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Von Berlin bis Hollywood: Vicki Baums Lebensgeschichte

Es war alles ganz anders

Photo: Verlag Kiepenheuer & Witsch

„Nur eine einfache Geschichtenerzählerin“,  eine “erstklassige Schriftstellerin zweiter Güte” sei sie  gewesen, spöttelt die in Wien geborene Vicki Baum (1888-1960) in ihren Memoiren „Es war alles ganz anders“ (1962). Sicher eine selbstironische Untertreibung.  Denn jedes ihrer Bücher beweist das Gegenteil.

Vicki Baum ist eine der erfolgreichsten deutschsprachigen Schriftstellerinnen des 20. Jahrhunderts, Starautorin der Weimarer Republik,  liefert einen Bestseller nach dem anderen. Bis 1932 erreichen ihre Bücher in Deutschland eine Auflage von 500.000 Exemplaren.

Von Kindheit an ist die aus großbürgerlicher jüdischer Familie stammende Vicky Baum,  eigentlich Hedwig Baum, ein Ausnahmetalent. Mit 13 Jahren studiert  sie bereits am Wiener Konservatorium, spielt als junge Konzertharfenistin in Orchestern in Wien, Darmstadt, Kiel, Hannover und Mannheim, entscheidet sich dann jedoch für eine literarische Karriere.  In Berlin arbeitet  sie von 1926 bis1931 als Redakteurin und Autorin für den Ullstein-Verlag. Die glücklichsten, interessantesten und fruchtbarsten  Jahres ihres Lebens, so die Autorin in ihren Memoiren.

Mit Mitte 20  fängt sie an zu schreiben, erhält    bei einem Preisausschreiben der Münchener Satirezeitschrift „Licht und Schatten“, in dessen  Jury renommierte Autoren wie Ludwig Thoma und Thomas Mann sitzen, welche für sie stimmen, den ersten Preis.

Bekannt wird Vicki Baum  1928 mit ihrem Roman Stud. chem. Helene Willfüer,  die Geschichte einer jungen Studentin, die ungewollt schwanger wird, sich vergeblich um eine Abtreibung bemüht.  Dann jedoch trotz „lediger Mutterschaft“ als  Chemikerin Karriere macht. Mit Olga Tschechowa in der Hauptrolle wird der Roman 1929 verfilmt.

Nach dem Scheitern ihrer Ehe mit dem  Journalisten und Schriftsteller Max Prels heiratet sie den  Dirigenten Richard Lert, wird Mutter von zwei Jungen. Als Erfolgsautorin und Mutter verkörpert die Schriftstellerin die „Neue Frau“ der Weimarer Zeit: modern, modisch, unkonventionell. Sie boxt sogar, eine Sportart, welche nicht wenige Frauen der Weimarer Republik praktizieren.  Darunter auch Marlene Dietrich.

Internationale Berühmtheit erlangt sie 1929 mit  ihrem  Roman "Menschen im Hotel“, ein Weltseller, bis 1936 in über 16 Sprachen übersetzt.  Hollywood verfilmt mit Greta Garbo die Geschichte. 1931 nimmt  Vicki Baum einer Einladung zur Premiere nach Los Angeles an, emigriert mit dem richtigen Gespür für die kommenden politischen Verhältnisse bereits 1932 in die Vereinigten Staaten. Ihre Bücher werden 1933 von den Nationalsozialisten verbrannt,  1938 wird sie  ausgebürgert, nimmt  die US-amerikanische Staatsbürgerschaft an. Richard Lert wird Dirigent des Pasadena City Orchesters.  Ab 1940 schreibt Vicki Baum nur noch in englischer  Sprache. Nach Deutschland kehrt sie nicht zurück. Außer ihr müssen andere bekannte Schriftstellerinnen ins Exil: zum Beispiel Irmgard Keun, Anna Seghers, Hilde Spiel.

Vicki Baum lässt sich 1932 in Kalifornien in der Nähe von Los Angeles nieder, wird Nachbarin der Familie Mann in Pacific Palisades.  „Frau Baum war einer der populärsten Autoren des vorhitlerschen Deutschland. Ihre gutgeschriebenen, ungeheuer lebendigen, immer packenden, immer überzeugenden, manchmal ergreifenden Bücher erfreuten sich enormer Auflageziffern. Man hat sie Unterhaltungsschriftstellerin genannt, ohne ihr damit gerecht zu werden. Unterhaltend zu sein, ist kein Fehler, und Vicki Baum weiß so viel von der Welt, sie kennt so gut die Menschen, sie begreift so genau und so warmherzig ihre Schicksale und die Beziehungen, die sie miteinander knüpfen, daß jede ihrer Arbeiten genug Wahrheit, genug schönes, belustigendes, trauriges, erregendes Leben enthält, um mehr zu sein als nur unterhaltend“, charakterisieren  Klaus und Erika Mann die Autorin.

Am 29. Juni 1960 stirbt Vicki Baum, die ein literarisches  Lebenswerk von rund 40 Titeln hinterlässt, an Leukämie.

 Vicki Baum erlebt in den letzten Jahren eine Renaissance: Als letztes Werk wurde  "Vor Rehen wird gewarnt" neu aufgelegt.

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Aalener Kulturjournal