Stadttheater Aalen

Die 26. Spielzeit  steht unter dem Motto "Sein oder Haben"

Aalens Stadttheater nimmt in der kommenden Spielzeit Kurs in Richtung Großbritannien. Britania wird in den Fokus gerückt, besser der unvermeidbare William Shakespeare. Und noch eine weitere Ansage gibt es zur neuen Theatersaison: ein Motto. Dazu bat die Theaterleitung den schon fast vergessen geglaubten Sozialpsychologen Erich Fromm auf die Bühne, allerdings nicht mit dessen in den 1969er und 70er Jahren zum Bestseller gewordenen "Die Kunst des Liebens", sondern mit dem Publikumserfolg Nummer zwei "Sein und Haben".

Aussagekräftiger ist der Untertitel des Buchs: "Die seelischen Grundlagen einer neuen Gesellschaft", in der Sein und Haben zu Faktoren einer Existenzweise erklärt werden, welche gesellschaftliche Entwicklungen fördern. Er beschreibt Bedingungen, unter denen Menschen leben können, doch sobald diese der "menschlichen Natur" zuwiderlaufen, reagieren Betroffene mit der Veränderung bestehender Verhältnisse oder entsagen dem gesellschaftlichen Engagement.

Das Stadttheater modifiziert Fromms Buchtitel zu "Sein oder Haben", was selbstredend bestens zum noch zu hissenden Union Jack und Shakespeare passt. "To be or not to be" ist den Meisten noch aus der Schulzeit in Erinnerung, wobei allerdings nicht der Prinz von Dänemark im Alten Rathaus zu Wort kommen wird, sondern der deutlich blutrünstigere und folgerichtig von Dämonen verfolgte Macbeth.

Bestens aufgestellt

Doch noch gilt bis Ende der laufenden Saison die aktuelle Devise "Am liebsten erinnere ich mich an die Zukunft“ und noch darf der 25. Geburtstag des Stadttheaters gefeiert werden, auch wenn Oberbürgermeister Thilo Rentschler am Horizont mit Spielzeit 2017/2018 bereits die 26. Saison aufgehen sieht. Anlass genug, nochmals der Theaterleitung und dem Ensemble oberbürgermeisterliches Lob auszusprechen, ausdrücklich auch den Akteuren des Projekts "Boulevard Ulmer Straße". Das schönste Geburtstagsgeschenk sei gewesen, betonte Intendant Tonio Kleinknecht, „dass es mit dem Boulevard gelungen ist, Kunst, Bürgertheater und Soziokultur eng miteinander zu verweben. So stellen wir uns Theater vor.“

Dass dies die steigende Zustimmung der Aalener und des Gemeinderats finde, davon gab sich OB Rentschler überzeugt. Die gute Arbeit der Theatermacher sei auch ausschlaggebend dafür gewesen, die Verträge bis 2023 zu verlängern und den Finanzbedarf verlässlich festzulegen. "Damit geben wir dem Stadttheater einen soliden und guten Handlungsrahmen", ist sich das Stadtoberhaupt sicher. Und sieht die Stadt am Kocher im Konzert der Kulturregion gut aufgestellt. Für ihn eine unerlässliche Voraussetzung, nicht zuletzt, um die mit der Realisierung des Aalener Kulturbahnhofs zu erwartenden Herausforderungen zu meistern.

Keine Schonkost

Bevor es mit der neuen Spielzeit losgeht, gibt es in Wasseralfingen allerdings noch eine allerletzte Premiere aus der Saison 2016/2017: Am 30. Juni bittet "Molière" in den Hof des einstigen Wasserschlosses.

Doch dann heißt es unausweichlich „Haben oder Sein“. Dass Aalens OB die Saison "traditionell" als Sportschütze einleite, sei bereits sichergestellt, betont er selbst. Auch wird sich das Theaterfest entsprechend wiederholen. Dann ist aber Schluss mit Tradition, dann kommt das neue Theaterprogramm. Tina Brüggemann erkennt in "Sein oder Haben" einen eindeutigen Hinweis auf Konsumkritik, der sich durch die unterschiedlichsten Auffährungen ziehen wird. Den Leitspruch will sie folgerichtig als „weniger haben, mehr sein“ verstanden wissen, als prädestiniert für die Sein-Seite, denn "Theater ist für den Moment gemacht" - auch ein passendes Moto für den sich im neuen Programm wiederfindenden Mix aus klassischem und zeitgenössischem Theaterstoff.

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Aalener Kulturjournal