Aalener Jazzfest: 3. November - 11. November 2018

Wo Shakespeare auf Marvin Gaye trifft

Viel Lob, sehr viel Lob gab es in "Hugs Weinkontor" von allen Seiten bei der Vorstellung des Programms für das 27. Aalener Jazzfest. Von den Stadtoberen, von Künstlern und vom Verein "kunterbunt". Alle waren sich übereinstimmend darin einig, dass das Musikevent einmalig, unterscheidbar von anderen und höchst vorteilhaft für Stadt und Region sei.  Seit 26. Jahren und mit dem 27. Aalener Jazzfest, das im November beginnt,  an einem neuen und doch so alten Ort: der Aalener Stadthalle. Alle Jahre wieder und von Anbeginn an. Weitere Orte sind diesmal: "Das Goldene Lamm" (Unterkochen), Kino am Kocher (Aalen),  Villa Stützel (Aalen), Zeiss Forum (Oberkochen) und Stadtkirche Aalen.

Der veranstaltende Verein kolportiert seine Historie gerne so: Im Sommer 1989 wurde die Kulturinitiative kunterbunt e.V. gegründet. Sieben Studenten machten sich zur Aufgabe, das Kulturangebot in der Region zu erweitern und mehr Jazzmusik auf die Bühnen der Ostalb zu bringen. Bis heute hat der Verein um seinen künstlerischen Leiter Ingo Hug viele Jazzgrößen nach Aalen gebracht. Unter anderem Miles Davis, Ray Charles, B B King und Fats Domino. Das "aalenerjazzfest" hat es geschafft, die Top 5 der deutschen Jazzfestivals zu erreichen. Auch Stars der Popmusik, genannt seien Clueso, Jan Delay, Max Giesinger, ZAZ, Marianne Faithful und Sinnead o Connor,  fanden den Weg auf die Bühnen des Jazzfests.

Lokale Nachwuchsbands bekamen und bekommen die Chance, sich auf dem Festival zu beweisen. Die tatkräftige Unterstützung durch die unzähligen ehrenamtlichen Helfer, die jedes Jahr elementar dazu beitragen, das Festival durchzuführen, ist wichtiger Bestandteil des Aalener Jazzfestes. Die weltweite Wertschätzung und Anerkennung des kulturellen Leuchtturms für die ganze Region wurde auch durch den zweimaligen Besuch Claude Nobs, Gründer und Impressario des „Montreux Jazzfestivals“, bestätigt.

Dem wäre eigentlich nichts mehr hinzuzufügen. Doch - noch etwas. Aalens OB nennt die Musikfete schlicht "genial", weshalb er sie widerspruchslos in die neu entwickelten "Aalener Kulturwochen" integriert. Ach Kulturamtsleiter Dr. Roland Schurig spricht hinsichtlich des Jazzfestes von einem großen Wurf: "Der absolute Höhepunkt im Kulturleben der Stadt!"  In seiner 27. Auflage sei das Aalener Jazzfest so groß, so jung, so frisch wie nie, hebt Ingo Hug hervor. Dass für jedes Jahr seines Bestehens heuer ein "Musik-Act" stünde, sei purer Zufall, so Aalens Jazz-Impressario. "Wir haben ein abwechslungsreiches Programm mit viel Black Music."

 

www.aalener-jazzfest.de

Was beim 27. Jazzfest noch zu hören sein wird, umschreibt Ingo Hug wie folgt: 

SOUL-COSMOS: COSMO KLEIN

 

Singt gut, am besten mit Hut. Cosmo Klein ist ein geborener Livekünstler der auch in seinem Netzwerk Phunkguerilla mit europäischen Musikern und Komponisten in  Guerilla Sessions Ideen live auf der Bühne sammelt. 2003 veröffentlicht Cosmo Klein sein Debütalbum „This Is My Time“. Das im Sommer 2005 erschienene Duett „Das Alles Ändert Nichts Daran“ mit der Berliner Sängerin Maya Saban erreicht die Top 20 der deutschen Single-Charts. Jetzt widmet er seinen Auftritt der größten Stimme des klassischen Soul, Marvin Gaye, selbst ein wahrer Kosmos, Gründer dessen, was man als den klassisch-modernen Soul bezeichnet, der Musik, die unter Motown bis heute ihre Triumphe feiert. Cosmo Klein zieht seinen Hut und interpretiert die großen Klassiker zeitlos neu.

