Janne Mommsen: "Mein wunderbarer Küstenchor"

Ein Leben ohne Gesang wäre möglich, aber trostlos

Dem Reformator Martin Luther, die „Wittenbergische Nachtigall“, wie ihn der Nürnberger Meistersinger  Hans Sachs nennt, verdanken wir nicht nur Bach, sondern auch die Chorbewegung. "Die Musik verjagt den Teufel und macht die Menschen fröhlich“, weiß er. Ein taugliches Mittel sei sie gegen „Zorn, Zank, Hass, Neid, Geiz, Sorge, Traurigkeit und Mord“.

Mit der Romantik entstehen die Gesangsvereine, in welchen Bauern, Bürger und Adlige zusammen singen, aber auch diskutieren. Der schwäbische Dichter Ludwig Uhland meint gar: "Singe, wem Gesang gegeben, in dem deutschen Dichterwald! Das ist Freude, das ist Leben, Wenn´ß s von allen Zweigen schallt."

Nicht anders ist die Motivlage in Janne Mommsens Roman "Mein wunderbarer Küstenchor", welchem das Motto "Ein Leben ohne Gesang wäre möglich,  aber trostlos" vorangestellt ist. Der Autor, an der Ostsee geboren und aufgewachsen, ist  übrigens selbst begeisterter Chorsänger.

Das beschauliche mecklenburgische Städtchen Klütz, in der die Handlung spielt, wird im Winter noch ruhiger. Wenn die Saison zu Ende geht, schließt  das von Britta geführte Hotel. Um dem Trübsinn der langen Winterzeit etwas entgegenzusetzen, trifft man sich jeden Mittwochabend, dem "Höhepunkt der Woche",  zu Singstunden im Chor. Seit zwanzig Jahren. Mit dabei eine unverheiratet schwangere Pastorin, eine Bauersfrau, eine Galeristin, eine russische Krankenschwester, eine Physiotherapeutin, Brittas Großtante und einige wenige Männer, die  gemeinsam "Country Roads", "Don´t Worry, Be Happy" schmettern.

Die Hiobsbotschaft, der Leiter ziehe weg, alarmiert die  Mitglieder, die wissen, welch wichtige Rolle der Chor für das Miteinander spielt. Außerdem ist ein Wettbewerb in Finnland in Gefahr. Britta versucht vergeblich einen Nachfolger zu finden, erlebt dabei allerlei Skurriles. Ein junger Klavierprofessor ist jedoch  von ihr so beeindruckt, dass er sie überzeugt, selber die Leitung zu übernehmen. Nach anfänglichem Zweifel lässt sich Britta auf das Abenteuer ein. "Aber dann erkannte sie, dass alles total anders werden würde  als gedacht."

Janne Mommsen bettet die Romanhandlung ein in viel Lokalkolorit und viel "Liebe zur Natur": verträumte Dörfer, alte Kirchen, malerische Landschaften, einsame  Strände, Wiesen und Felder mit Blick auf die  Ostsee. Nebenbei erfährt der Leser, dass in Uwe Johnsons Werk sich die Gegend widerspiegelt. Und dass ein Literaturhaus an den Schriftsteller erinnert.

Ein heiteres, liebevoll geschriebenes Buch für lange Sommerstunden!

 

Janne Mommsen

Mein wunderbarer Küstenchor

Roman

Rowohlt Taschenbuch  Verlag

ISBN 978-3-499-27444-2

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Aalener Kulturjournal