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Heinrich Mann zum 150.

Ein Streiter für Wahrheit, Vernunft und Demokratie

Heinrich Mann (1871-1950), Spross einer großbürgerlichen begüterten Lübecker Kaufmannsfamilie, Thomas Manns älterer Bruder, steht als Literat ein Leben lang in dessen Schatten. Ihr schriftstellerischer Anfang, Heinrich Mann mit „Im Schlaraffenland“ und Thomas Mann mit den „Buddenbrooks“, zeigt bereits, welche literarisch höchst unterschiedliche Entwicklung die Brüder als Autoren nehmen werden. Während Heinrich als Satiriker die bürgerliche Scheinmoral, den deutschen Untertanengeist anprangert, zu einem bedeutenden Kritiker des Wilhelminismus wird, sieht sich Thomas als „unpolitischen Ästheten“. Später nach dem Ersten Weltkrieg nähern sich beide jedoch im Geiste der Weimarer Republik wieder an. 

Für Wahrheit, Vernunft, Frieden und Demokratie sollten Schriftsteller streiten, so Heinrich Mann, der sich an dem unbestechlichen Aufklärer Lessing, an den Idealen Freiheit und Gleichheit der Französischen Revolution orientiert, als Gegenentwurf zum wilhelminischen Deutschland. Schon früh entwickelt der Schriftsteller, dessen Frankreichbild sich vor allem aus der Literatur speist, eine schwärmerische Beziehung zur französischen Kultur, seine geistige Heimat lebenslang. Literarisch beeinflusst von den großen Franzosen des 19. Jahrhunderts: Balzac, Anatole France und Maupassant. „Mir hat Frankreich ein Leben lang Gutes gegeben“, resümiert Heinrich Mann.

Sein 1900 erschienener Roman  „Im Schlaraffenland“  schildert die korrupte Welt der Schönen und Reichen, der Berliner Börsianer, Schnapsfabrikanten und Journalisten. „Die Göttinnen oder Die drei Romane der Herzogin von Assy“ thematisieren Leidenschaft und Tod, die Ästhetisierung des Lebens durch die Kunst. Berühmt macht Heinrich Mann der satirische Roman „Professor Unrat oder das Ende eines Tyrannen“ (1905), weltberühmt wird er durch dessen  Verfilmung mit Marlene Dietrich als „Blauer Engel“, eine Geschichte von der Doppelmoral des Bürgertums.

 

1933 werden seine Bücher  verbrannt

 

 „Der Untertan“ erscheint 1918, dessen Vorabdruck in einer Zeitschrift ist 1914 bei Kriegsausbruch abgebrochen worden. 1931 wird dieser mit den Romanen „Die Armen“(1917), „Der Kopf“ (1925) zur  Trilogie „Das  Kaiserreich“ zusammengefasst. Eine beißende Satire auf den Wilhelminismus. Hass, aber auch Popularität innerhalb der Kunst- und Kulturszene der Weimarer Republik erntet er dafür. Je nach politischer Haltung.

1926 wird Heinrich Mann in die Sektion für Dichtkunst der Preußischen Akademie der Künste gewählt, steht dieser 1931 vor. Februar 1933 wird er aus der Preußischen Dichterakademie geworfen, im Juni seine Bücher verboten. Mit der Begründung: „Ressentiment-erfüllter Schriftsteller, der seine große Begabung dazu benutzt, das nationale Deutschland lächerlich zu machen; z.T. auch zersetzend.“ Auf den NS-Scheiterhaufen verbrennen 1933 die Werke Heinrich Manns. Die deutsche Staatsbürgerschaft wird ihm aberkannt.

