer zu „50 sagenhaften Orten“ in ihrem Heimatland: zu 50 Naturdenkmalen.

Im Vorwort erklärt die Autorin, was man unter einem Naturdenkmal versteht. Um Einzelgebilde wie landschaftsprägende Bäume, Felsen oder Höhlen als auch naturschutzwürdige Flächen bis zu fünf Hektar Größe wie kleinere Wasserflächen, Moore oder Heiden kann es sich handeln. Ein weiteres Kriterium ist  die Sicherung und Entwicklung von Lebensgemeinschaften oder Lebensstätten wild lebender Tier- oder Pflanzenarten. Naturdenkmäler sind gesetzlich geschützt, dürfen folglich nicht verändert werden.

Die ausgewählten Touren im Buch führen durch den Odenwald, das Neckarland, Hohenlohe, Ostalb und Nordschwarzwald. Die Autorin trifft, wie sie im Vorwort betont, eine repräsentative Auswahl, sodass die unterschiedlichen Regionen gleichberechtigt vertreten sind.  Einblick in die geologische Vielfalt, in die Landesgeschichte wird vermittelt, verknüpft mit der  Kulturgeschichte. Im Südwesten siedeln bereits während der Jungsteinzeit Menschen, welche wie die Kelten, Römer und später die Staufer und Alemannen ihre Spuren hinterlassen haben.

Einige Beispiele aus dem Buch seien hier ausgewählt. Mit Weinheim an der Bergstraße am Odenwald beginnt die Reise in einem wahren Wanderparadies. Jahrhunderte alte exotische Bäume gedeihen hier aufgrund des milden Klimas. In Mannheim erinnert die Maulbeerinsel mit ihren uralten weißen Maulbeerbäumen, welche Kurfürst Karl-Ludwig im 17. Jahrhundert zur Zucht von Seidenraupen pflanzen lässt. Nicht minder abwechslungsreich ist der Schwarzwald, das   größte Mittelgebirge Deutschlands, mit seinen Gipfeln, Schluchten,  Wasserfällen und Seen.

Etwa die von Rhododendronsträuchern eingerahmten Geroldsauer Wasserfälle bei Baden-Baden, der Ellbachsee bei Baiersbronn, ein Überbleibsel aus der  letzten Eiszeit, mit seinem  grünen Muster durch eine schwimmende Pflanzendecke. Lebensraum für selten gewordene Tiere.  Vorbei an Farnen und Heidelbeersträuchern führt der Weg zu den Felsen-Naturdenkmalen Bernstein  und Mauzenstein über Frauenalb mit der beeindruckenden Klosterruine. Dort stößt die Autorin auf den Historischen Grenzweg, der einst die Herzogtümer Baden und Württemberg trennte.

Seit  200 Jahren Besuchermagnet sind die Hohenheimer Gärten im Süden Stuttgarts. Friedrich Schillers Vater, erfährt der Leser, war  bis zu seinem Tod 1796 Inspekteur sämtlicher  herzoglicher Gärten und Baumschulen und für Hohenheim zuständig. „18 Baumveteranen stammen noch aus der Ursprungsphase des Parks  von 1793“. Der Schlosspark ist zu einem außergewöhnlichen Arboretum geworden:  Mammutbäume, die gelbblühende Magnolie, der Gingko und ein Riesen-Lebensbaum sind dort zu bewundern. Im Hohenlohischen befindet sich das Naturdenkmal Neusaßer Linde bei Wallfahrtskapelle Neusaß, die zum Kloster Schöntal gehört. 300 bis 500 Jahre ist diese alt.

Die Ostalb, der östliche Ausläufer der Schwäbischen Alb, ist bekannt für ihre markanten Felsformationen. Besonders imposant wirkt der  Rosenstein,  ein „klotziges Felsmassiv“,  bei der früheren Reichsstadt Schwäbisch Gmünd. Über 40 Höhlen gibt es am Rosenstein, die eindrucksvolle Namen tragen wie „Große Scheuer“, „Kleine Scheuer“, „Das Haus“, „Finsteres Loch“ oder „Teufelsklinge“ und um welche sich Volkssagen ranken. Archäologische Funde legen den Schluss nahe, dass diese  von der Altsteinzeit über die Metallzeiten und das Mittelalter bis heute besiedelt gewesen sind. Auf einem mächtigen Felsblock  steht die geheimnisvolle  Burgruine Rosenstein, die Ruine einer Höhenburg, errichtet  im 13. Jahrhundert.

