Ausstellung in der Museumsgalerie Wasseralfingen

Unter Krokodile in der Kunst und im Alltag

(KH) Was machen Krokodile in der Kunst? Oder mit der Kunst? Im Wasseralfinger Bürgerhaus sucht eine Ausstellung nach Antworten. "Unter Krokodilen in der Kunst und im Alltag" ist die Schau überschrieben. Wer eindeutig Zweideutiges darin erkennt, liegt genau richtig, denn ein allesfressendes im Sinne von zerstörendem Etwas kann sowohl zweibeiniger wie vierbeiniger Natur sein.  

Von den Comedian Harmonists stammt der Liedvers "Drum geh'n als Philosophen / wir auch nach Theben schwofen, / in die Bar zum Krokodil, / am Nil, am Nil, am Nil". In der Aalener Bahnhofstraße wohlbekannt, zumindest wer sich noch an die Kneipe "Zum Krokodil" erinnern kann. 

Allerdings zielt die von Joachim Wagenblast  zusammengestellte Kunstschau mehr gen kulturgeschichtlicher Betrachtung des Krokodils, wobei er mit so manch einem Objekt durchaus das Thema auch zoologisch verstanden wissen will. Deshalb zeigt sich manch Getier mit furchteinflößenden Drohgebärden, wie das vier Meter lange Reptil, das als menschenfressend verschrien vor hundert Jahren irgendwo am Nil geschossen wurde. Apropos: Auch das sogenannte "Kocherkrokodil" ist in der Ausstellung zu sehen, jene kleine Echse, die ein unbekannter Afrikatourist zu Kaisers Zeiten mit nach Aalen brachte.

Bekanntermaßen machen Krokodile Beute, werden aber auch schnell selbst zum begehrten Opfer. In ihren jeweiligen Lebensräumen gelten Krokodile dennoch als mythische Wesen. Bei der Ausstellungseröffnung berichtet Olaf Gersbacher davon. Der Didgeridoo-Spieler verdeutlichte, warum das Didgeridoo denn auch besser zur Ausstellung passt als das vorgenannte Comedian-Harmonist-Lied. Die australischen Ureinwohner hätten dem Krokodil den Namen Baru gegeben und der von ihm ausgehenden Kraft, Eleganz und Gefahr ein gleichnamiges Lied gewidmet. Ausschnitte davon spielte Gersbacher bereits bei der Vernissage. Die ganze Hymne auf Baru wird beim Didgeridoo-Konzert am 1. Juli (20 Uhr) im Bürgerhaus Wasseralfingen erklingen.

Von der Antike bis zur Gegenwart  

In westlichen Ländern spielt das Krokodil keine große Rolle. Eigentlich. Doch ein bisschen Statussymbol darf denn schon sein, beispielsweise als kleine Stickerei auf Poloshirts - Stichwort Lacoste. Joachim Wagenblast weiß dennoch von Schlimmerem zu berichten. In immer mehr Zuchtanlagen vegetierten Krokodile in Massentierhaltung dahin, da die Modeindustrie nach den Häuten und sogenannte Gourmets nach dem Fleisch verlangten. Krokodile als Massenprodukt wie Huhn und Schwein.

Wie von Kurator Wagenblast nicht anders zu erwarten füllt er kenntnis- und detailreich die Ausstellung mit Objekten aus erstaunlichen 2000 Jahren. Römische Münzen, ägyptische Relikte, Kultgegenstände der Majas, alte Elfenbeinschnitzereien und ein 300 Jahre altes Bronze-Krokodil aus dem einstigen Königreich Benin. Nicht zu vergessen eine Abhandlung samt Zeichnung aus dem Mittelalter, ein Glasbild von Helmut Schuster (1984) und von Helmut Newton eine Fotomontage, in dem eine Krokodil eine selbstverständlich nackte Frau verschlingt.

Blecherne Krokomenschen krabbeln durch die Ausstellungsräume, während Aalens Künstler Uli Natterer bei der Eröffnung noch schnell eigene quirlig sich bewegende Kunstobjekte zum Thema vorbei bringt. An der gegenüberliegenden Wand hängt ein Bild von Lovis Corinth sowie eine Zeichnung aus dem Skizzenbuch von Filmregisseur Fritz Lang. An Lacoste (siehe Statussymbol) kommt niemand vorbei, auch nicht, vor allem Kinder, an Steiffs samtiger Interpretation des Krokodils. Überhaupt hat Wagenblast an die jungen Ausstellungsbesucher gedacht, denn das Kroko in allen Spielzeugvariationen bevölkert das Bürgerhaus, mal aus Plastik zum Aufblasen, mal als ratterndes Metallspielzeug oder einfach als gläserner Christbaumschmuck.