1933 flüchtet Heinrich Mann in Begleitung seiner späteren Ehefrau Nelly Krueger nach Frankreich,  engagiert sich  zusammen mit anderen deutschen Emigranten, zum Beispiel Kersten, Feuchtwanger, Roth und Klaus Mann, in der Exil-Politik. Während des Exils schreibt der Autor einen zweiteiligen Roman um den populären französischen König „Henri Quatre“. Der erste Band trägt den Titel „Die Jugend des Königs Henri Quatre“ (1935), der zweite „ Die Vollendung des Königs Henri Quatre“ (1938). In der Figur des Königs verkörpert sich ein moderner Herrscher, der die Interessen seines Volkes vertritt. Ein Gegenentwurf zum NS- Regime.

Nachdem nationalsozialistische Truppen 1940 Südfrankreich besetzen,  flieht Heinrich Mann 1940 in die Vereinigten Staaten. Dabei Nelly Krüger, sein Neffe Golo Mann, Franz Werfel und Alma Mahler-Werfel.

Der Roman „Empfang bei der Welt“, in welchem Heinrich Mann am Beispiel alternder Künstler, rühriger Kunstmanager und gewissenloser Rüstungsindustrieller satirisch eine morbide Gesellschaft zeichnet, ist seine erste große Prosaarbeit nach seiner Flucht aus Frankreich in die Vereinigten Staaten. Das letzte Lebensjahrzehnt verbringt er in Los Angeles,  ohne auf dem amerikanischen Buchmarkt im Unterschied zu seinem Bruder Thomas, dem Nobelpreisträger, Fuß fassen zu können.

 

Ein Zeitalter wird besichtigt

 

Die amerikanische Mentalität bleibt Heinrich Mann fremd, während er im Kommunismus die Ideale der Französischen Revolution verwirklichtglaubt, in Stalin den Bezwinger des Faschismus und geistigen Führer verehrt. Unvorstellbar für ihn, dass dieser ein Tyrann sein könnte. Ein weltfremder Träumer!? Zu jener Zeit gibt es auch andere Stimmen: Arthur Koestler wendet sich bereits 1938 vom Kommunismus ab, sein  Roman „Sonnenfinsternis“, 1940 in England erschienen,  ist der erste Roman, der vom politischen Terror unter Stalin erzählt. Koestler wird als Verräter diffamiert, sein Roman abgetan von den „Genossen“ als Propaganda des sogenannten Klassenfeinds.

In Amerika schreibt Heinrich Mann noch drei weitere Romane und seine Memoiren „Ein Zeitalter wird besichtigt, Rückblick auf sein Leben“ (1945).  Am 12. März 1950 stirbt  er in Santa Monica, wenige  Wochen bevor er nach Ost-Berlin zurückkehren will, um das Amt des Präsidenten der Akademie der Künste zu übernehmen.

Sein Werk umfasst Novellen, Dramen, Essays und vor allem Romane. Die im Text genannten Werke sind nur eine kleine Auswahl seines Schaffens.

„Die strömende, reißende, forensisch berauschende Beredsamkeit des Dichters ist wie Musik. Die Bilder kommen wie im Flug. Mit drei Sätzen bildet ein genialischer Skizzenzeichner eine Schlacht, ein Tal, eine Umarmung, einen Mord, ein Schloß, Gebirg und Meer … Er hat den freiesten Umgang mit der deutschen Sprache …

Das ist kein gewöhnlicher historischer Roman, … das ist nur Weisheit, Poesie, der Strom der Rede und der Strom der Bilder, ungehemmte Manier und manierierte Meisterschaft“, urteilt Hermann Kesten, Lektor und  einstiger Verlagsleiter bei Kiepenheuer in Berlin, der 1933 wie Heinrich Mann  aus Deutschland fliehen muss.

 

Auswahl wichtiger Werke:

Professor Unrat (Roman, 1905)

Die kleine Stadt (Roman, 1909)

Der Untertan (Roman, 1918)

Die Jugend des Königs Henri Quatre (Roman, 1935)

Die Vollendung des Königs Henri Quatre (Roman, 1938)

Der Atem (Roman, 1949)

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Aalener Kulturjournal