Catharina Regina von Greiffenberg zum 384. Geburtstag

 "Mein dapfers Herz soll nichts als Ruh und Freyheit spüren"

Geboren wird Catharina Regina von Greiffenberg, die dem protestantischen Landadel Österreichs entstammt, am 7. September 1633 auf Schloss Seisenegg in Niederösterreich. Erzogen wird sie sorgfältigst im Geist der Renaissance durch die Mutter und den Onkel, Hanns Rudolph von Greiffenberg, der ihr den früh verstorbenen Vater ersetzt und als Vormund den Besitz verwaltet.   Catharina, einzige Erbin der Schloss- und Gutsherrschaft, lernt Latein, Französisch, Italienisch, Spanisch, Geschichte , Rechts- und Staatswissenschaften; dazu Unterricht in Tanzen, Malen, Singen, Reiten und Jagen.

Als Erwachsene studiert sie selbstständig  die Naturwissenschaften, vor allem Alchemie, Astronomie und Anatomie, und mit großer Leidenschaft Theologie und Philosophie. Caspar von Lilien, Generalsuperintendent von Bayreuth, nennt sie 1666  "ein Wunder unserer Zeit".

Gefördert wird sie ebenfalls von dem damals berühmten Übersetzer Johann Wilhelm von Stubenberg, durch den sie die Ister-Gesellschaft, einen adligen Freundschaftsbund aufgenommen wird.

Ihr Vormund und Onkel lässt auch ihr erstes Buch drucken - "ohne meiner geliebten Fräulein Muhme Vorwissen und Erlaubniß" -, welches, wie er im Vorwort schreibt, sie an den Zeitvertreib ihrer Jugend erinnern solle. Als Siebenjährige findet  sie, als sie dem Vater entgegeneilt, um ihn  zu begrüßen, diesen tot in seiner Karosse. Geistliche Lieder beginnt sie zu schreiben, um den Schmerz und die innere Qual wegen des frühen Todes ihrer einzigen jüngeren  Schwester   1651 zu verarbeiten. Zwanzig Jahre später klagt sie noch: "Es war Mein Herz und Alle Gedanken mit Ihr gen Himmel geflogen." Die protestantischen Greiffenbergs  haben zunehmend als Minderheit im  katholischen Herrschaftsbereich zu leiden, hinzu kommen finanzielle Schwierigkeiten, bedingt  durch  den Dreißigjährigen Krieg.

Im Sommer 1663 muss Catharina zusammen mit ihrer Mutter vor den Türken, die in Österreich eingefallen sind, nach Nürnberg fliehen.

Ihre  langen Widerstand  - "mein dapfers Herz soll nichts als Ruh und Freyheit spüren" - gegen die Heiratsabsicht ihres Onkel gibt sie 1664 auf und heiratet diesen in Nürnberg, obwohl die Rechtmäßigkeit dieser Verwandtenehe in Österreich immer wieder in  Frage gestellt wird. 1677 nach dem Tod ihres Mannes gerät sie in wirtschaftliche Not,  geht dann endgültig nach Nürnberg, wo sie bis zu ihrem Tod lebt. 

Neben ihrer Sonetten- und Liedersammlung veröffentlicht sie  geistliche "Andachtsbücher", Meisterstücke der barocken Prosa vom  Leben und Sterben Jesu Christi, die sie bereits zu Lebzeiten berühmt  machen. Sie ist Mitglied zweier  Sprachgesellschaften:  das erste weibliche Mitglied in Zesens "Deutschgesinnter Genossenschaft" und in Sigmund von Birkens "Pegnesischem Blumenorden", der ihren weiblichen "Geist-Reichtum" preist.

Am 8. April, dem Ostersonntag des Jahres 1694 stirbt Catharina von Greiffenberg, die wichtigste Dichterin des Barocks, im Alter von 60 Jahren.

 

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Aalener Kulturjournal