3. Aalener Lachnacht

Darf´s ein bisschen mehr sein?

Kaum hat das neue Jahr begonnen, darf wieder herzhaft gelacht werden, zumindest steht dies im Portfolio des aus Hamburg stammenden Berliners Ole Lehmann, der mit seiner "Lachnacht" durch die Republik tourt und nun zum dritten Male in der Aalener Stadthalle einen Stopp eingelegt hat. Seine sich wiederholdende Rezeptur setzt sich recht einfach zusammen.

Er bringt meist vier höchst unterschiedlich agierende Comedians auf die Bühne, vermittelt mit eigenem Humor zwischen deren Programmen und sieht so die Lacher auf seiner Seite. Das gelingt manchmal richtig gut, wie im vergangenen Jahr Komikerin Patrizia Moresco belegte. Das Schöne an Comedy und der Lachnacht ist ja, das die Akteure derzeit ihr süffisantes Material direkt vor die Haustüre geliefert bekommen, angefangen bei nebulösen Beziehungen über deutsch-türkisch-schwäbische Identitäten bis hin zu sexuellen Gepflogenheiten von Mann und Frau und allem, was es noch dazwischen geben kann. Das klingt witzig, absurd, manchmal aber auch ein bisschen peinlich, weil zu viel des Guten eben nicht mehr ganz so gut und manches nicht mehr ganz so ofenfrisch ist. Es sei denn, die Gags sind mit so viel Realsatire gewürzt, dass einem eigentlich durchaus auch einmal das Lachen im Halse stecken bleiben müsste.

Bei Lehmanns Show ließe sich problemlos Miss Sophie mit "The same procedure as every year" aus "Dinner for One" zitieren, im Guten wie im weniger Guten. Im vergangenen Jahr ragte bei der zweiten Lachnacht vor allem Patrizia Moresco aus der Comedian-Truppe heraus, heuer ist es die Band "Zärtlichkeiten mit Freunden". Deren Aktivisten Christoph Walther (Schlagzeug) und Stefan Schramm (Gitarre) konnten an diesem Abend den meisten Applaus für sich verbuchen. Das Erfolgsgeheimnis ihres Musikkabaretts: eine billige Maskerade und öde wirkende Dialoge. Beides ist jedoch nur vorgeschoben, denn die beiden Sachsen liefern unterschwellig hintergründiges Kabarett  mit streng rationierter Musik. Besonders Walthers SED-akademisches Bürokratendeutsch kommt gut an, weil es der Loriotschen Verhohnepipelung des Bürgertums nahekommt.  Gelebte Realsatire. Und von der braucht die Lachnacht wesentlich mehr. Viel mehr!

Druckversion Druckversion | Sitemap
Aalener Kulturjournal