Kunst & Kunsthandwerk: Marietta Kubella, Ulrike Eckstein und Marc Felten

  Wo das Krokodil mit den Diamanten tanzt

Quer durchs Restaurant im Ostertag, vorbei am DJ und plötzlich steht man vor "Hope".  Die Farbe Gelb dominiert - nicht nur bei dieser Arbeit von Marc Felten. Auch das Rot ist unübersehbar. Kräftige, leuchtende Farben, die sich wie eine Lackschicht durch ein surreales Universum schlängeln. Eines voll verstörender Bildinhalte. Bis dato immer wieder gerne mit dem mythologisierten Abbild des Stieres. Im Feltenschen Kontext als Männlichkeitssymbol schlechthin.  Im Ostertag tauscht er den Stier gegen ein alles verschlingendes (Krokodil?)Haupt auf menschlichem Korpus aus,

schreibt "Menschenrechte" ins Bild und überlässt es dem Betrachter zu beurteilen, wem der Rettungsring gilt.   Marc Felten, ein politischer Künstler. Dessen Spezialität: Ausdrucksstarke, exzessive, energiegeladene Arbeiten, die immer wieder ausgerenkte, zerstückelte, gevierteilte, entstellte, aufgebrochene, verbogene und deformierte Körper zeigen. Eine makabere Melange, die ob ihres apokalyptischen Fingerzeigs überraschend malerisch erscheint. Auf diese Art spielt  der Straßburger Künstler mit tief verborgenen Ängsten und Tabus, offenbart in eindringlicher Intensität und  Dramatik obsessive Begierde.

Ein hintergründiger und zugleich spöttischer Blick

Marc Felten digitalisiert seine Bilder, verfremdet hernach, reproduziert das Produkt auf die Leinwand, um nochmals in freier künstlerischer Kreativität zu übermalen. `Blutige´ Spuren werden eingetragen, surreale Leiber heben sich von der Leinwand ab oder es taucht, wie im Ostertag, ganz unverblümt Gevatter Tod auf, allerdings auch er samt Sense zerlegt und zu einem (hakenkreuzartigen?) Mosaik wieder zusammengesetzt.  Bisher wollte der Künstler mit seinen Arbeiten vor allem das Wesen des Menschen ergründen, seine schiere Verletzlichkeit bloßstellen. In seinen neueren Arbeiten

nimmt er zu politischen Geschehen Stellung. Bisweilen mit einem spöttischen Blick auf menschliche Befindlichkeiten und irrationalem Handeln.  Die künstlerischen Themen Marc Feltens nehmen so Bezug auf die Realität des Lebens, um zugleich Körper und Geist des Menschen zu analysieren. 

Der Übergang zu den beiden anderen Ausstellungsteilnehmern fällt nicht leicht, denn Feltens Arbeiten lassen sich nur schwerlich als rein dekorativ bezeichnen. Also Augen zu und vorbei, hin zur Mitte der kleinen Veranstaltung. In grellem Licht stehen hier Vitrinen dicht an dicht.  Hinter Glas verborgen und doch gut sichtbar feiner Schmuck: Ringe Halsketten, Ohranhänger, Broschen und und und.

"Diamonds Are a Girl's Best Friend"

Niemand Geringeres als die beiden Aalener Goldschmiedinnen Marietta Kubella und Ulrike Eckstein haben erlesenes Kunsthandwerk in die alte Tresorfabrik Ostertag gebracht. Seit Mitte der 1980er Jahren stellen die beiden findigen und kreativen Goldschmiedinnen gemeinsam aus, zeigen Traditionelles wie Innovatives. Wobei die Pretiosen aus dem Aalener SchmuckAtelier Kubella-Eckstein bei aller guten handwerklichen Verarbeitung immer modern waren. Wie einst die Ohrringe mit eingedrehtem Zelluloidstreifen oder heute eben kleines Feines aus Karbon. Wer es ganz

ausgefallen möchte, greift indes zu Schmuck aus Hochleistungskeramik. Eigentlich ein Material für höchste industrielle Anforderungen. In den Händen der beiden Schmuckdesignerinnen  wird dieses sogenannte Luxcera - zu "Diamanten", die aus tiefschwarzen heraus wie tausend Sternchen und funkeln.

Allerdings, wer Kunst und Kunsthandwerk noch sehen möchte, muss sich sputen, denn der Samstag (2. November) ist der letzte Ausstellungstag. Einer kleiner Trost: Das ganze Jahr über  gibt es Beides in der Galerie Zaiß (Aalen, Langertstraße 44) und gegenüber im SchmuckAtelier Kubella-Eckstein (Langertstraße 41).

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Aalener Kulturjournal