"Gegen das Vergessen in Geschichtslosigkeit" 

Lion Feuchtwanger zum 133.

Geboren wird er am 7. Juli 1884 in München in einem großbürgerlichen jüdischen Elternhaus. Vom Münchner Bohemien entwickelt er sich zum Weltbürger, dessen Leben die Zeit- und Literaturgeschichte des 20. Jahrhunderts widerspiegelt.

Weltberühmt wird der Schriftsteller mit "Jud Süß" (1925), der erste große historische Roman, die  Gattung, die Feuchtwangers Schaffensschwerpunkt sein wird. 1930 schreibt er den ersten zeitgeschichtlichen Roman "Erfolg", in dem er das Milieu "kleinbürgerlicher Schändlichkeiten", der Nährboden eines Adolf Hitlers, der Aufstieg der Nazis satirisch darstellt. Ein Höhepunkt im Schaffen Feuchtwangers. Die zeitgeschichtlichen Romane "Erfolg", "Die Geschwister Oppenheim" (1933) und "Exil" (1940) fasst er später zur Trilogie "Der Wartesaal" zusammen.

Während er auf einer Vortragsreise in Amerika ist, wird sein Haus beschlagnahmt und ausgeraubt. Die Nazis verbrennen seine Bücher, bürgern ihn aus. Seit 1933 lebt er im Exil in Südfrankreich, ist Wortführer der deutschen Exilschriftsteller und gibt zusammen mit Bert Brecht, mit dem ihn eine lebenslange Künstlerfreundschaft verbindet, von 1936 bis 1939 die in Deutschland erscheinende die Exilzeitschrift "Das Wort" heraus. Von 1939 bis 1940 befindet er sich "als feindlicher Ausländer" in einem französischen Internierungslager, kommt durch Intervention von Eleanor Roosevelt wieder frei, um dann über Spanien und Portugal in die USA zu fliehen. Mit Bertolt Brecht, Heinrich und Thomas Mann, Anna Seghers und anderen kämpft er gegen die Nazibarbarei.

Sein Werk "Exil" (1940) gilt als Schlüsselroman über das Leben deutscher Emigranten. Als überzeugter Aufklärer, der an die Vernunft glaubt, will er die Gegenwart mithilfe seiner historischen Romane erhellen, aktuelle Prozesse begreifbar machen. Allgemein gültige Wahrheiten sollen an Figuren und an beispielhaften Konflikten verdeutlicht werden. Immer wieder beschäftigt er sich in seinen Romanen mit dem Schicksal des jüdischen Volkes: So die Josephus-Trilogie aus den Werken "Der jüdischen Krieg" (1932), "Die Söhne" (1935), und "Der Tag wird kommen" (1945) um den jüdischen Geschichtsschreiber Flavius Josephus, der sich vom Nationalisten zu einem sich für Versöhnung einsetzenden Weltbürger wandelt. Zur Strafe wird dieser von römischen Reitern zu Tode geschleift.

Die "Die Jüdin von Toledo" und "Jefta und seine Tochter" machen ebenfalls das Schicksal der Juden zum Thema. Die Satire auf Hitler "Der falsche Nero" erscheint 1936. Feuchtwangers letzte Romane "Goya oder der arge Weg der Erkenntnis" (1951), "Narrenweisheit oder Tod und Verklärung des Jean-Jacques Rousseau" (1952)  beschwören die Vernunft als zeitloses Ideal der Humanität. Eine Mahnung auch an die Gegenwart!

17, in 25 Sprachen übersetzte Romane, schreibt Feuchtwanger. Dazu zahlreiche zeitkritische Dramen, Kurzgeschichten und ein umfangreiches publizistisches Werk. Lion Feuchtwanger stirbt am 21. Dezember 1958 in Pacific Palisades. Seine „Villa Aurora“ (Los Angeles) wird nach seinem Tod zum Ort der kulturellen Begegnung zwischen Deutschland und den USA.

 

Weitere Werke: "Friede, ein burleskes Spiel" (1918), "Die Kriegsgefangenen" (1919), "Die häßliche Herzogin Margarete Maultasch" (1923), "Drei angelsächsische Stücke" (1927), "Der jüdische Krieg" (1932), "Die Söhne" (1935), "Moskau 1937. Ein Reisebericht für meine Freunde" (1937), "Simone" (1944), "Die Gebrüder Lautensack" (1945), "Waffen für Amerika" (1947), "Goya oder Der arge Weg der Erkenntnis" (1951), "Narrenweisheit oder Tod und Verklärung des Jean-Jacques Rousseau" (1952), "Spanische Ballade" (1955) oder "Die Witwe Capet" (1956).

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Aalener Kulturjournal