Interview mit Ferdinand Krannich

Mit Bach und Dupré nach Saint-Sulpice

Der 16jährige Ferdinand Krannich aus Essingen hat den Hauptpreis beim 5. Württembergischen Orgelwettbewerb gewonnen.  Der Wettbewerb wird vom Verband Evangelische Kirchenmusik in Württemberg e.V. alle drei Jahre ausgerichtet.

Insgesamt 25 nebenberufliche Organistinnen und Organisten jeglichen Alters hatten sich an der neuen Klais-Orgel in Ludwigsburg einer professionellen Jury gestellt. Ferdinand Krannich wählte Kompositionen von Bach und Dupré als Wettbewerbsbeitrag. Der Lohn: Ein erster Preis mit Auszeichnung in der schwierigsten (höchsten) Kategorie. Mit dem Hauptpreis – eine Orgelreise nach Paris – kann er nun die Kirche besuchen, an deren Orgel er gerne einmal spielen würde: Saint-Sulpice.  In der katholischen Pfarrkirche im Pariser Stadtteil  Saint-Germain-des-Prés ist übrigens der Komponist und langjährige Organist von St. Sulpice, Charles Marie Widor, bestattet. Zu Lebzeiten war sein Arbeitsplatz die Hauptorgel der Kirche, weltweit berühmt und noch heute  ein weitgehend im Originalzustand erhaltenes Meisterwerk von François-Henri Clicquot und Aristide Cavaillé-Coll. 

Wie kommt man auf die Idee, Orgel spielen zu wollen?

Mich hat schon immer die unglaubliche Vielfältigkeit der Klänge gereizt. Auch die Klangpracht und Klanggewalt, die von einer Orgel ausgehen, faszinieren mich.

 

Braucht man da Vorkenntnisse? Ein anderes Instrument? Und wenn ja welches?

Auch wenn es natürlich möglich ist, das Orgelspielen ohne jegliche Vorkenntnisse zu lernen, so sind doch Vorkenntnisse auf dem Klavier sehr sinnvoll, da diese unter anderem das Lernen des Lesens von vielstimmigen Notensystemen und das Spielen auf Klaviaturen begünstigen.

Wer gut auf dem Klavier ist, ist der es auch an der Orgel?

Auch wenn die Orgel teilweise eine ganz andere Anschlagstechnik und Koordination von Händen und Füßen als die Orgel fordert, so bieten doch Vorkenntnisse auf dem Klavier vor allem bei Stücken, bei denen pianistische Fähigkeiten gefordert sind, eine gute Voraussetzung.

 

Seit wann spielst Du Orgel?

Ich spiele seit vier Jahren Orgel.

 

Eine Orgel hat man freilich nicht zuhause stehen. Wo übt man alternativ?

Ich übe auf der Orgel der evangelischen Kirche in Essingen oder der Aalener Stadtkirche.

 

Ist die Orgel tatsächlich eines der am schwierigsten zu beherrschenden Instrumente?

Ich halte es für sehr schwierig, Schwierigkeit bei einem Instrument zu definieren. Natürlich sind bei der Orgel sowohl Koordination von Händen und Füßen, das Einstellen auf verschiedenste Trakturen und Dispositionen, als auch das polyphone/mehrstimmige Spiel gefordert. Trotzdem ist dieses auch z.B. bei dem Schlagzeug oder dem Klavier auch der Fall.

 

Bei wem und wo nimmt man Unterricht?

Ich nehme bei KMD Thomas Haller in der Stadtkirche Aalen Unterricht.

 

Und wie wird man so gut wie Du? Begabung, tolle Lehrer oder beides?

Ich denke, dass ein toller Lehrer, welcher seine Schüler motiviert und individuell unterstützt, ein ganz wichtiger Faktor ist. Wenn Schüler nicht gefördert und motiviert werden, bringt auch jegliche Begabung wenig.

 

Bei welchem Wettbewerb hast Du gewonnen?

Ich habe bei dem „5. Wettbewerb für gottesdienstliches Orgelspiel des Verbandes Evangelische Kirchenmusik in Württemberg e.V.“ in der Kategorie III einen „1. Preis mit Auszeichnung“ gewonnen.

Gegen wie viele Mitbewerber musstest Du antreten?

Insgesamt hatte der Wettbewerb 26 Teilnehmer, welche in drei Kategorien antraten: Kategorie I (Niveau des Befähigungsnachweises), Kategorie II (Niveau der C-Prüfung) und Kategorie III (fortgeschrittenes Niveau). Innerhalb der Kategorie III, in welcher ich spielte, gab es sieben weitere Teilnehmer.

 

Und wie viele Stücke spielen?

Der Vortrag von 3 Orgelwerken verschiedener Stilepochen war gefordert, davon sollte ein Werk choralgebunden sein. Es bestand außerdem die Möglichkeit, eine dieser Aufgaben zu improvisieren (z.B. als Präludium, Fantasie, Passacaglia, Partita oder Choralfantasie). Weiterhin habe ich mehrere Choräle, inklusive Vorspiel, vom Blatt und als vier-/dreistimmigen Satz harmonisiert und gespielt.

Welche?

Ich habe über „Verleih uns Frieden gnädiglich“ eine Fantasie improvisiert, das „Trio super: Herr Jesu Christ dich zu uns wend“ von Johann Sebastian Bach (BWV 655) und das „Prélude en sol mineur“ aus „Trois Préludes et Fugues“ von Marcel Dupré (Op.7,3) gespielt.

 

War Dir während des Wettbewerbs bereits klar, dass Du gute Chancen hast oder waren die anderen auch alle perfekt?

Ich war sehr überrascht über das Ergebnis, habe mich aber natürlich sehr gefreut. Während des Wettbewerbs habe ich aufgrund des langen Anfahrtsweges und meiner Aufregung keine anderen Beiträge angehört.

 

Apropos: Was heißt „perfekt“ beim Orgelspiel?

Da Perfektion immer im Auge des Betrachters liegt, kann man den Begriff „perfekt“ in der Musik nicht definieren. Grundsätzlich würde ich aber sagen, dass man zumindest in den Augen des größten Teils Perfektion erreichen wird, indem man Stücke nach der historischen Aufführungspraxis bezüglich Tempo, Registrierung und Artikulation interpretiert. Die richtigen Töne zu treffen, ist natürlich auch nie falsch.

 

Was ist eigentlich das Besondere am Orgelspielen?

Das Besondere am Orgelspielen ist, dass einem sowohl eine unglaubliche Fülle an verschiedensten Klangfarben als auch ein riesiger Tonumfang gegeben ist, daher kommt auch die Bezeichnung der Orgel als „Königin der Instrumente“.

Hast Du schon einmal einen ganzen Gottesdienst mit der Orgel begleitet?

Ich begleite schon seit längerer Zeit regelmäßig Predigt-, Trau- und Trauergottesdienst.

 

Und wer ist Dein Lieblingskomponist?

Mein Lieblingskomponist ist Johann Sebastian Bach.

 

Auf welch berühmter Orgel in welcher Kirche würdest Du gerne einmal musizieren?

Ich würde sehr gerne einmal auf der Orgel in Saint-Sulpice (Paris) musizieren.

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Aalener Kulturjournal