 

DER DREIFACHE LUKAS: TRIO DE LUCS

 

Eine Band, drei Musiker, ein einziger Vorname, das hatten wir wohl noch nie. Das Trio aus Mannheim nimmt 2015 sein Debutalbum auf. Der Sound ist deluxe, der Sound de Lucs, und er entwickelt sich ständig weiter, die Kompositionen, von denen sie zahlreiche im Repertoire haben, klingen nie zweimal gleich. Unverwechselbar wird der Triosound schließlich durch jazzuntypische Klänge wie Beatbox und mehrstimmigen Gesang, die den Kompositionen moderne wie folkloristische Züge verleihen. So entsteht ein Sound, der live durch Spielfreude und ihre humorvolle Art überzeugt. Man merkt, dass die Lucs sich schon etwas länger kennen.

 

JAZZ HOP, HOP JAZZ: DOMINIC J. MARSHALL TRIO

 

Wie Marshalls Musik klingt auch hervorragend, was Jamie Cullum über ihn persönlich sagt: “He brings together a great heritage of the past, but also something very fresh and new." Das ist es, was den traditionsübergreifenden Charme seiner Verbindung aus Jazz und Hip Hop, akustisch und elektronisch, ausmacht, die den Pianisten auf Festivals wie das North Sea Jazz Festival, die Serie Jazz Re:Freshed oder Jamie Cullum’s BBC 2 Radio Show bringt. Selwyn Harris von Jazzwise fasst sich angesichts der zahlreichen Lobeshymnen ganz kurz: “Marshall looks to be one for the future”. Das denken wir auch, deshalb erscheint er 2018 schon auf dem aalenerjazzfest. Denn einer für die Gegenwart ist er sowieso schon.

LOB DER OFFENHEIT: DAS MICHAEL WOLLNY TRIO

 

„Nachtfahrten“ hat ihn zu einem Popstar unter den Pianisten gemacht. Gut 15 Alben hat er mit Kollegen wie Heinz Sauer, Joachim Kühn oder Iiro Rantala eingespielt, und mit seinen gerade mal 40 Jahren zählt der er schon zu den langjährigen Weggefährten des Jazzfests. Seinen Eklektizismus zeigt der große Kinofreund beim sensiblen Umgang mit Filmmelodien, an die er mit größter Gelassenheit geht, damit Vorbildern wie Keith Jarrett oder Brad Mehldau näher kommend. Seine Professur in Leipzig sieht er als persönlichkeitsbildendes Instrument: „Das ist eine geschützte Zone, in der man mal wieder ganz in Ruhe über Musik nachdenken kann.“ Wir wünschen ihm ein ertragreiches Denken, obwohl er das sicher nicht nötig hätte.

 

WILLKOMMEN ZUR WELTURAUFFÜHRUNG: SHAKESPEARE IS DANCING ON THE FLOOR

 

Eine Genre übergreifende Performance mit der Aalener Dance Group KerAAmika bringt William Shakespeare (ja, genau den), Sänger Peter Fessler, DJ Donnie Ross und das Theater der Stadt Aalen unter einen Hut. Die Dance Group KerAAmika und der Jazzsänger, Gitarrist und Rapper Peter Fessler, entwickeln und performen mit dem Theater der Stadt Aalen und Gastschauspielern „Shakespeare Is Dancing on the Floor“, ein einzigartiges Projekt mit über 30 Protagonisten aus Jazz, Hip Hop, DJ-Kultur, Tanz und Theater, das es so zusammen noch nie gab. Die Welturaufführung ist für den 8. November 2018 in der Stadthalle Aalen geplant.

 

CHEF MIT HUT, FUSION MIT GITARRE: OKAN ERSAN & ECKHARD MESZELINSKY

 

Am Anfang stehen Eckard Meszelinski und Okan Ersan auf unterschiedlichen Seiten: Festivalleiter in Leverkusen der eine, Gitarrist der andere. Heute spielen sie gemeinsam Jazz, Rock, Folk, Fusion, auf Gitarre und Sopransax, mit ihrem Quintett, eine wunderbar dahin gleitende, den Hörer umschmeichelnde Neo-Folk-Version. Und Eckhard Meszelinsky, der Festivalchef mit dem Hut, freut sich in Ersan über einen Künstler von absoluter Relevanz. Nach und nach wächst eine Freundschaft. Und heute stehen Eckhard Meszelinsky und Okan Ersan folgerichtig zusammen in ihrem Quintett. Sie haben ihre Positionen justiert und aneinander angepasst und machen jetzt gemeinsam das, was ihnen am liebsten ist, World Music im wahrsten Sinne des Wortes.

