Johann Gottfried Herder zum 273. Geburtstag 

 "Humanität meint Menschwerdung des Menschen, Selbstvervollkommnung durch Befreiung."

Herder, am 25. August 1744 in dem ostpreußischen Städtchen Mohrungen in der Nähe von Königsberg als Sohn  eines Kantors und Küsters geboren, ist einer der bedeutenden Anreger der deutschen und europäischen Geistesgeschichte, besonders auf den Gebieten der Geschichtsphilosophie, der Sprachphilosophie, der Kultur- und Literaturgeschichte. In Königsberg studierte er Medizin, dann Theologie und Philosophie bei Kant. Herder litt unter der Enge, dem politischen und sozialen Druck seiner Zeit, er hasste den friderizianischen Absolutismus, dessen Soldatendienst er durch die Übersiedelung nach Riga, das zu Russland gehörte, entgangen war. Ab 1764 unterrichtete er als Lehrer an der dortigen Domschule. Während eines Aufenthalts in Paris  kam  er mit Diderot zusammen. 1770 begegnete er in Straßburg dem jungen Goethe, auf den er mit seiner Geschichtsphilosophie  großen Einfluss ausübte  und dessen Interesse er für das Drama Shakespeares, die Kunst der Gotik und für die Volkslieder weckte. Aspekte, die  in der Epoche des Sturm und Drang eine große Rolle spielen.  

 

"Humanität ist der Zweck der Menschennatur."

 

1776 übersiedelte er nach Weimar und übernahm auf Vermittlung Goethes das Amt des Generalsuperintendanten (Chef der Evangelischen Landeskirche) und Hofpredigers.

Genauso einflussreich war Herder mit seinem Humanitätskonzept. "Humanität" als umfassendes Ideal, für alle Völker gültig, war Schlüsselbegriff seines Denkens. Auch im Zentrum seiner theologischen Gedanken stand das Humane, die Gotteslehre setzte er gleich mit dem Anspruch von Menschlichkeit. Humanität meint Menschwerdung des Menschen, Selbstvervollkommnung durch Befreiung. Der Mensch ist nicht Mittel zum Zweck, er ist selbst Zweck. "Vernunft", "Freiheit", "Tugend", "Toleranz", "Religion", "Bildung" sind Teilaspekte des Begriffs. Qualitäten, die  den Menschen vom Tier unterscheiden. "Humanität ist der Zweck der Menschennatur. Die Bildung zu ihr ist ein Werk, das unablässig fortgesetzt werden  muss, oder wir sinken, höhere und niedere Stände, zur rohen Tierheit, zur Brutalität zurück." Die Geschichte der Völker wird so zu einer "Schule des Wettlaufs zur Erreichung des schönsten Kranzes der Humanität und Menschenwürde". Das Denken und Dichten war gemeineuropäisch orientiert. "Humanität" wurde durch das Ideal des Weltbürgertums ergänzt. Herder wird so zu einem der Wegbereiter der Moderne.

Johann Gottfried Herder starb 1803 in Weimar.

 

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Aalener Kulturjournal