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Hans-Jürgen Gaudeck: "Im Zauber der Gärten"

Über die Liebe zur Natur

In seinem neuen  Buch  „Die Tage kommen blütenreich und milde …“ entführt der Künstler Hans-Jürgen Gaudeck in verzaubernde Gärten und Parklandschaften. Orte der Muße und Kontemplation. Seit Menschengedenken ein Sehnsuchtsort, schwingt doch in der Vorstellung vom Garten das mythische Paradies als Abglanz göttlicher Schönheit mit.

Von Dichterinnen  und Dichtern der verschiedensten Epochen hat sich Gaudeck zu  traumhaft schönen Aquarellen inspirieren lassen. Ausgewählt habe er Gedichte, erklärt er im Vorwort, welche die Farben der Natur in den Gärten und Parklandschaften aufnähmen. Das geschriebene Wort verbinde sich so mit der Malerei. „Über allem stand der Triumph des Augenblicks, das Gedicht als Impulsgeber für ein unter dem emotionalen Eindruck des Gelesenen gemaltes Aquarell.“

Seine Auswahl bringt rund vierzig  Gedichte. So spannt sich der Bogen von Louise Aston, Hermann Löns,  Luise Egloff, Heinrich Heine,  Friedrich Rückert, Friedrich Hölderlin, Ludwig Uhland, Franz Werfel, Max Dauthendey bis hin zu Else  Lasker-Schüler und weiteren bekannten wie  unbekannten Dichtern. Gestaltet ist der Band in der gewohnten Gaudeckschen Manier: links das Gedicht, rechts das Bild. Über Johann Wolfgang von Goethe,  Joseph von Eichendorff, Theodor Fontane, Rainer Maria Rilke und Eva Strittmatter, um eine kleine Auswahl zu nennen, hat Gaudeck bereits in den vergangenen Jahren wundervoll illustrierte Bände veröffentlicht.

In seinen Aquarellen  bedient er sich des ganzen Spektrums der Farben, um den  Zauber der gestalteten Natur zu spiegeln. Das frische Grün des Frühlings, der Farbenreichtum des Sommers, das warme Leuchten des Herbstes  und die kühle Stille des Winters. Seien es die bunten Blühfarben oder die verschatteten schwarzgrünen Tannen. Hauchzart, fließend bis kräftig sind die Farbnuancen aufgetragen. Den Auftakt macht Louise Aston (1814-1871), die  deutsche George Sand, mit ihrem Gedicht „Die wilde Rose“, welche auf „einsamer Höhe blüht“, um eine verhängnisvolle Sehnsucht  heraufzubeschwören.

Von Gaudeck rot leuchtend, auf das Wesentliche reduziert. Für die kämpferische Dichterin ist die Wildrose Symbol für das Recht der Frauen, nach eigener „Façon“  selig zu werden.  

Das  anmutige  Gedicht „Veilchen“ der bald nach ihrer Geburt erblindeten Lyrikerin Luise Egloff (1802-1834) läutet den Frühling ein, um zu zeigen, wie die „Düfte“ eines einzigen Veilchens  Hoffnung wie Trost zugleich sein können. Durch die Jahrhunderte hindurch erscheint die zarte Blume, von Gaudeck in transparentem violetten Blau duftig aufs Blatt gehaucht, als assoziationsreiches Motiv in Literatur und Malerei.  

In strahlendem Gelb umrahmt von sattem Grün leuchtet Goethes (1749-1832) „ Sonnenblume“.  Sonnenblumen drehen sich immer nach dem Licht. Eine  Nymphe, so erklärt ein antiker Mythos, habe sich vergeblich in den Sonnengott Apoll verliebt, könne verwandelt in eine Blume den Blick nicht mehr von diesem wenden. In Goethes Versen, der die Frauen liebte und von ihnen geliebt wurde, stellt das angebetete „Du“ indes die Sonne in den Schatten. Zu Goethes 76. Geburtstag am 28. August 1825, sendet die vierzig Jahre jüngere Marianne von Willemer (1784-1860), Goethes „liebe Kleine“, ein verspätetes Geschenk: „Zarter Blumen reich Gewinde flocht ich Dir zum Angebinde; Unvergängliches zu bieten.“

Herrlich bunte Wildblumen spiegeln im Aquarell die Verse. Erinnert  sei hier zudem  an Goethes "Divan", in welchem die Beiden als Hatem und Suleika in poetischer Zwiesprache ihre Liebe unsterblich werden lassen.

Blumen seien die  Liebesgedanken der Natur, schwärmt die  Romantikerin Bettina von Arnim (1785-1859). Kongenial bringt Hans-Jürgen Gaudeck die Blütenpracht in ihren wundervollsten Farbnuancen aufs Blatt. Das lyrische Ich  in  dem Gedicht „Beschränkung“ des Dichters und Sprachgelehrten Friedrich Rückert (1788-1866) gesteht: „Weit spazieren mag ich nicht, der Tag ist warm“. Zufluchtsort  vor „der Städter Schwarm“ sei sein sommerlicher Garten, in dem er Ruhe und Frieden finde. Ein Hortus conclusus.

Der österreichischen mit nur 19 Jahren verstorbenen Dichterin  Lisa Baumfeld (1877-1871), im Alter von zwölf Jahren veröffentlicht sie erstmals Gedichte, offenbart sich in ihrem „Sommertraum“ die ganze Magie der Natur. „Hörst du′s rauschen, lispeln, flüstern, Elfenmärchen - Duft und Schaum ...?“

Selbstverständlich darf Eduard Mörikes (1804-1875) Gedicht „Septembermorgen“, welches zart und virtuos auf den Herbst einstimmt, nicht fehlen. „ Im Nebel ruhet noch die Welt, Noch träumen Wald und Wiesen.“ Auf dem  begleitenden Bild verlieren sich zwei Menschen im  Morgennebel der verschleierten Landschaft.

 „Mir ist das Herz so froh erschrocken, das ist die liebe Weihnachtszeit!“, ruft das lyrische Ich aus in Theodor Storms (1817-1888)  anrührendem „Weihnachtslied“. Der Kreislauf der Jahreszeiten, das Werden und Vergehen, Leben und Tod, schließt sich am Ende. Die Sternennacht, der Duft des  Tannenwaldes und Weiße Weihnachten verschmelzen, um den alten Kinderglauben zu wecken und das lyrische Ich zum Träumen zu bringen.

Im Gedicht ist eine Blume keine Blume, ein Baum kein Baum. So unterschiedlich diese sind, so haben sie doch eins gemeinsam: Sie sind mehr als bloße Beschreibung der Natur. Mit Bedeutung aufgeladen werden sie zur wandlungsreichen Metapher, Assoziationsräume öffnend: Freude und Leid als Ausdruck der eigenen Seins oder als Reaktion auf Erlebtes. Auch auf gesellschaftliche Veränderungen.

Gaudecks Malerei beflügelt die Phantasie. Ihm gelingt, die lyrische Wortkunst in poetische Aquarelle voller Zartheit und Leichtigkeit zu verwandeln. Der so entstehende Dialog zwischen unterschiedlichen Ausdrucksformen wird zur Hommage an die Schönheit der Natur.

Ein prächtiges Buch für Liebhaberinnen und Liebhaber schöner Gärten und Gedichte.

 

 

 

Hans-Jürgen Gaudeck

Im Zauber der Gärten

Goethe bis Rilke über die Liebe zur Natur

84 Seiten

Steffen Verlag

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Aalener Kulturjournal