 

WUNDERKIND: JONAH NILSSON

 

Im zarten Alter von einem Jahr beginnt Jonah Nilsson mit Gesang, im Kirchenchor seines Vaters in Stockholm. Mit acht legt er den Kontrabass nach, mit elf nimmt er sich klassisches Piano vor, inspiriert von einem seiner Favoriten im Werk von Chopin, Fantasia Impromptu in C moll. Im letzten Schuljahr dann Jazzpiano, das er mit großer Tiefe studiert, u.a. an der Königlichen Musikakademie. Im Alter von 17 kooperiert er mit Arvid Svenungsson bei einem biblischen Musical, mit Aron Mellergardh schreibt er Songs im groovenden Funk der Achtziger. Mit Danny Saucedo tourt er als Backgroundsänger und Keyboarder, profiliert sich als Songwriter und Produzent u.a. mit Ace of Base. Als Mitgründer von Dirty Loops hat er ein Forum, auf dem er viele seiner musikalischen Fähigkeiten zum Klingen bringt, Gesang, Piano, Komposition, Arrangement, Produktion, am liebsten gleichzeitig.

 

JAZZ-MOZART: MATTHEW WHITAKER

 

Spielstätten wie das legendäre Apollo Theater in Harlem, die Carnegie Hall, das Kennedy Center oder das Lincoln Center machen ihn bekannt, den Pianisten und Organisten, der seit seiner Geburt blind ist. Mit fünf befasst er sich systematisch mit Klavierunterricht. Mit zehn macht er den Opener für Stevie Wonder, studiert klassisches Piano und Jazzpiano, was wir übrigens für genauso klassisch halten. Er lernt einen ganzen Strauß Instrumente, veröffentlicht mit 16 sein erstes Album, prominent die Besetzung mit Christian McBride, Dave Stryker, Will Calhoun, Sammy Figueroa, Melissa Walker und James Carter. Er tourt Europa, den Mittleren Osten und Asien, beeindruckt im Kennedy Center und der Carnegie Hall. Und jetzt freuen wir uns, dass wir ihn rechtzeitig aufs Jazzfest bekommen.

 

JUNK: HAILEY TUCK

 

Nein, das ist keine Abwertung, sondern gemeint ist ihr spektakulär gutes erstes Album, das tatsächlich Junk heißt. Die texanische Sängerin nimmt es auf, nachdem sie schon überaus erfolgreich in zahlreichen TV-Shows ist, u.a. mit Multitalent Jools Holland, in dessen Line-up sich wohl beinahe die halbe Jazz-, Blues- und Popwelt die Hand schüttelt. Dabei beginnt alles ganz merkwürdig mit einem Koffer alter Klamotten, der Hailey Tuck nach Paris begleitet, wo sie eine italienische Gräfin trifft, die ihre Mentorin wird, und dann geht alles ganz flott. Produziert von Grammy-Gewinner Larry Klein (Joni Mitchell, Herbie Hancock, Melody Gardot) und mit Songs von Künstlern wie Leonard Cohen, Pulp, The Kinks und Paul McCartney klopft sie unüberhörbar an die Tür, die zur musikalischen Karriere führt, und dazu zählt auch wieder mal das aalenerjazzfest.

 

A TRIBUTE TO AL JARREAU: DIE SWR BIG BAND FEAT. OLA ONABULE UND MAGNUS LINDGREN

 

Eigentlich ist Al Jarreau schon in persona ein großorchestraler Sänger. Das macht den Tribut der Big Band gerade so interessant, denn die Big Band hat die kompakten Auftritte des Vokalartisten in funkelnde, breit angelegte Arrangements übersetzt, über denen die gut geölten, druckvollen Soli eines Jazzorchesters erster Güte schweben. Verstärkt werden die Instrumentalisten des SWR von Magnus Lindgren, dem schwedischen Saxophonisten und Flötisten, an dem wir schon mehrmals große Freude hatten. Ola Onabule blickt auf fast zwei Dekaden Gesangskarriere zurück, in denen er sich zu einer der besten Stimmen des modernen Britsoul mit afrikanischen Wurzeln entwickelt, mit acht Alben im Portfolio, Auftritten mit der SWR Big Band, dem German Film Orchestra Babelsberg, in Montreal und Vancouver.

