2. Aalener Lachnacht  

Humor kann lustig sein. Aber nicht immer!

Beim Blick auf die "2. Aalener Lachnacht" bietet es sich auf wunderbare Weise an, die Comedy-Show von hinten aufzufädeln, gilt doch die Erkenntnis, das Beste kommt zum Schluss. Und trägt hier einen verheißungsvoll klingenden Namen: Patrizia Moresco. Die aus dem sonnigen Italien stammende waschechte Stuttgarterin bringt mit, was eine souverän agierende Komödiantin mitbringen muss: Intelligenz, Witz, Biss und eine gute Portion Selbstironie. Sie pointiert mit wenigen Worten, weiß, was ihr Publikum hören möchte. Ganz gleich welches Thema sie wie aufgreift, die Lacher sind ihr sicher. Es mag vielleicht mit am Dialekt der in der bundesdeutschen Hauptstadt lebenden Künstlerin liegen, spricht sie doch schwäbisch im Berliner-Schnauze-Jargon.

Aber es liegt auch daran, wie sie ihre Inhalte aufbereitet und wiedergibt. Und selbstverständlich an dem unverzichtbar stetigen, manchmal gar frech-unverblümten Dialog mit dem Publikum, der ab und an ins provokant Drastische wechseln kann. Eine klassische Vorgehensweise mit all dem notwendigen Zubehör wie schnellem Sprachfluss, derben Kerben, zuspitzenden Adjektiven. Patrizia Moresco macht so die reale Lebenswelt zur Comedy. Das hat die Stuttgarterin offenkundig verinnerlicht. Geschwätzig und schrill hält sie dem Publikum den Spiegel vor, zotet auch mal gerne mit dem einen oder anderen aus den vorderen Reihen. Dabei macht sie jedoch vor der Schadenfreude über eigene Unzulänglichkeiten nicht halt. Dass solcherart Humor nicht immer gut ankommt, ist ihr durchaus bewusst. "Des g´fällt de Schwobe ned", meint sie denn auch trocken.

Humor ist, wenn man trotzdem lacht. Bei der 2. Aalener Lachnacht hatte man damit allerdings seine liebe Not. Nicht allzu lustig klingt Daniel Helfrichs Frage an die Damen im Saal, wer denn schon einmal auf dem Herrenklo gewesen sei und wer schon einmal gekifft habe. Seinen Texten fehlt schlicht es an scharfer Zuspitzung, an witzigen Pointen. Seine Ohrwurm-Parodie hingegen hat etwas. Doch reicht das, um wirklich lustig zu sein?

Als Zweite versucht sich Vera Decker am Humor. Ihre Anspielungen auf Influencer und YouTuber, auf Helikoptereltern, Gesundheitswahn, Bartträger und Smoothies zielen zumindest in die richtige Richtung. Ach ja, um es nicht zu vergessen, das altbewährte Thema Sex. "Ich wollte zu den Wandervögeln. Aber die wollen nur wandern!" Der Ausruf "Ist das geil?" mutiert an diesem Abend zwar zum Dauerbrenner. Ist es aber nicht, weil es oftmals nur öde klingt. Da reihen sich Lachnacht-Moderator Ole Lehmanns homosexuelle Anspielungen prächtig ein, besitzen aber den schalen Geschmack kalten Kaffees. Alles schon 1000mal gehört. Mag sein, dass man in der Berliner Szene damit noch den einen oder anderen hinterm Busch vorlocken kann. Und auch die triefende Albernheit, dass Ole, wenn er nach Hause kommt, nicht vom Hund, sondern von seinem Freund schwanzwedelnd begrüßt wird, hat einen solch langen Bart und wirkt mindestens genauso bemüht wie diesbezügliche Frauen- oder Heterowitze.

Überall werde so viel Mist geredet und aus diesem Bullshit erwachse indes nichts Produktives, meint der Vierte im Bunde, Frederic Hormuth. Wen oder was er gemeint haben könnte, sei dahin gestellt, dafür gab er seinem "Bullshit" genannten Beitrag den notwendigen kabarettistischen Unterton. Datenkrake, Internet, Horst Seehofer, Politik, Gesellschaft und Werbung - Bullshit sieht er überall. Frederic Hormuth plaudert erfrischend Klartext. Bei ihm spürt man, gehaltvoller Frohsinn macht das Leben leichter. Vielleicht auch erträglicher! Mit ein Grund, warum sich in bundesdeutschen Städten sogenannte Lachnächte rasant vermehren. Zumal es dazu nicht viel bedarf: eine Bühne und ein Schuss Humor. Doch das ist zugleich auch die Krux an der Sache. Zu viele seichte Comedians sind derzeit auf Tour, richtige Komödianten, die etwas von ihrem Handwerk verstehen, sind dagegen rar. Ein Abend voll guter Laune, bei dem gelacht werden darf, ist deshalb nicht immer garantiert.  

Wenn Lehmann seine ollen Weihnachts- und sonstige Kamellen runderneuern oder gleich ganz in Berlin lassen und sich stattdessen auf erstklassige Comedians konzentrieren würde, müssten sich doch irgendwie möglich sein, die wahren Heinz-Erhardt-Enkel und die Kinder von Loriot und Otto Walkes zur Lachnacht zu bitten. Dann gäbe es sicher keinen Unterschied mehr zwischen Kabarett, Comedy und Stand-Up-Comedy. Sarah Hakenberg, Monika Gruber, Abdelkarim und Atze Schröder - um nur einige zu nennen - zeigen schließlich, wie es gehen kann.

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Aalener Kulturjournal