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Katharina Kramer: „Die Sprache des Lichts“

Der Vergangenheit so nah

Mit ihrem Debütroman „Die Sprache des Lichts“ taucht Katharina Kramer tief ein in das krisengeschüttelte 16. Jahrhundert am Vorabend des Dreißigjährigen Krieges. Getrieben von Machtgier und religiösem  Wahn bekämpfen sich Katholiken und Reformierte erbarmungslos.  „Düstere Zeiten!“

Um das mysteriöse Buch Soyga, eine  in der Renaissance verfasste Schrift zur Magie und Astrologie, zu enträtseln, begeben sich die Protagonisten des Romans auf eine gefährliche Suche quer durch Europa. Das Werk enthält einen merkwürdigen Code, welcher  der Schlüssel zur Ursprache, der Sprache der Schöpfung, mit der Gott die Welt erschaffen hat, sein soll. „Und Gott sprach: Es werde Licht, und es ward Licht“, steht in der Genesis. In dieser Sprache liege eine ungeheure Macht. Sie habe Schöpfungskraft. Genauso wie bei der Erschaffung der Welt. Der  beabsichtigte Verwendungszweck des Zauberbuches ist  höchst unterschiedlich - je nach Interessenslage. Das reale Buch Soyga galt lange als verschollen, erst 1994 werden in britischen Bibliotheken zwei Manuskripte wiederentdeckt.

Gründlich recherchiert hat die Autorin für ihren historischen Roman. Ein üppiges Figurenensemble, schillernde Charaktere, unterschiedlichster Herkunft und Profession, Gelehrte,  Herrscher, Spione, Verschwörer, viele historisch verbürgt, trägt das konventionell erzählte Geschehen, welches im April 1582 beginnt und im Januar 1583 endet. Geschickt und mit großer Fabulierlust werden die Figuren durch die spannungsreiche Handlung dirigiert. Der Schauplatz wechselt von Kapitel zu Kapitel, spielt auf Burgen und in Städten in den Pyrenäen, in Sachsen, England. 

 

Engel, Priester, Scheiterhaufen

 

Katharina Kramers Hauptfiguren, deren Wege sich immer wieder kreuzen,  sind der elisabethanische Universalgelehrte und Berater und von Königin Elisabeth I. John Dee, in dessen Besitz sich tatsächlich ein Exemplar des Buches befand. Historisch verbürgt ist ebenfalls der zwielichtige Alchemist Edward Kelley alias Edward Talbot. Als Engelsmedium sollte  er für John Dee sich mit Engeln unterhalten. Der Erzengel Uriel höchstpersönlich habe ihn darüber aufgeklärt, dass im Paradies die Schrift, übersetzt von Erzengel Michael, Adam von den Engeln offenbart worden sei.

Zu Dees Gelehrtenkreis hat der italienische Priester, Philosoph und Astronom Giordano Bruno (1548-1600), der sein Leben auf dem Scheiterhaufen verlieren wird, Kontakt. Zwischen Edward Kelley und dem fiktiven Jacob Greve, Lutheraner und sprachgenialer  Lehrer für Latein, Griechisch und Hebräisch aus Sachsen, an welchem die unterschiedlichen  Fraktionen großes Interesse zeigen, entwickelt sich eine Freundschaft. Zusammen werden sie schließlich am Ende nach Amerika aufbrechen. Mit ungewissem Ausgang. Die Protagonistin Margarète Labé, eine gelehrte unabhängige Frau, inspiriert wird die Autorin durch die  im 16. Jahrhundert gefeierte französische Dichterin Louise Labé, agiert als Spionin für die Katholische Liga. Von Interesse ist, dass sie die  Pfeif-Sprache der Hirten des Aas-Tals in den Pyrenäen beherrscht, eine Geheimsprache, der Ursprache entsprechend, so die damalige Annahme.  

Margarète soll nicht nur für die Ligisten als Kryptologin den geheimnisvollen Code entschlüsseln, sondern auch den auf der Seite der Reformierten stehenden Jacob Greve umgarnen. Was sich anders entwickelt als geplant. Mit knapper Not entkommt Jacob Greve mithilfe seiner Freunde dem Scheiterhaufen, nachdem ihm unter Folter das Bekenntnis ein „Hexenmeister“ zu sein abgepresst worden ist.

 

 

Gegenwart ist allgegenwärtig

 

Margarète Labé wie  Jacob Greve bewegen sich im Dunstkreis der Mächtigen. Im Roman haben der Hugenottenführer König Heinrich von Navarra und der katholische Kaiser Rudolf II., der im Goldenen Prag residiert, ihren Auftritt. Letzterer  ein Exzentriker, regierungsunfähig am Ende seiner Herrschaft. Margarète Labé tanzt auf einem Kostümfest mit Heinrich, ein gefährliches Unterfangen, Jacob Greve findet Zugang zu Rudolfs Hof, an welchem sich nicht nur Gelehrte wie Tycho de Brahe und Johannes Kepler befinden, sondern auch sich Scharlatane tummeln.

Vergangene Zeiten, in welche sie mit einem  historischen Roman eintauchen könne, faszinierten sie, erklärt Katharina Kramer in einem Interview. Zudem könnten historische Romane die Sichtweise auf unsere Gegenwart  und unsere Befindlichkeit zurechtrücken, so die Autorin. Vertraut mit dem Denken der damaligen Menschen habe sie sich durch die Lektüre der Essais des Philosophen Michel de Montaigne (1533-1592) gemacht, der ihr zum Seelenverwandten geworden sei. Während der Religionskriege in Frankreich tritt der historische Montaigne, der von 1581 bis 1585 Bürgermeister in Bordeaux ist,

 als gemäßigte Kraft auf, der versucht zwischen Katholiken und Reformierten zu schlichten. Respektiert sowohl von dem katholischen König Heinrich III. wie dem protestantischen Heinrich von Navarra. Von den radikalen Ligisten im Roman missbilligt.

Am Anfang des Buches steht ein informatives Personenverzeichnis, im Anhang finden Interessierte ausführliche Quellenangaben und ein Glossar mit knappen Erläuterungen zu  den Ereignissen im Roman. Was zur weiteren Beschäftigung anregen kann.

Mit ihrem  Historienroman „Die Sprache des Lichts“ gelingt Katharina Kramer ein lesenswertes Buch.

 

Katharina Kramer: „Die Sprache des Lichts“

Seitenzahl 496

Verlag Droemer Knaur

 

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Aalener Kulturjournal