Ausstellung im Landratsamt Aalen 

Der Kommunismus in seinem Zeitalter

Der Frankfurter Historiker und Publizist Dr. Gerd Koenen hat eine höchst informative Schau zusammengetragen, die noch vor wenigen Jahren bei manch einem Zeitgenossen auf harsche Kritik gestoßen wäre. Nachdem allerdings der Eiserne Vorhang längst gefallen und die Archive einsehbar sind, müsste es auch der letzte noch verbliebene Parteigänger revolutionärer Bewegungen des beginnenden 20. Jahrhunderts erkannt haben, mit Humanität und Demokratie hatte das alles nichts zu tun. Die Ismen der Vergangenheit sind gescheitert, die Zukunft verlangt nach neuen, anderen Perspektiven.

Demokratie und Gewaltfreiheit rückten zurecht in den Vordergrund, betonte Landrat Klaus Pavel, da „totalitäre Regierungssysteme wieder zunehmen.“ Unverzichtbar sei diese Ausstellung, urteilte er über die von Koenen konzipierten Schau „Der Kommunismus in seinem Zeitalter“, die sich mit dem Aufstieg und Niedergang der kommunistischen Bewegungen befasst und von der Bundesstiftung zur Aufarbeitung der SED-Diktatur sowie dem Deutschen Historischen Museum 2017 anlässlich des 100. Jahrestags der russischen Oktoberrevolution herausgegeben wurde. 

 Das Gesangsduo „Nimm zwei“ (Larissa Rauch, Sina Sachsenmaier) lieferten zur Ausstellung moderne zeitkritische Lieder. Für Pavel Anlass zur Feststellung in die Eröffnungsfeier ein. „Auch junge Menschen haben begriffen, dass Geschichte interessant und anregend darzubieten ist“, lobte Pavel die musikalische Hinführung. Im Landratsamt hätten neben Kunstausstellungen auch politische und zeitkritische Dokumentationen ihren Platz.

Angetreten waren die Revolutionäre, um die Welt und den Menschen von Grund auf zu verändern. Ihr totalitärer Anspruch mobilisierte rund um den Globus Millionen und entwickelte sich zum Albtraum von Abermillionen, die Opfer kommunistischer Gewaltregime wurden. 

Die im Foyer des Aalener Landratsamtes präsentierte Ausstellung „Der Kommunismus in seinem Zeitalter“ umfasst 25 Tafeln mit über 200 zeithistorischen Fotos, Dokumenten sowie QR-Codes, die mit Filmdokumenten im Internet verlinkt sind.

Dabei basieren Texte und Bilder auf Koenens Buch "Die Farbe Rot - Ursprünge und Geschichte des Kommunismus". Während der Autor in seinem Buch weit in die Geschichte zurückgeht, beginnt die Ausstellung mit den Geschehen kurz vor der Oktoberrevolution, mit dem Aufstand gegen den Zaren und der Festigung der ersten kommunistischen Regierung. Als Roter Faden zieht sich die Frage "Was ist aus der revolutionären Bewegung geworden?" durch alle 25 Bildtafeln. Für Kurator Gerd Koenen hat insbesondere das autoritäre Element dieser Ideologie überlebt, heute in China mit einem fast ultrakapitalistischen Wirtschaftssystem kombiniert und in Russland mit einer erzreaktionären Politik. Ob die ursprüngliche Idee des Kommunismus Überlebenschancen hat? Im Sinne von Marx , meint Koenen, wäre es auch für die Zukunft wichtig, über unsere Produktions- und Daseinsweise nachzudenken.

Bei der Ausstellungseröffnung ging der ehemalige Landtagsvizepräsident Dr. Alfred Geisel in einem weit gefassten Vortrag darauf ein. Die Entstehung und die Folgen des Kommunismus zu analysieren, entspräche der Intuition  der Vereinigung gegen Vergessen in der Demokratie, deren Vorstand Dr. Geisel ist.

Die bahnbrechenden Visionen  eines Karl Marx von einer neuen Gesellschaft, der damit verbundenen Überwindung der Klassenunterschiede seien so nicht in Erfüllung gegangen, stellte Dr. Geisel fest. Stattdessen mündete die Oktoberrevolution rasch in der Verfolgungen und Ermordung politischer Gegner. Millionen Menschen seien der Ideologie zum Opfer gefallen. „Das alles führte zu einer gewollten Abkehr vom abendländisch-christlichen Weltbild.“ Auf die historischen Fakten folgte ein Ausblick ins postkommunistische Zeitalter, indem sich immer mehr autoritäre Regierungsformen breit machten.

Die hiervon ausgehenden Gefahren für Europa kommen Dr. Geisel in der Ausstellung zu kurz.  Auch bemängelte er, dass mit Blick auf Deutschland das Zeitgeschehen in den Jahren 1918 bis 1923 zu wenig beleuchtet wurde. 

 

 

INFO

Ausstellung „Der Kommunismus in seinem Zeitalter“ im Landratsamt Ostalbkreis (Aalen), Stuttgarter Straße 41, Aalen, bis zum 3. November.

 

Plakate und Fotos der Bundesstiftung zur Aufarbeitung der SED-Diktatur unter   https://www.bundesstiftung-aufarbeitung.de/uploads/2017-ausstellung/screenversion-de-bildungsarbeit.pdf

 

Literatur zum Thema

Dr. Gerd Koenen "Die Farbe Rot - Ursprünge und Geschichte des Kommunismus" C.H. Beck Verlag München

 

Buchbesprechung:   Michail Ossorgin - Eine Straße in Moskau 

 

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Aalener Kulturjournal