Aalener Sinfonieorchester feiert seinen 40.

Mit Musik geht alles besser

Gut fühlt sich, wer 40 wird. Schwabenalter eben. Und schon deshalb ist eigentlich jedes weitere Wort überflüssig. Aber, wie geht es eigentlich einem Orchester, das vier erfolgreiche Jahrzehnte hinter sich hat?  Besser gesagt, wie hört sich dieses an? Um es vorwegzunehmen: Hervorragend! Doch welches Geburtstagsständchen ist bei solch einem bedeutenden runden Jubiläum das richtige, zumal es selbst gespielt werden muss? Ein bisschen Romantik oder vielleicht doch lieber Neue Musik?

Dirigent Markus Hein wählte mit sicherem Instinkt für Qualität und Niveau zwei Kompositionen, die das Jubiläumskonzert des Aalener Sinfonieorchesters glanzvoll einrahmen sollten, ein unvergleichlicher Beethoven zum Auftakt und selbstredend, was anderes wäre undenkbar: Sir Edgar William Elgars "Pomp and Circumstance Marches" (op. 39). Da hört man schon im Geiste die Fanfaren klingen. Ein Geburtstagsständchen wie aus dem Bilderbuch also, zumal die Musici hier alle Register - instrumental und künstlerisch - ziehen können. Dazwischen  Brahms´ vergnügliche "Akademische Festouvertüre c-Moll, op.80", bei der der Meister einst seine verflossene Studentenzeit musikalisch hat Revue passieren lassen. Musik, in der populäre Studentenlieder anklingen, wie das "Gau deamus igitur" und "Wir hatten gebaut ein stattlich Haus". Die Märzrevolution von 1848 lässt grüßen!

Mit "Wir hatten gebaut ein stattlich Haus" lässt sich auch das 40jährige Wirken des Sinfonieorchester umschreiben, zumal es nicht nur beim Jubiläumskonzert mit grandioser Musik erfreut, sondern auch in all den vielen zurückliegenden Jahren manch musikalische Überraschung bereithielt. Übrigens immer mit innovativen und motivierenden Dirigenten, die die professionellen und semiprofessionellen Musiker zu Höchstleistungen anspornten, so für den guten Ruf der Sinfoniker sorgten. Übrigens, beim Jubiläumskonzert abzulesen an den vollbesetzten Stuhlreihen in der Aalener Stadthalle.

Zwischen Beethoven und Elgar darf freilich ein Mozart nicht fehlen. Die vor Lebensfreude sprühende Ballettmusik zur Pantomime "Les petits riens", KV Anh. 10 (299b) sollte es sein, um einerseits wirkmächtig auf "Pomp and Circumstance" vorzubereiten, aber auch um noch ein wenig Beethovens "Op. 73" nachklingen zu lassen. Nicht umsonst begleitet dessen fünftes

Konzert der Beiname "Emperor Concerto". Folgerichtig sorgen "Pauken und Trompeten" für den unüberhörbaren Auftakt. Wer allerdings dies nur auf das Geburtstagskind beziehen will, dem sei schmunzelnd entgegengehalten: "Honi soit qui mal y pense!"

Doch ein solch famoses Orchester darf sich nun einmal zum 40. mit solcher Musik feiern, zumal sich die geneigte Zuhörerschaft davon höchst begeistert zeigte. Das Werk neigt zwar ein wenig zu Gloria - siehe Elgar -, doch es erstaunt mindestens ebenso mit seinen sanften, fast intimen Momenten.

Der Hang zum Hedonismus ist indes der Geschichte geschuldet, denn als Beethoven 1809 das 5. Klavierkonzert schrieb, saß er im von Napoleons Truppen umlagerten Wien fest.  Der Kriegslärm spiegelt sich unüberhörbar im Stück, glücklicherweise finden sich daneben auch friedvoll klingende Klavierläufe. Für die Musiker ein höchst diffiziles Unterfangen.

Dem Pianisten Hans-Roman Kitterer fällt hierbei die Aufgabe zu, zwischen diesen weit auseinanderdriftenden Empfindungen zu vermitteln, sie aber zugleich in ihrem Wesen darzustellen. Eine durchaus explosive Mischung, wie orchestrale Fortissimo-Schläge und ein vital präludierendes Klavier schon mit Beginn des Beethovenschen Konzerts belegen. Ein furios erscheinendes Wechselspiel zwischen Solist und Orchester, zwischen kammermusikalischen und symphonischen Momenten. Darin liegt die besondere Spannung, hier stellt sich aber auch die Notwendigkeit bei der Interpretation dar, diesen höchst musikalischen Kontrast apodiktisch herauszuarbeiten. Eine scheinbare Herkulesaufgabe, die den Aalenern Sinfonikern und ihrem Pianisten Hans-Roman Kitterer meisterlich gelingt. Einfach virtuos wie brillant!

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Aalener Kulturjournal