Fünf auf einen Streich: 1. Aalener Lachnacht   

  Ein Tag ohne Lachen ist ein verlorener Tag

Wer in die Welt schaut, findet derzeit nicht allzu viel, über das sich zu lachen lohnt. Obwohl man doch viel lachen sollte, wie jeder Lifestyle-Ratgeber rät. Schließlich wird mit Humor fast jedes Leben erträglicher! Vielleicht der eigentliche Grund, warum sich seit gut zwei Jahren in deutschen Städten sogenannte Lachnächte rasant vermehren. Deren Rezeptur: eine Bühne, eine Portion Comedy. Mehr bedarf es nicht! Seit vergangenen Mittwoch gilt das auch für die  Ostalb, genauer für Aalen. Diverse Comedians geben sich in der Stadthalle zwar schon lange die Klinke in die Hand, doch fast immer als Einzelkämpfer. Indem sie in den Comedy-Hype mit einsteigt, will Aalens stellvertretende Kulturamtsleiterin Uta Singer dies ändern. Wenn die Lachnacht angenommen werde, könne sie sich vorstellen, diese zu einem sich alljährlich wiederholdenden Festival auszubauen, sagt sie. 

Ein Abend voll guter Laune, bei dem gelacht werden darf und muss. Zumindest der Auftakt war vielversprechend, insbesondere da er Comedy und Kabarett zueinander brachte. In der Vergangenheit waren sich beide oftmals nicht grün, zumal das politische Kabarett á la Hüsch, Hildebrandt und Neuss ins Hintertreffen geriet, den Platz für Spaßmacher vom Schlage eines Otto Walkes räumen musste. Doch in schwieriger werdenden politischen wie gesellschaftlichen Zeiten wird der Ruf nach kritischem Kabarett wieder lauter. Nicht nur Bülent Ceylan, Monika Gruber und Co greifen nun ebenfalls in die Satirekiste, die sich Jan Böhmermann, Claus von Wagner und Hagen Rether längst zu eigen gemacht haben.

Bitte etwas mehr Biss!  

Was mit dem Auftauchen der Aalener Lachnacht am Kocher nun beginnt, gleicht der der Beseitigung von unnötigen Grenzbefestigungen. Denn Kabarett, Comedy und Stand-Up-Comedy passen glänzend in ein gemeinsames Portfolio, selbst wenn die jeweilige Zugehörigkeit  der Akteure innerhalb des Programms klar zu erkennen war, gab es doch auch Beiträge, die sich nicht so eindeutig zuordnen ließen. Zumal die beim Kabarett gepflegte pointierte Kritik an Politik und Gesellschaft längst auch von den Comedians aufgenommen wird, wenn auch unterschwelliger und oftmals in grillenhafter Um- und Beschreibungen. Der 1. Aalener Lachnacht kam überdies zugute, dass Satire, Parodie und Ironie in schauspielerische und musikalische Elemente eingebunden wurden.

Verantwortlich dafür, Comedian Ole Lehmann, der als Conferencier alles in einer zwanglosen wie komödiantischen Moderation zusammenfasste.

Schade nur, dass bissige Ironie in der ersten Ausgabe der Lachnacht noch Mangelware war, an die großen Themen wagte sich keiner so recht, ausgetretene, aber Erfolg versprechende Pfade wurden eher beschritten. Stichwort: katholische Priester und Knaben, Alte und II.-WK-Kriegssprüche. Längst kalter Kaffee! Die Dummheit von AfD-Sympathisanten in sozialen Netzwerken mit dazu gerechnet, auch wenn das Lacher garantiert. Doch taufrisch ist das alles eben nicht. 

Auf der Bühne des Lebens  

Comedy-Frischling Boris Stijelja gibt sich in seiner pfälzisch-kroatisch-serbischem Lebensbeichte ab und an unbefangen, insbesondere wenn er mit Wortwitz neue Deutungshoheit erschließt. So beim pfälzischen "Alla" (aus dem französischen kommend: "allez" (gehen). Immer wenn er jemanden "Alla" sagen höre, denke er an Sprengstoffgürtel und gehe in Deckung. "Alla" als "Allah" - Humor mit Sprengkraft, nur zünden will er im Schwabenland nicht. Oder ist er politisch zu unkorrekt?  Kabarett, Satire und Comedy muss indes so sein, wie seit Jan Böhmermann jeder weiß.

Wobei Stijelja Böhmermann beileibe nicht nacheifert, ist doch seine Blick auf Kindheit und Balkankrieg von  meist komödiantischen Elementen einschließlich der Stand-Up-Comedy geprägt.

Damit kommt er El Mago Masin ganz nahe, der eigentlich Wolfgang heißt, Dreadlocks bis unterhalb der Gürtellinie trägt und mit seiner Gitarre Wandervogelfeeling verströmt. Er gehört zu der Sorte Lebenscoach, die jeden umarmen und nie wieder loslassen möchten. In der Manier von Ingo Insterburg singt er von Bananenschalen, Chiasamen und Wellnessurlaub, veralbert das Publikum mit ABC-Volksweisen  und nötigt zum vergnüglichen Mitsingen.

So unterschiedlich die vier Künstler, so unterschiedlich das Programm. 

Den  Gegensatz zu El Mago Masin benennt Hennes Bender selbst: seine Körpergröße, besser -kleinheit. Dass er sich als Westfale mit süddeutschem Dialekt schwer tut, ist verständlich: „Aalen, ich versteh’ euch nicht, das ist wie rückwärts reden.“ Neben quirligem Stand-Up-Comedy wagte er sich allerdings auch ins Politische, zu Burkini, Klima und AfD. Comedy wird bei Bender Lebenszweck und -sinn: „Wenn wir aufhören, zusammenzukommen und Spaß zu haben, dann haben die Arschlöcher gewonnen.“ Beifall ist ihm gewiss. Aber eben auch die Wahrheit dahinter: "… und außerdem brauch’ ich das Geld.“

 

Frauen auf die Bühne

Freche Komiker mit der großer Klappe, das sind die richtigen Zutaten für solch eine Lachnacht. Dass dabei Kabarett nicht fehlen darf, versteht sich von selbst. Seit zehn Jahren in dessen Diensten: H.G. Butzko. Jeans, T-Shirt, Käppi und Hände in der Hosentasche. Mehr braucht er für seine anspruchsvolle Komik und scharfzüngigen Wortverdrehungen nicht. Komplexe Zusammenhänge einfach kippen und schon entsteht Neues, hinter der Eindeutigkeit den Doppelsinn erkennen. Berlins politische Zentren, Bundestagabgeordnete, Parteien - alle bekommen nach diesem Schema ihr Fett ab. Manchmal in harscher Art, wie die SPD, hinter der Butzko "Sehr Peinliche Deppen" wähnt. Trumps USA nimmt er aufs Korn, die AfD selbstredend auch. 

Immer nach dem Motto: Früher hatte jedes Dorf einen Depp, seit Facebook können diese sich weltweit miteinander unterhalten.

Doch was wäre Comedy ohne einen guten Rat zum Schluss. Zumindest für alle, die Butzko ins Visier nimmt. Für sie bittet er: "Herr, schmeiß Hirn ra!"

Sicher ist, nach der erfolgreichen 1.Aalener Lachnacht wird es am 18. Januar 2019 eine zweite geben. Diese darf dann aber deutlich bissiger werden. Und bitteschön auch etwas mehr östrogenhaltiger, denn Frauen gehören bei einer solchen Lachparade unbedingt mit auf die Bühne.

Druckversion Druckversion | Sitemap
Aalener Kulturjournal