 

Reptiloiden sind auch dabei

Und er darf bei so einer Ausstellung nicht fehlen: Andreas Welzenbach. Der Spezialist unter den regionalen Künstlern, der seinem Dauerzyklus "Kleine Katastrophen" erneut alle Ehre macht, kann man sich doch bei einem Objekt - garantiert schmerzhaft - in die Hand beißen lassen. In einem anderen wird das Kroko zum Urnenbehälter, wobei das Feuerzeug zur Verbrennung gleich mitgeliefert wird. Mindestens so makaber wie die Wirklichkeit in Sachen Vier-Meter-Krokodil, das ja tatsächlich Menschen verschlungen haben soll.

 

Übrigens ist die Ausstellung - aller Mensch-Kroko-Darstellungen zum Trotz - eindeutig nichts für Verschwörungstheoretiker, die bekanntlich gerne von Reptiloiden fantasieren. Obschon Wagenblast manch ein seltsames Mensch-Tier-Wesen zur Schau stellt. Dennoch bleibt er auf dem Boden aktueller und historischer Tatsachen, führt mit den sorgsam zusammengetragenen Objekten aufschlussreich durch Jahrhunderte, zu Sagen und Mythen, zu Drachentötern und Miniaturen aus Kabinetten adeliger Sammler. Jugendstil, Art Deco und Expressionismus - alles findet sich in unterschiedlichster Ausführung, "Kasperle und das Krokodil" ebenso wie ein Aquarell Sieger 

Köders. Nicht zu vergessen, das "Krokomobil" der baden-württembergischen Bereitschaftspolizei und eine tonnenschwere Kroko-Sandsteinfigur aus der Zeit des Barocks auf dem Freigelände vor dem Bürgerhaus.

Wie bei der vorjährigen Ausstellung "S´Ländle" wagt Joachim Wagenblast - nach dem nicht immer opportunen Blick auf Heimat - nun eine sehenswerte Kunstschau, die erneut über herkömmliche Begrifflichkeiten weit hinausgeht, um so unterschiedlichste Sparten unter einen Hut zu bringen, um Objekte auch jenseits von Kunst 

und politischer Korrektheit zu zeigen. Was angesichts der Fülle und so manch eines bemerkenswerten Stückes vielerlei interessante Denk- und Spielräume ermöglicht.

Nicht zu vergessen: Dank eben dieses Tieres, "das bei den Menschen unterschiedlichste Gefühle auslöst, von Abscheu bis Furcht bis zu Respekt und Faszination", wie der Kurator umschreibt, ist der Wagenblast von der besonderen Beziehung, zwischen Mensch und Krokodil überzeugt. Den Beweis dafür belegten tatsächlich viele der ausgestellten Objekte und Kunstwerke.

INFO

Unter Krokodilen

Museumsgalerie im Bürgerhaus Wasseralfingen

Stefansplatz 5

73433 Wasseralfingen

Öffnungszeit

Freitag, Samstag, Sonntag und an Feiertagen

jeweils von 14 bis 18 Uhr sowie nach Vereinbarung

 

Näheres unter 07361-9791-0 oder rathaus.wasseralfingen@aalen.de

www.museum-aalen.de

 

 

Begleitet wird die Ausstellung von einem umfangreichen Programm.

 

Waldkrokodile

Workshop mit dem Bildhauer Thomas Putze

21.04. (10-18 Uhr)

Museumsgalerie Bürgerhaus

 

Wir malen ein riesengroßes Krokodil und auch kleine

Malerlebnis für Kinder mit Simon Dittrich

05.05. (14-17 Uhr)

Museumsgalerie Bürgerhaus

 

Kroko-Harry und das Fritzle

Mit dem Wilhelma Tierpfleger Harald Aberle und dem Maskottchen des VfB Stuttgart

Museumsgalerie Bürgerhaus

03.06. (14.30 Uhr), Bürgerhaus (Bürgersaal)

 

Kroko im Zauberwald

Kasperletheater (ab 3 Jahre)

Mit dem 1. Ulmer Kasperletheater

29.07. (11-14 Uhr)

Bürgerhaus (Bürgersaal)

 

Didgeridoo - Gesprächskonzert

Olaf Gersbacher, Stuttgart

01.07. (20 Uhr) Bürgerhaus (Bürgersaal)

 

Kocherkrokodile

Wie aus altem Plastik ein schwimmendes Tier wird. Ein Workshop mit dem Bildhauer Andreas Welzenbach

28.07. (13-17 Uhr)

Museumsgalerie Bürgerhaus

 

 

 

 

 

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Aalener Kulturjournal