Felsen gibt es auf der Schwäbischen Alb mehr als reichlich, stellt die Autorin fest. Jedoch dürfte der  „Napoleonfelsen“ in  Neresheim nahe der bayerischen Stadt Nördlingen  der einzige sein, auf dem die französische Trikolore weht. Wobei Napoleon selbst - entgegen mancher Gerüchte - nie in Neresheim gewesen ist. 1796 besetzen französische Truppen Süddeutschland. General Jean Victor Moreau, der französische Oberbefehlshaber,  nimmt im Benediktinerkloster, einer der bedeutsamsten Kirchenbauten des Spätbarock,  oberhalb  der Stadt Quartier. Am "Napoleonsfelsen", am Weg vom Kloster zur Wallfahrtskapelle „Maria-Buch“, lagert das französische Heer.

Die dreifarbige Fahne soll daran erinnern, dass Neresheim  am 11. August 1796 Austragungsort einer Schlacht zwischen  der kaiserlichen Armee und den Franzosen gewesen ist. Letztere brannten „Maria Buch“ nieder. Bei dem sagenhaften  Ursprung  dieser Kapelle nach dem Dreißigjährigen Krieg spielt die in der Gegend häufig vorkommende Buche eine entscheidende Rolle. Eine Inschrift am Triumphbogen in Paris erinnert an den Sieg der napoleonischen Truppen bei der "Schlacht bei Neresheim".

Schließlich der Schwarze Kocher bei Oberkochen, der Brenzursprung  in Königsbronn, wo sich auch  eine Georg-Elser-Gedenkstätte befindet wie auch ein Denkmal an den Widerstandskämpfer gegen den Nationalsozialismus erinnert. In der Nähe von Heidenheim liegt das idyllische Eselsburger Tal mit seinen „Steinernen Jungfrauen“.  Verzaubert von einer bösen Burgherrin, so die Überlieferung. Auf den Wacholderheiden blühen im Frühling Märzenbecher, Küchenschellen und Leberblümchen dicht an dicht.  Die Charlottenhöhle, in der einst Bären lebten.  Die Vogelherdhöhle bei Niederstotzingen, wo unter anderem elf

 

Figuren aus Mammut-Elfenbein gefunden worden sind, ein „Sensationsfund“. Und schließlich erfährt man sogar, dass das Rätsel um die geheimnisvolle Sibyllenspur im Lautertal bei der Burg Teck, der Sage nach   die Spur des Wagens der Prophetin Sibylle,  gelöst  ist.

Brunhilde Bross-Burkhardts Reiseführer „50 sagenhafte  Naturdenkmale in  Baden-Württemberg“ ist ein Reiseführer der ganz besonderen Art. Die von ihr geschilderten Exkursionen sind wahre Entdeckungsreisen, welche Naturerlebnisse und interessante Geschichten verknüpfen. Inhalts- und kenntnisreich präsentiert. Dazu noch  kurzweilig geschrieben. In welchem es sich auch einfach schmökern lässt. Nicht vergessen wird selbstverständlich, den Schwierigkeitsgrad ausgedehnter  oder kurzer Touren, die Anreise -  auch mit öffentlichen Verkehrsmitteln – zu erwähnen. Eine Vielzahl ausdrucksstarker Fotografien, von der Autorin selbst aufgenommen, illustrieren das Buch.

 

 

Dr. Brunhilde Bross-Burkhardt

 „50 sagenhafte  Naturdenkmale in  Baden-Württemberg“

192 Seiten 100 farbige Fotos, 1 Karte

Steffen Verlag Berlin

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Aalener Kulturjournal