Roman Hinke:  Antonio  Vivaldi -  Die vier Jahreszeiten

Nicht nur für Musikfreunde!

"Musik und Bilder zu vereinen, Töne und Farben - das ist ein uralter Traum. Geträumt von Musikern und Malern gleichermaßen." Mit diesen Worten beginnt Musikessayist Roman Hinke seine Hommage an das bekannteste Werk Antonio  Vivaldis: "Die vier Jahreszeiten".

Plaudernd taucht Hinke in das Leben des Großmeisters des italienischen Barock Antonio  Vivaldi (1678-1741) ein. 

Hineingeboren in eine venezianische Musikerfamilie, vom Vater zum Geistlichen bestimmt, kann Vivaldi nach eigenem Bekunden jedoch diesen Beruf aus gesundheitlichen Gründen nie ausüben. Sein ganzes Leben lang wird er dennoch "il prete rosso", der rothaarige Priester, genannt. 

Antonio  Vivaldi wird Lehrer, dann Direktor des venezianischen Mädchenwaisenhauses "Ospedale della Pietà". Auch in zahlreichen anderen Städten Italiens wirkt er, jedoch bleibt Venedig sein Zentrum. 

 

Vivaldi ist ein Vielschreiber, rund 770 Werke sind bekannt. Politisch bedeutungslos geworden ist Venedig zu Vivaldis Lebzeiten eine der europäischen Musikmetropolen. Oper, Konzert und Kirchenmusik sind damals noch nicht getrennt wie im  19. und 20. Jahrhundert, sodass sie oftmals in Händen des gleichen Komponisten liegen. Am 28. Juli 1741 stirbt Vivaldi in Wien, wird dort beerdigt. Armselig wie später Mozart. Eine Gedenktafel erinnert heute an ihn. Bald vergessen nach seinem Tod erlebt er erst in den späten 1920er Jahren eine Renaissance.

Musik und gemalte Poesie

Kundig wie unterhaltsam erzählt Roman Hinke von den "Vier Jahreszeiten" ("Le quattro stagioni dell´anno"). Viel Malerisches liegt in dieser Musik. Beglückend  anzuhören. Der  Zyklus, 1725 erstmals gedruckt, besteht aus vier Konzerten, zeichnet - wie der Titel bereits besagt - die vier Jahreszeiten nach. Bereits Mitte des 18. Jahrhunderts sind die Konzerte ein internationaler Erfolg. Die "Jahreszeiten" schreibt der Komponist nach wohl selbst verfassten Sonetten ("Klinggedichten"), welche charakteristische Naturerscheinungen beschreiben. Von Vivaldi regelrecht mit Tönen gemalt. Immer im Einklang mit den jahreszeitlichen Stimmungen. 

Im ersten Teil der nahende Frühling mit Vogelgezwitscher, murmelnden Quellen. Danach die lähmende Hitze des Sommers. Tauben, Finken, ein Kuckuck ruft. Das Grollen eines aufziehenden Unwetters. Die Klage des Hirten über solch Bedrohung. Dann "Der Herbst", welcher den Erntedank anschaulich feiert. Einer Traumszene folgt ein eindringliches Jagdfinale. Schließlich "Der Winter" mit klirrender Kälte. Der häusliche Frieden am Kamin, die Menschen beim Eislaufen. 

Feinfühlig interpretiert Roman Hinke die Musik, verknüpft sie mit den Aquarellen Hans-Jürgen Gaudecks. Beides fügt sich zu einem harmonischen Zwiegespräch. "Alles atmet Heiterkeit." 

Musik wie Aquarelle. Die in der Musik schlummernden Impressionen, die Farbigkeit Venedigs spiegeln sich in den Bildern. Stadtansichten, venezianische Gondeln, das Symbol der Lagunenstadt. Naturausschnitte. Enge und Weite wechseln in den zarten bezaubernden Aquarellen. Ein Spiel mit Nähe und Ferne. Wolkenbildungen, Baumgruppen, Figurengruppen. Transparent wie lichtdurchflutet. Üppiges und zartes Grün der Bäume. Braun entlaubt im Herbst. Das Ziegelrot der Bauwerke. Die ätherische Bläue des  Himmels oder das Schwarzblau bedrohlicher Wolken. Mit flüssiger Pinselschrift gestaltet Gaudeck feine Nuancen der Farbigkeit.

Für Musik- wie Kunstliebhaber eine kleine Kostbarkeit!

 

 

Roman Hinke

Antonio Vivaldi -

Die vier Jahreszeiten

Aquarelle: Hans-Jürgen Gaudeck

16,95 Euro

Steffen Verlag, Berlin

 

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Aalener Kulturjournal