Interview mit Violinist Angelo Bard

AGADE QUARTETT im Musik- und WM-Fieber

Waren Sie schon einmal auf der Ostalb?

Ja, schon oft! Zum einen, weil ich schon zweimal mit dem Collegium musicum als Solist spielen durfte. Zum anderen kommt meine Frau aus Aalen. Sie ist Cellistin, wir haben uns bei den Essener Philharmonikern kennengelernt. Es gibt also auch eine private Verbindung auf die Ostalb, hier wohnt ein Teil unserer Familie und so ist die Ostalb schon ein Stück zweite Heimat für mich geworden.

 

Seit wann spielen Sie bei der Essener Philharmonie und seit wann sind Sie Berufsmusiker?

Inzwischen ist das meine zehnte Saison als Geiger bei den Essener Philharmonikern, einen klaren Beginn als Berufsmusiker gibt es bei uns Musikern nicht wirklich, da wir teilweise im Studium schon in Profiorchestern unsere ersten Erfahrungen sammeln. So habe ich zum Beispiel vor meinem Engagement in Essen häufig bei der NDR Radiophilharmonie Hannover und im MahlerChamberOrchestra unter Claudio Abbado gespielt.  

 

Welche Komponisten schätzen Sie besonders und weshalb?

Es hat schon seine Gründe, warum die bekannten Komponisten wie Mozart, Haydn, Brahms etc. so beliebt sind: Weil sie in ihren Werken immer etwas Geniales und Raffiniertes schaffen, jeder auf seine Art und Weise. Und deshalb schätze ich diese Komponisten sehr, was nicht heißen soll, dass weniger bekannte Komponisten keine guten Komponisten sind.  Seitdem ich in der Oper spiele sind mir Richard Strauß und Puccini sehr ans Herz gewachsen. Da gibt es, wenn man im Orchestergraben sitzt, immer wieder Gänsehautmomente, die man nur durch Musik erreichen kann.  Deshalb freue ich mich auch, dass wir in Aalen ein Werk von Puccini spielen werden.

 

Was ist so großartige an Ihrem Quartett? 

Die Mischung!  Zum einen spiele ich mit Christian und Clemens schon sehr lange Kammermusik, wir kennen und schätzen uns, wissen, was der andere im nächsten Moment machen wird im Konzert, im Fußball würde man sagen: "Wir kennen unsere Laufwege!“. Zum anderen die langjährige Zusammenarbeit mit Gero Wittich: Wir kennen uns nun schon seit über 25 Jahren, hatten eine tolle gemeinsame Zeit im Jugendorchester und die Musik hat uns über all die Jahre immer wieder treffen lassen, in den letzten Jahren in der Kombination: er als Dirigent, ich als „sein“ Konzertmeister oder „sein“ Solist. Das hat immer bestens funktioniert und harmoniert und so bin ich mir sicher, dass wir auch als Quartett prima funktionieren werden. 

Und es gibt noch etwas anderes Großartiges: welches Quartett gibt es, in dem einer der Musiker eigentlich Senior Director in einem großen Unternehmen ist, und gleichzeitig auf so hohem Niveau Bratsche spielen und dirigieren kann?  Ich habe Gero schon damals bewundert, wie er zeitgleich Physik und Musik studieren konnte.

 

Das Programm für den 23. Juni - wie kam dieses Zustande?

Bei einer Programmplanung spielen viele Dinge eine Rolle.  Zum einen der Blick auf die verschiedenen Epochen, damit für jeden etwas dabei ist, zum anderen der Zeitfaktor, es darf nicht zu lang und zu kurz sein etc.  Ich glaube, dass wir für Aalen ein tolles Programm gefunden haben. Dass die Nationalhymne aber bereits im Kaiserquartett zu Beginn des Konzertes erklingt, und nicht erst, wenn Jogis Jungs auf dem Platz stehen, ist reiner Zufall. Das Programm stand schon vor dem Termin fest!
 

Sind Sie Fußball Fan, können Sie sich für die WM begeistern?

Absolut! Als Jugendlicher hat mein Patenonkel mich mit auf den Betzenberg in Kaiserslautern genommen und ich verfolge seither die Bundesliga. Wenn wir samstags Vorstellung in der Oper haben freue ich mich auf das „Aktuelle Sportstudio“ danach und die ein oder andere Pause während einer Vorstellung verbringe ich auch gerne mal im Aufenthaltsraum, wenn ein spannendes Champions League - Spiel läuft. Orchesterintern haben wir ein Tippspiel über die gesamte Saison. Sie merken, ich bin begeisterter Fußball-Fan und freue mich schon auf das Spiel nach unserem Konzert, das wird bestimmt toll, mit den Zuschauern im Anschluss das Spiel zu schauen - mal sehen, was am Ende spannender wird, das Spiel oder das Konzert!

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Aalener Kulturjournal