Die blaue Blume der Romantik

"Die blaue Blume sehn' ich mich zu erblicken", lässt der frühromantische Dichter Novalis seinen Romanhelden Heinrich von Ofterdingen im gleichnamigen Romanfragment seufzen. Damit ist das  zentrale Symbol der deutschen Romantik geboren. In Literatur, Malerei und Musik heißt die Sehnsucht fortan: die blaue Blume.

"Was ihn mit voller Macht anzog, war eine hohe lichtblaue Blume, die zunächst an der Quelle stand, und ihn mit ihren breiten, glänzenden Blättern berührte. Rund um sie her standen unzählige Blumen von allen Farben und der köstlichste Geruch erfüllte die Luft. Er sah nichts als die blaue Blume und betrachtete sie lange mit unnennbarer Zärtlichkeit."

Im Traum erscheint sie Heinrich, einem jungen Minnesänger, der sich auf Suche nach ihr begibt. Von vielen wird die blaue Blume ersehnt, bleibt aber letztlich unerreichbar.

Ein norddeutscher Rosenzüchter ist vielleicht auf gutem Wege. Seine "Novalis" glänzt durch einen Blaustich und gilt bis dato als die blaueste aller blauen Rosen. Den Siegeskranz glauben indes die Japaner in Händen zu halten. In Nippon steht die blaue Rose für erfüllte Liebe. Die Züchtung "Applause" trifft eigentlich den richtigen Farbton, aber der ist gentechnisch erzeugt und scheidet deshalb aus dem Rennen. Die Suche nach der echten blauen Blume geht also weiter und bis sie gefunden ist, darf  Joseph von Eichendorff sehnsuchtsvoll träumen:

"Ich suche die blaue Blume,

Ich suche und finde sie nie,

Mir träumt, dass in der Blume

Mein gutes Glück mir blüh." 

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Aalener Kulturjournal