Literatur-Treff Aalen: Karin Haisch über Jane Austens Leben und Werk

Verführung, Stolz und Sinnlichkeit

(AK) Beim Literatur-Treff in der Aalener Stadtbücherei war der Andrang so groß, dass Bibliotheksleiter Michael Steffel noch zusätzliche Stühle herbeischaffen musste. Die Frau, um die es thematisch ging, erschien den Besuchern auch zu verlockend, sind doch die Romane der 1775 geborenen englischen Autorin Jane Austen nach wie vor präsent.  Zumindest bei weiblichen Leserinnen, was beim Literatur-Treff zur Folge hatte, dass sich gerademal eine Handvoll Männer einfanden. 

In Jane Austens Romanen geht es um ein selbstbestimmtes und zufriedenes Leben. Und zwar für  Frauen! Was in manchen Ländern noch heute unmöglich ist, war im 18. und 19. Jahrhundert Frauen der englischen Gesellschaft völlig verwehrt. Zumindest wenn es ihnen nicht gelang, eine "gute Partie" zu machen. Kamen Liebe und Zuneigung in den arrangierten Ehen hinzu, war es ein Glücksfall. Bedingung war es jedenfalls nicht.

Mit der notwendigen Portion Humor plaudert Karin Haisch  über Leben und Werk der englischen Klassikerin, welche seit den 70er Jahren des letzten Jahrhunderts auch das deutsche Lesepublikum mit ihren auch nach zweihundert Jahren  noch frischen und unterhaltsamen Romanen begeistert. Und die sich immer noch rund um den Globus bestens verkaufen.

Eine scharfe Beobachterin ihrer Zeit

Am 16. Dezember 1775 kommt Jane Austen als eines von sieben Geschwistern im Pfarrhaus von Steventon zur Welt.  Ihr Todestag jährte sich am 18. Juli vergangenen Jahres zum 200. Mal. Sechs große Romane kann die Autorin, deren  Protagonistinnen immer nach der wahren Liebe suchen, vollenden. In ihnen spiegelt das eigene Schicksal, verzichtet sie doch auf eine Heirat, auch wenn diese nach dem Tod des Vaters ihre gesellschaftliche Stellung wie finanzielle Lage wohl verbessert hätte. Erst der schriftstellerische Erfolg sorgt dafür, dass  Jane Austen, die unter einem Pseudonym schreibt, wirtschaftlich unabhängiger leben kann.

Ein besonders inniges Verhältnis pflegt die Schriftstellerin zu ihrer älteren Schwester

Cassandra, mit der sie  - ein Motiv wie es immer wieder auch in ihren Romanen vorkommt - 

in der hügeligen Landschaft rund um Steventon unterwegs ist. Sie kennt jeden im Dorf, nimmt an allen Festen und wichtigen gesellschaftlichen Anlässen teil. Nicht  selbstverständlich für die damalige Zeit ist, dass der Vater seine Töchter ermuntert viel zu lesen, um sich zu bilden. So gibt er den Töchtern Bücher über historische und wissenschaftliche Themen, auch moderne Romane, die damals nicht selten als anrüchig bewertet werden, gerade für junge Frauen. Und im Familienkreis werden kleine  Theaterstücke aufgeführt. Jane Austen entdeckt in diesem Zusammenhang, wie viel Vergnügen es ihr bereitet, in andere Rollen zu schlüpfen, Dialoge zu erfinden und mit Sprache zu spielen. Genauso liebt sie es, Nachbarn und Dorfbewohner zu beobachten, bringt die dabei gewonnenen Erfahrungen in den Romanen zu Papier. 

Glanzstücke an feiner Ironie und Satire

Jane Austen schöpft im Gegensatz zu den Bronte-Schwestern,  die sich in eine Fantasiewelt flüchten, aus der gesellschaftlichen Realität. Nach dem Ausscheiden des Vaters aus dem aktiven Pfarrdienst  zieht die Familie nach Bath (Southampton). Wenig begeistert davon zeigt sich die damals 25-jährige Jane, fühlt sie sich doch in dem kleinen Kurort durch die strengen  Konventionen eingeengt.

Dafür liefert ihr nun  die "vornehme Gesellschaft"  neuen Stoff für die Romane. Die Welt der Adeligen und Neureichen stehen in Janes literarischem Fokus, Menschen, die sich für fein 

und kultiviert halten, es aber in Wirklichkeit nicht sind. Mit scharfem Blick entlarvt und mit spitzer Feder zu Papier gebracht. Glanzstücke an feiner Ironie und Satire.

Wie humorvoll  und brillant die Autorin zu formulieren vermochte,  zeigte Karin Haisch anhand verschiedener Leseproben  aus den Romanen "Stolz und Vorurteil" und "Sinn und Sinnlichkeit". Markenzeichen Jane Austens  sind gerade Streitgespräche, welche sprühen vor  Intelligenz und Schlagfertigkeit. Die beweisen, wie selbstbewusst die Frauen mit Worten zu fechten wissen. 

Jane Austen ist keine Ahnfrau von Rosamunde Pilcher, sondern in ihren Gesellschaftsromanen fordert sie von und für Frauen eine gesunde Mischung aus Liebe und Vernunft.

Am Ende zitiert Karin Haisch noch verschiedene Stimmen zu der Autorin. So sagt das Lästermaul Mark Twain über seine verstorbene Kollegin: "Jedes Mal, wenn ich `Stolz und Vorurteil´ lese, möchte ich die Frau am liebsten ausgraben und sie mit ihrem eigenen Schienbein versohlen." Seine Motive sind allerdings nicht bekannt. Winston Churchill ist von ihr begeistert.  Noch begeisterter äußert sich Virginia Woolfe: "Jane Austen verbindet geistreichen Witz mit perfektem Geschmack."  

 

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Aalener Kulturjournal