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   Vicki Baum: „Hotel Berlin“

24 Stunden Leben 

Vicki Baum (1888-1960)   ist in der Weimarer Zeit eine der  erfolgreichsten  Schriftstellerinnen. Mit  dem Bestseller "Menschen im Hotel" (1929) und dessen  Hollywood-Verfilmung "Grand Hotel" (1932) wird  sie weltberühmt.

Ihre Bücher werden 1933 von den Nationalsozialisten verbrannt, 1938 wird sie ausgebürgert und emigriert in die Vereinigten Staaten. Nach Deutschland kehrt sie nie mehr zurück.  Der  1943/44 erschienene Roman „Hotel Berlin“,  welcher von den letzten  Kriegstagen  in einem Berliner Hotel erzählt, knüpft an ihren Erfolgsroman  „Menschen im Hotel“  an.

„Hotel Berlin“  wolle nichts weiter sein als ein kleiner, vielleicht sogar getrübter Spiegel, in dem sich das Antlitz Deutschlands  spiegle, so wie es  zwei Jahre vor Kriegsende ausgesehen habe, erklärt die Autorin in ihrem 1946 geschriebenen Vorwort zu dem Roman, in welchem sie Auskunft gibt über ihre Informationsquellen.   „Ich sammelte jedes Fetzchen Information, das ich mir über Deutschland verschaffen konnte; es ist überflüssig zu sagen, daß die meisten dieser Berichte auf verschlungenen Wegen zu mir kamen: durch Mitglieder verschiedener Widerstandsbewegungen; als Mitteilungen, die aus Deutschland herausgeschmuggelt wurden, in Briefen und Erzählungen deutscher Kriegsgefangener, in Gesprächen mit Menschen, die in Gestapokellern gefoltert, in Konzentrationslagern bis an den Rand des Todes gebracht und wie durch ein irgendein Wunder entkommen waren.“

Die Handlung umfasst  vierundzwanzig  Stunden in den letzten Tagen des Zweiten Weltkriegs.  Das    Luxus-Hotel  dient den Nationalsozialisten als „halboffizielles  Quartier der Regierung“.  Dort  lebt die Hitlerelite nebst Entourage.  Und überall Gestapo-Agenten. Habgierig und mordlüstern.  Außerhalb dieser Insel fallen unablässig Bomben. Ein Inferno. „Durchhalten bis zum Schluss“,  lautet indes die Parole.  Daran Zweifel zu äußern, ist lebensgefährlich.

 Die  Hauptpersonen:  Die Schauspielerin Lisa Dorn, sehr jung, sehr hübsch, aus kleinen Verhältnissen stammend.  Als  Lieblingsschauspielerin  des sogenannten „Führers“ ist sie eine Profiteurin des Regimes, überschüttet mit Privilegien. Geliebte des Generals  von Dahnwitz, der in Ungnade fällt. Der alerte Baron von Stetten, beim Auswärtigen Amt tätig, Gauleiter Plottke, primitiv und brutal. Oberstleutnant Kauder auf Fronturlaub, die  Prostituierte Tilli, die tragischste Figur im Roman. Gerade in diesem Hotel  im Zimmer Lisa Dorns versteckt sich der Student Martin Richter,  dem es gelungen ist,  kurz vor der Hinrichtung der Gestapo zu entkommen. Die Beiden verlieben sich ineinander.

Der Wagenbach Verlag nennt zurecht Vicki Baums „Hotel Berlin“   eine Prophezeiung, denn als die Autorin im Sommer 1943 ihn schreibt,  gibt es noch keine Verschwörung der Generäle, keine Luftangriffe auf Berlin. Ein spannend erzählter Roman, von der ersten bis zur letzten Seite.

 

Vicki Baum: Hotel Berlin. Roman.

Übersetzt aus dem Englischen von Grete Dupont.

Verlag Klaus Wagenbach, Berlin 2018.

285 Seiten

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Aalener Kulturjournal