 

ANDERSRUM: MALINA MOYE

 

Die 34jährige Afroamerikanerin fusioniert Rock und Soul und entlockt ihrer schneeweißen Fender eine verdammt spannende Musik, der sie die Einladung zum Robert Johnson Blues Festival verdankt, als einzige Sängerin und linkshändige Gitarristin, die sich die Bühne mit den letzten Blues-Veteranen teilt und so mit David Honeyboy Edwards, Hubert Sumlin und Pinetop Perkins auftritt, später auch mit Robin Thicke und den Boyz II Men. Dass sie bei der Grammy-Verleihung auch noch am besten gekleidet ist, wollen wir nicht unbedingt ihrem musikalischen Konto gut schreiben, denn das hat sie nun wirklich nicht nötig. Denn in der Rock´n´Roll Hall of Fame spielt sie sogar zu Ehren des verstorbenen Michael Jackson. In einem anderen Auftritt widmet sie sich dem Urgestein des Rock´n´Roll, Chuck Berry. Hörens- und sehenswert.

 

DIE GROOVE-ARTISTEN: TORTURED SOUL

 

Nein, eine Tortur ist das Trio ganz und gar nicht. Seit 2001 befreit sich die Band mit ihrer vitalen, tanzbaren Musik im Zeichen des Groove aus der Fixierung auf den DJ-Kult, inspiriert von den klassischen songwriterischen Fähigkeiten von Künstlern und Bands wie Prince, Heatwave oder Kool & The Gang. In seinem Innersten erinnert der Acid Jazz an den Funk von Jamiroquai, gepaart mit der zeitgenössischen Frische von House-Protagonisten wie Joey Negro, Kenny Dope, Soul Clap and Jamie Jones. Sogar der legendär-stilprägende Gilles Peterson etikettierte sie “the future of house music." Und damit wäre wohl auch die oft gestellte Frage beantwortet, welche Art von Musik die, Entschuldigung für den Kalauer, gequälten Seelen denn eigentlich spielen.

 

DER VIELNAMIGE: JOEY NEGRO.

 

Man kennt ihn auch als Jakatta, Doug Willis, Raven Maize, Sessomatto oder die Sunburst Band und viele weitere Pseudonyme. Was aufs erste Hinhören reichlich exzentrisch klingt, ist in Wirklichkeit ein überaus produktiver und erfolgreicher House DJ, der auch eine Single unter seinem wirklichen Namen Dave Lee veröffentlicht. Sein kreatives Potenzial zeigt er auch in vielen Remixen wie z.B. "Direct Me" von The Reese Project, "Dream Come True" von den Brand New Heavies oder Adeva’s "Don't Let It Show On Your Face". 1999 schafft er es erstmalig in die Top 40. Nach wie vor macht er House und andere, von Disco beeinflusste Stile auf seinem eigenen Label Z Records und legt regelmäßig auf, im UK und auf der ganzen Welt vor einer felsenfesten, treuen Hörerschaft.

 

LASS DEN SONNENSCHEIN HEREIN: AVERYSUNSHINE

 

Das Stimmwunder mit der Wunderstimme schreibt beide Namen tatsächlich am Stück. Dahinter steht eine Sängerin mit einer typischen Black Music-Karriere, mit acht erste Gehversuche am Piano, danach Einstieg ins religiöse Repertoire, mit elf klassischer Unterricht, dann Geistliches in Kirchen und an Colleges, der musikalische Weg vieler großer Stimmen, von J.B. bis Aretha Franklin. 2005 die erste Single, 2010 das Album-Debut, Gastauftritte von Pianist Takana Miyamoto, Vibraphonist Roy Ayers und Bassist Christian McBride. Das zweite Album folgt, auch die Jazz-Klientel ist zunehmend begeistert, AverySunshine füllt große Säle auf immer größer werdenden Festivals und bringt das Publikum zur Verzückung, auch auf dem 2015er aalenerjazzfest.

