Ausstellung Schloss Fachsenfeld

Die Vielfalt der Süddeutschen Malerei im 19. Jahrhundert

Poetisch erzählt Claude Debussys "Petite Suite" (1889) von einem sommerlichen Ausflug in eine noch intakte naturverbundene Welt. Vitaliya Fedosenko und Katharina Senkova spielen diese Suite zu vier Händen schwärmerisch schön, nehmen mit zu einer feinen Bootsfahrt, wie sie jeder impressionistische Maler nicht hätte in Öl auf der Leinwand verewigen können.  Sanfte Musik, die zum Träumen verführt. Wie die Bilder ringsum, deren Sujets ebenfalls einer scheinbar heilen Welt entnommen sind.  Im Fachsenfelder Schloss sind sie ausgestellt, treffend überschrieben mit "Vom Abbild zur Impression". Eine Zeitspanne von 100 Jahren ist zu sehen  - von 1818 bis etwa 1918.

Die napoleonischen Kriege sind zu Ende, die alte Welt ein Scherbenhaufen. Und die Malerei? Die habe sich im Manierismus des ausgehenden 18. Jahrhunderts "totgelaufen", erklärt Hermann Schludi, der die Kunstschau im Fachsenfelder Schloss zusammengetragen hat.  Etwas Neues musste und wollte entstehen. Im Ergebnis eine vielfältige Malerei. Paradiesische Landschaften, Dorfleben, Stadtansichten, allegorische Portraits. Bäuerliches und bürgerliches Leben, Militärbilder. Form und Farbe geben vor, wie schön doch die Vergangenheit gewesen sei. Anzuschauen auf 400 Quadratmetern. Übrigens Kunst, wie sie bis Ende des 20. Jahrhunderts die gute Stube der Bürger zierte, danach im besten Falle in die Abstellkammer wanderte. Oder zu privaten Sammlern. Von zwei Sammlerehepaaren stammen die 130 Bilder, die thematisch geordnet 70 teils höchst unterschiedlich arbeitende Künstler präsentieren und zugleich für eine nahezu unermessliche Vielfalt in der süddeutschen Malerei des 19. Jahrhunderts stehen .

Der Vorsitzende der Stiftung Schloss Fachsenfeld, Aalens Oberbürgermeister Thilo Rentschler, nutzte bei seiner Begrüßung die Gelegenheit, um Schloss Fachsenfeld zum stabilen Hort regionaler Kunst und Aalen zum kulturellen Motor Ostwürttembergs zu erklären. Die Bilder thematisierten den großen sozialen und wirtschaftlichen Umbruch des 19. Jahrhunderts. "Dieser Wandel brachte die Eisenbahn und Industrie nach Aalen. Die Firma Palm wurde 1872 in Unterkochen gegründet, Wasseralfingen entpuppte sich als industrielle Boomtown." Nicht verhehlen wollte Aalens OB, dass sich dieser Wandel heute als Umstrukturierung der Industrie wiederhole.

Vernissageredner Hermann Schludi gab erhellende Einblicke in längst vergangene Zeiten, die nicht ganz so heil waren, wie sie angesichts aktueller gesellschaftlicher und ökologischer Herausforderungen erscheinen mögen. Die Bilderschau erweist sich übrigens als Fortsetzung der letztjährigen Spitzweg-Ausstellung, der kritischen Betrachtung der Biedermeierzeit. Heuer im Fokus der Übergang von der bäuerlich zur industriell geprägten Gesellschaft. Nach der inneren wie äußeren Zerstörung überlieferter Lebenswelten im Gefolge der napoleonischen Kriege suchte sich auch die Kunst neue Wege.

Anfangs begnügte sie sich noch mit der realistischen Wiedergabe der Natur, im nächsten Schritt fand sich die Wirklichkeit als individueller Eindruck des Künstlers auf der Leinwand wieder. Maurice Ravel greift in seiner 1908 entstandenen "Rhapsodie espagnole" die impressionistische Weltsicht auf, von Vitaliya Fedosenko und Katharina Senkova eindrücklich am Klavier wiedergegeben.

 

Hier geht es zur Vernissagerede von  Hermann Schludi: "Die Vielfalt der Süddeutschen Malerei im 19. Jahrhundert".

Die Ausstellung ist bis zum 8. September 2019 zu sehen.
Weitere Infos unter www.schlossfachsenfeld.de
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Aalener Kulturjournal