Ausstellung: Eden - Inferno in der Kunst

Ein schaurig humorvoller Blick auf die Welt

"Schwer kämpft der Wille wider bess'ren Willen", schreibt Dante Alighieri in seiner um 1310 entstandenen "Göttlichen Komödie". Ein Satz, den sich das Künstlertrio Axel Brandt (Düsseldorf), Thomas Putze (Stuttgart) und Andreas Welzenbach (Aalen) für ihre Kunstschau im Wasseralfinger Bürgerhaus wählen könnten, ziehen sie doch Dantes Komödie als Quell künstlerischer Inspiration heran, um höchst eigenwillige Bilder und Objekte entstehen zu lassen.Wasseralfingens Ausstellungsmacher Joachim Wagenblast überschrieb sie indes hintersinnig mit "Eden", obwohl vom biblischen Paradies wahrhaftig nichts zu sehen ist. Den Kunstfreunden scheint dies zu schwanen, noch bevor sie die Galerieräume im Wasseralfinger

 Bürgerhaus betreten, hat doch Wagenblast knitz die Zwischenüberschrift "Inferno in der Kunst" mit ins Boot genommen. Hört sich teuflisch gut an und erweist sich als gut gewählt, denn wer wäre besser prädestiniert den Ort solcher Verdammnis künstlerisch darzustellen, als Andreas Welzenbach, seines Zeichens Protagonist der "Kleinen Katastrophen".

Mit seinen Kollegen Brandt und Putze gestaltet er mit einer sehenswerten wie mutigen Auswahl an Kunstwerken die Ausstellungsräume in einer Art und Weise, wie sie - inhaltlich und formal - in der Region schon lange nicht mehr zu sehen war. So nehmen die Künstler ihren Arbeiten kein Blatt vor den Mund, bestechen mit eindeutiger Doppelbödigkeit, zeigen, was politisch nicht immer korrekt ist. Schönes wie umstrittenes Beispiel, der weibliche Nackedei in augenfälliger Position gleich am Eingang zur Ausstellung. Ein Beitrag zum Weltfrauentag, wie Wagenblast provokativ scherzt. Überhaupt: Die Krux liegt bei Himmel und Hölle, bei Gut und Böse und somit bei Mann und Frau beziehungsweise umgekehrt.  Die Künstler blicken auf umtriebige Menschen, wie im frühen Mittelalter Dante Alighieri in seiner "Göttlichen Komödie".

"O Menschen, wie ersäuft die Sinnlichkeit und Gier so tief Euch, daß euch aus dem Schaume des Meeres kein Aufwärtsschaun zum Licht befreit!"

In der Ausstellung findet sich die Visualisierung dieses zum Aphorismus gewordenen Satzes in den Bildern und Objekten wieder. Ob die IS-verkleideten Selbstmordattentäter "Vater und Sohn", der auf dem fliegenden Teppich, die Zündkabel einer Bombe in den Händen auf den weiblichen Schoss zusteuernde Imam, die Scheinheiligkeit des Priesters, der Kinder unter seinem Rock hält, oder die zahlreichen im Clinch liegenden Paare - sie alle sind von Eden meilenweit entfernt. Sartres "Die Hölle, das sind die anderen" könnte deren Devise, erläutert die Kirchheimer Vernissagerednerin Dr. Katrin Burtschell in ihren fundierten Erläuterungen. Doch so einfach ist die Sache nicht.

Das Trio Brandt-Putze-Welzenbach macht klar, die Hölle ist jeder selbst. Beim Blick auf "Coconut Dream", "Andere sind in dem Alter schon tot", "Inferno", "Kaputt" und und und dämmert dem Betrachter, dass das Künstlertrio eben nicht nur humorvoll einen himmlisch höllischen Rapport abliefert, sondern mit den beiden mittelalterlichen Künstlern Dante und Hieronymus Bosch auf ein Armageddon, das jedem Menschen innewohnt, blickt. 

"Wohin schauen sie, die drei Künstler?", frägt Dr.  Burtschell rhetorisch, um festzustellen, die Blicke seien nachdenklich in die Ferne gerichtet und von beobachtender Natur.

Ein schonungsloses Entlarven

Eine Sichtweise, wie sie die Romantik hervorgebracht habe, zu der auch das Sich -selbst-in-Frage-stellen gehöre. Die Vorgehensweise der drei Künstler gleiche einem mächtigen Umgraben des Paradiesgärtchens mittels der kraftvollen, impulsiven und großformatigen Malerei von Axel Brandt, mittels der aus einem Block gearbeiteten assoziativen Holzinstallationen und -skulpturen von Andreas Welzenbach und mittels der oft roh belassenen und dynamischen Holzskulpturen und auf den Punkt gebrachten Zeichnungen von Thomas Putze. In den Arbeiten sei das vermeintlich Böse zu erkennen, so Dr. Burtschell, ein schonungsloses Entlarven, ein humorvolles, respektloses,

kritisches Hinterfragen der Vorstellung vom Paradies. Dabei spielt das Trio geschickt - jedoch dicht der Grenzlinie zur Hölle entlang mit Assoziationen rund ums Paradies. Vor allem dann, wenn sich der Mensch "gottgleich aufschwingt zu richten, zu erschaffen und zu vernichten".

 

 

 

INFO

Eden

Brandt - Putze - Welzenbach

Inferno in der Kunst

Museumsgalerie im Bürgerhaus Wasseralfingen

Die Ausstellung ist bis zum 10. Juni 2019 zu sehen

rathaus.wasseralfingen@aalen.de

 

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Aalener Kulturjournal