DIE GLORIOSE GLORIA: GLORIA GAYNOR NACH ZWEI JAHREN WIEDER IN DEUTSCHLAND

 

Das aalenerjazzfest freut sich jetzt schon über einen der raren Auftritte der R & B-, Soul- und Discokönigin, deren Oevre u.a. Bahnbrechendes wie „I Will Survive“, „Never Can Say Goodbye“ oder „I Am what I Am“ umfasst, im Lauf etlicher Jahrzehnte aus den Soul Satisfiers entsteht und in die Höhen der Billboards Disco Charts führt. Nach dem Gastauftritt des Trompeters Doc Severinsen ändert sie ihr Reperetoire und orientiert sich stärker an religiösen Songs, schreibt den Text von „I Will Survive“ unter dem Einfluss des Wütens von Hurricane Harvey in Texas um in „Texas Will Survive“. SWR1 präsentiert den Auftritt beim aalenerjazzfest am 10.11.2018. 

 

VOM ÖRK?- MÖRK

 

Soul, Funk, Pop, Rock, Jazz und Hip-Hop spielt die junge Band aus Budapest, manchmal auch wagemutige Undergroundmusik. Muss man einfach live gesehen und gehört haben. Dann zeigt sich, warum Ausdrücke wie Extreme Pop oder Stand-up Jazz fallen und warum Mörk im Herzen der Budapester Underground-Szene stehen und an mehr als ungewöhnlichen Schauplätzen spielen, z.B. Wohnzimmern oder Kletterparks. Nach einigen erfolgreichen Singles und selbst produzierten Videos bringt die Band ihr erstes Studioalbum heraus und nennt es, vielleicht eine Hommage auf das Ende des Eisernen Vorhangs, „You Are Free to Choose“. Echt abgedreht resp. – gefahren …

 

SOUL SENSATION: KENNEDY ADMINISTRATION

 

Die Band um Sängerin, ja wirklich, Kennedy bewegt sich virtuos und stilsicher durch das gesamte Spektrum der Schwarzen Musik, zwischen Funk, Soul und Rhythm and Blues. Mal knallhart, mal tanzbar, mal melodiös, immer mitreißend, gibt die Administration eine atemberaubende Vorstellung, von der Party im kleinen Club bis zu großen Sälen großer Festivals, mit starken Eigenkompositionen, changierend zwischen Idolen wie James Brown, Bill Withers oder Sly Stone. Die Kennedys spielen eine Musik, die die Zeitlosigkeit entdeckt, gezielt in Bauch und Beine geht, ihr Publikum zum Vibrieren bringt, aber auch die Seele umschmeichelt und in Verzückung versetzt. Der Namensgeber hätte das vermutlich quittiert mit: „Isch bin ein Aalener …“

 

DIE GROOVE-MEISTER: ZAPP

 

Viele Bands stellen sich in die legendäre Ecke. Aber Zapp sind zweifelsfrei eine echte Legende. Die Funk-, R & B und Soul-Band zählt zu den meist gesampelten aller Zeiten. Jetzt kommt sie mit dem neuen Album „Leopard“, das 11 neue Songs mit prominenten Gästen präsentiert, darunter Tuxedo, Bootsy Collins, Mr. Talkbox, Frankie J, Kurupt, Snoop Dogg und den letzten eingespielten Song von Roger Troutman, der bis zu seinem Tod über 30 Jahre zum Rückgrat der Band zählt, passenderweise „Angel“ betitelt. Die elektrisierenden Gitarrenriffs von Zapp sind voll von ansteckenden Grooves, eine Inspiration für eine Vielzahl Musiker im breiten Spektrum zwischen Daft Punk, The Black Eyed Peas oder Justin Timberlake, sie erscheinen in Songs u.a. von Lil', Kim, Snoop Dogg, Xzibit, Ice Cube etc., treten auf mit Ikonen wie Rick James, Cameo, Prince oder George Clinton. 

SELBER HIPPEN, SELBER HOPPEN: KERAAMIKA WORKSHOP

 

Drei Tage nach dem Auftritt in der Stadthalle gibt es für alle Fans von Hip Hop und Street Dance die Chance, das Ganze mal selbst in die Hand zu nehmen, mit den Experten des Aalener Tanzstudios KerAAmika selbst im ZEISS Forum auf die Bühne des Jazzfests zu steigen und in Hip Hop und Streetdance los zu legen.

