Marlene Pschorr, Aalener Sinfoniker und die Ballettklasse der Musikschule

Konzert zum Neuen Jahr

Am Sonntag war es mal wieder soweit. Das wirklich allerletzte Konzert zum neuen Jahr lud in die Aalener Stadthalle. Wie alle Jahre. So weit, so gut. Doch diesmal kannte der Besucheransturm keine Grenzen. Bereits vor der Stadthalle waren alle irgendwie als Parkplätz nutzbaren Eckchen belegt. Ähnlich drinnen. Kein freier Platz mehr. Wer zu spät kam, musste sich mit dem Boden zufrieden geben oder eben zwei Stunden lang stehen. Kurze Stunden, sei angemerkt, denn was Aalens Sinfoniker an Gegenleistung boten, konnte sich hören lassen. Und sehen lassen, war doch die Ballettklasse der Musikschule unter der Leitung  von Raina Hebel  und Elena Wirth mit im Boot.

Nicht zum ersten Male, dafür aber in einer ebensolch guten Tradition wie die auserwählte Musik von Mozart, Bach, Bizet und Nicolai. Bereits der einstige Dirigent Olivier Pols begründete den Erfolg des aus Laien- und Profimusikern bestehenden Orchesters, den ab 2016 Markus Hein fortschrieb und Peter Goller seit dem vergangenen Jahr fortsetzt. Dem Orchester ermöglichte dies sich in technischer wie musikalischer Hinsicht außerordentlich zu entfalten. Das glückliche Händchen der Musici mit ihren Dirigenten tut den Sinfonikern hörbar gut, zumal Goller nun auch reichhaltige Erfahrungen aus seinem Engagement in der Stuttgarter Opernschule mitbringt. Einen kleinen Vorgeschmack gab es diesbezüglich mit Otto Nicolais Ouverture zur komischen Oper "Die lustigen Weiber von Windsor". Eine schöne Gelegenheit dem Charme und der Leichtigkeit italienischer Melodik, einer romantischen Innigkeit und volkstümlichen Eleganz zu frönen. Das Publikum applaudiert zurecht begeistert.

Als (fast) neuer Dirigent steht Peter Goller bei solch einem Konzert selbstredend im Fokus. Und dabei fällt auf, er verzichtet beim Dirigieren auf ausladende Gesten, auf extrovertierte Schauspielerei. Ruhig steht er am Pult, lenkt mit bedächtigen, manchmal auch nur angedeuteten, bei Bedarf indes klaren Handbewegungen die Musiker wohltuend zurückhaltend durch die Kompositionen. Dass er den Kurs bestimmt, ist spätestens dann unübersehbar, wenn er Blickkontakt aufnimmt, mit einem kurzen Wink eingreift, wenn nötig mit deutlicher Geste mehr fortissimo fordert oder mit auf die Lippen gelegtem Finger etwas mehr pianissimo.  

Im Ergebnis: richtig schöne Musik zum Neuen Jahr.  Wohlfühlmusik, zu der Wolfgang Amadeus Mozart sein bekanntes "Konzert für Horn und Orchester Es-Dur KV 447" beisteuert. Die Aalener Musikerin Marlene Pschorr übernimmt den Solopart in diesem wohl schönsten Hornkonzert des Salzburgers. Ein idealtypisches Hornkonzert der Klassik, das den Sinfoniekern und ihrer Hornistin wie auf den Leib geschrieben scheint, zelebrieren sie doch prickelnd die Themen des ersten Satzes, geben sich dem reichen Bläserklang hin, der träumerischen Romanze, dem prägnanten Jagdfinale ergeben.

Apropos Jagd. Beim Auftakt zur nachfolgenden "Unbegun Symphony" werden die Zuhörer en passant zu Musikdetektiven, klingt doch das Stückchen ganz in der Originalität von Bach-Sohn Johann Christian, aber mit dem gewissen Maß an Arroganz wie sie Carl Philipp Emanuel pflegte und von Johann Christoph Friedrich in barocker Tiefe weitergeleitet wurde.  Spätestens nach dem ersten Satz, dem "Minuet", war sich das Publikum einig,  hinter dem als Komponisten angegebenen vierten Bach-Sohn PDQ Bach steht niemand anderes als Musikparodist Peter Schickele, der höchst populäre Melodien in "manischem Plagiarismus" zu einer solch heiterer Komposition führte.

Die Art und Weise, wie das Orchester spielerisch leicht mit Persiflage und "ernster" Musik umgeht beweist letztlich seine Klasse. Klare Bläserintonationen erklingen, gepaart mit fabelhaften Streicherklängen, präzise und feinfühlig angeleitet von einem engagierten Dirigenten. Der immer wieder erstaunliche Klang ist keine Selbstverständlichkeit, schließlich gestalten überwiegend Freizeitmusiker diese leidenschaftliche Hommage an die große Musik großer Komponisten.

Folgerichtig haben Aalens Musikfreunde die zahlreichen erfreulichen Konzerte des Aalener Sinfonieorchesters, bei dem die Musici  ihr Können glänzend unter Beweis stellten, ihren musikalischen Anspruch  belegten, in guter Erinnerung. Dabei gehört die Vorliebe des Sinfonieorchesters sowohl ausgesuchten Werken aus  Barock, Klassik und Romantik wie auch aus Zeitgenössischem. Immer wieder stellt das Orchester hierbei seine Leistungsfähigkeit und musikalisches Niveau unter Beweis - frisch, beschwingt, mit Verve und Ausdrucksstärke. Zu solch lobenswerter Qualität kommen technisches Können, musikalische Stilsicherheit und ein harmonisches Miteinander. Dies fortzuschreiben war und ist immer auch das Verdienst der Dirigenten, beim aktuellen Konzert trefflich belegt von Peter Goller. das gilt auch für den zweiten Höhepunkt des Konzerts, Georges Bizets "Carmen Suiten", bei denen die Ballettklasse zu Ballonné, Pirouetten und Balancé aufruft. Zu iberischen Tänzen, die von den jungen Eleven ein erforderliches Maß an Ausdruck, Musikalität und ein sicheres Gefühl für den eigenen Körper abverlangen, zugleich aber auch die Chance eröffnen, Talent zu zeigen. Was die kleinen und großen Tänzerinnen auch ausgiebig belegen. Die Compagnie schwenkt rote Tücher, wedelt mit den Fächern, tänzelt über die Bühne. Bis zur Habanera, bei der die Musici den unverwechselbaren Rhythmus anstimmen und Solotänzerin Rebecca Miller auf spanisch-kubanischer Spitze  der  Melodie von "L'amour est un oiseau rebelle"  folgt. Ein schönes wie vielversprechendes Geleit in dieses noch junge Jahr 2019.

 

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Aalener Kulturjournal