Galerie im Aalener Rathaus: Anita Bialas & Angelika Summa

Wo Phantasie zu Kunst wird

Die Musik von "Bolz & Knecht" passt zu dieser Kunst, klingt doch das "Blaue Krokodil" so schön luftig wie leicht:  ein filigranes Meisterwerk. Wie die Malerei und Objektkunst, der man gerne ein "Lost in Translation" anhängen darf, denn einfach ist die Interpretation der Kunstwerke nicht. Während sich in Öl auf Textil und Collographie Linien mal horizontal wie vertikal zeigen, auch mal exakt gezogen oder verwischt, folgen sie in den Objekten einer gänzlich anderen Geometrie. Ersichtlich in den Skulpturen aus Eisen- und Stacheldraht, aus Stahlbändern, Kupfer- und Zinksträngen.

In der Aalener Rathausgalerie geht die Kunst seltsame Wege, stellt sich zugleich als ganz reales Hindernis in Form großer auf dem Fußboden ruhender Kugeln entgegen. Geflochten, massig, schwer wirken "Jardin", "Structangle" und "Gestrüpp". Von Künstlerhand virtuos ineinander verschlungen erinnern einige an ein 3-D-Wimmelbild, in dem Suchen und Rätseln kein Ende finden. Eine Kunst, die zu Gedankenspielerei verführt, Unsichtbares sichtbar werden lässt. Neugierde und Leidenschaft sind Triebfeder der Künstlerinnen Anita Bialas (Malerei) und Angelika Summa (Bildhauerei). So schwärmen sie von Gedanken, die unter ihren Händen Materie werden, von der Phantasie, die Ideen gebiert. Ein Eintauchen in eine Welt, wie es allein die Kunst ermöglicht.

Im Gespräch mit Natascha Euteneier (Kulturamt) verdeutlichen die Künstlerinnen, dass es ihnen nicht nur um das fertige Kunstwerk geht, sondern auch um den kreativen Entstehungsprozess. Der Weg als Ziel oder wie  Goethe es treffend auszudrückt: "Kunstwerke lernt man nicht kennen, wenn sie fertig sind; man muss sie im Entstehen aufhaschen, um sie einigermaßen zu begreifen!"

Der Phantasie mit Gefühl und Ästhetik Form und Gestalt geben. "Was ich auch immer tue, es sind aus Gedanken geborene Ideen, mit denen ich mich auseinandersetze, die ich in meiner Malerei wiedergebe", umschreibt Anita Bialas. Die Frage nach Sinn und Interpretation des fertigen Objekts spielt eine untergeordnete Rolle.

Jeder solle sich mit den Bildern und Skulpturen auseinandersetzen, um zu einer eigenen Einsicht zu kommen. Dabei machen es die Künstlerinnen dem Betrachter nicht immer einfach. Beispielsweise geben Angelika Summas "Sinnkugeln" wenig von dem preis, was metallene Sinnlichkeit umhüllt. "Flieg, Gedanke, auf goldenen Schwingen", heißt es so schön in Verdis Oper "Nabucco". Doch die Objekte der Würzburgerin wehren sich dagegen. "Sie sind störrisch und wollen nicht interpretiert werden", verrät Angelika Summa. Insofern gleichen die runden Kunstwerke ein wenig Ortega Y Gassets imaginären, ringsum von der Wirklichkeit umbrandeten Inseln. Beredtes Beispiel der "Wirbel", der Stacheldraht bewehrt an der Wand zum Sitzungssaal des

Gemeinderats hängt, wo schließlich manch ein Thema tatsächlich auf die eine oder andere Art durchgewirbelt wird. Honi soit qui mal y pense - eine unendliche Geschichte, zumal in der Stadtpolitik. Tröstlicher hingegen die Erfahrung, dass Kunst umso interessanter wird, je unmittelbarer sie sich erklärt. Was zu ihrem Wesen und zur Freiheit der Kunst gehört. "Kunst gibt nicht das Sichtbare wieder, sondern Kunst macht sichtbar." Mit dem Zitat von Paul Klee chließt sich der Kreis. Wer auch nach dem Ausstellungsbesuch noch offene Fragen hat, damit ein Problem hat, dem sei der 4. und 24. Oktober sowie der 15. November ans Herz gelegt, wenn Natascha Euteneier durch die Ausstellung führt und die Arbeiten erklärt.

 

 

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Aalener Kulturjournal