 

HAT DEN BOGEN RAUS: KONRAD BOGEN TRIO   

 

Mit Einstufungen wie Wunderkind sollte man sparsam umgehen. Aber hier ist es nicht zu vermeiden. Gerade mal 18 ist Pianist Konrad Bogen, und es sieht aus, als würde er sehr bald ein ganz Großer. Jetzt schon beeindruckt er als Multiinstrumentalist auf Klavier, Trompete, Bass, zur Not auch Schlagzeug. Sein Tonträgerdebut betitelt er in aller Bescheidenheit mit „Confusion“. Höhepunkt ist die famose Coverversion von Rapper Kendrick Lamar, den er als Vorbild bezeichnet; über seine musikalischen Vorlieben sagt das aber nichts, denn zu seinen Idolen gehört auch Johann Sebastian Bach. Mit „Beyond Headlines“ hat er einen Stil kreiert, den man am ehesten als Mischung aus Jazz, Soul und elektronischer Musik bezeichnen könnte. Oder wie er es formuliert: „Wir machen Jazz, nennen es aber nicht so.“

 

DIE ÄSTHETIK DES AERODYNAMISCHEN FLIESSENS: FLORIAN WEBER

 

Zugegeben, die New York Times beschreibt ihn schon etwas kompliziert, ganz anders als die Süddeutsche, die Florian Weber einfach einen „frischen, unverbrauchten Ton“ attestiert, der „Interessantes und Mitreißendes zu erzählen hat“. Sei es wie es ist, der Sohn eines Musikprofessors und einer Opernsängerin hat es mit 41 Jahren in die vorderste Reihe der deutschen Pianisten geschafft und damit u.a. einen ECHO Jazz abgeräumt als bester Pianist national und einen WDR-Jazzpreis für Improvisation. Mit vier erhält er erstmals Klavierunterricht, erst Klassik, später Jazz, beide Genres verbindet er mühelos, buchstäblich spielend. In seinem Notizbuch stehen oder (leider standen) Kollegen wie Tomasz Stanko, Pat Metheny, Albert Mangelsdorf oder Mike Brecker. Wen wundert es, dass er 2015 auf ECM debütiert, „Inside Out“, und das nächste Album steht schon in den Startlöchern. Weiter so …

 

DIE ZUKUNFT DES AFRIKANISCHEN SOUL: NTJAM ROSIE

 

Afrika bringt als Kontinent immer wieder neue, faszinierende musikalische Stimmen hervor. Hier kommt eine davon. Geboren in Kamerun, wächst die Sängerin Ntjam Rosie mit der delikaten Stimme und dem untrüglichen Gefühl für Rhythmus in Holland auf, wo sie immer noch residiert, musikalisch zutreffenderweise dem Afro Soul zugerechnet. Sieben Alben und LPs stehen in ihrer Discografie, es werden ganz sicher noch mehr werden. Inzwischen hat sie Gesang und Musikunterricht studiert und auch etliche Preise und Auszeichnungen geholt. Zu ihren Inspirationen zählen u.a. George Duke, Stevie Wonder, Patrice Rushen, Syreeta, Miriam Makeba und das sind ja wohl Anzeichen für einen gesunden Ehrgeiz

 

VIVE LE FÖNK: ELECTRO DELUXE

 

Nein, die Franzosen beschäftigen sich nicht mit Hausgeräten, auch wenn sie Ihre umwerfende Musik gelegentlich und trotz Programmierer Thomas Faure sehr sparsam mit elektrischen/elektronischen Mitteln anreichern. Welche Kategorie am besten passt, wollen wir hier nicht ausdiskutieren. Nur so viel: Hier geht der Punk ab. Ganz gleich, ob da Nu Jazz, Acid Jazz, Hip Hop oder guter alter Funk im Stil des Godfathers läuft, das meiste, was die Franzosen um den US-Sänger James Copley spielen oder singen, groovt waaahnsinnig und ist überwiegend handgefertigt. Auf sechs Alben blicken sie inzwischen zurück, als Gäste hatten sie u.a. Geiger Didier Lockwood oder Trompeter Flavio Boltro. Ihren ersten Jazzfest-Test bestehen sie 2015 mit Bravour.

Druckversion Druckversion | Sitemap
Aalener Kulturjournal