Kleinkunst-Treff:  Beckmann & Griess

Die Sache mit der Terz

Musikern liegt sie am Herzen, den  Zuhörern ist sie meist schnuppe:  die Terz. Die Essener Timm Beckmann (Klavier) und Markus Griess (Gitarre) hoben am Donnerstagabend in der Stadthalle die große wie die kleine Terz auf ihr Schild. Sie verstehen sich als Musikkabarettisten, sind aber eher Comedians. Eben diesem Portfolio entspringt deren Fabulierlust. Die Bälle werfen sie sich immer wieder gegenseitig zu, wobei Beckmann meist der Werfer und Griess der Fänger ist. Um Gott und die Welt geht es und um viel Musik. Das Duo zieht feine wie grobe Fäden zwischen Rock und Klassik, ohne dem allgegenwärtigen Crossover in die Hände zu spielen. Kein jazziger Play Bach, kein kammermusikalischer "Stairway to Heaven".  Dafür verschnüren die Beiden leichthändig scheinbar Unvereinbares in harmonische Melodien, wie es eigentlich nur André Rieu zusteht.

Doch Meister der Terz fänden sich überall, meint das Duo ernsthaft. Erfinder sei der Kuckuck mit dem unermüdlichen Kuckucksintervall, dem auch Menscheneltern frönen, wenn sie ihre Sprösslinge rufen: Le-on, Ke-vin und wie all diese sonst heißen mögen. Die Sache mit der Hitler-Mama, die nach Ad-olf schreit, soll witzig sein. Kommt aber nicht so recht an. Diese Art von Humor blieb indes auf dem unteren Level, eher vorhersehbar als überraschend. Vergleichbar die  Musik. Das Spiel mit Klischees bei den Nationalhymnen ist nett, klingt bei Beckmann und Griess auch gut, doch nicht neu. Die Idee haben schon andere ausgeweidet. Dabei geht es immer wieder um die Berührungspunkte, um die Harmonien in Klassik und Rock. Entsprechend fließt Bizets "Habañera“ unverhofft in Hans Albers „La Paloma“. Ebenfalls gut inszeniert das Duo Chatschaturjans „Säbeltanz“. Bereits seit den 1960ern von Jazz und Rock okkupiert, bedarf es nur weniger Gitarrenriffs, um Led Zeppelins „Whole lotta love“ daraus hervorzuzaubern. So auch die anderen populären Melodien aus Klassik, Rock und Film. Mozart, Beethoven und Tschaikowsky auf der einen Seite, Pink Floyd und Queen auf der anderen. Die Kompositionen berühren sich immer in Harmonie und Melodie, dazu transparente Übergänge, gekonnt arrangiert. Das kommt an.

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Aalener Kulturjournal