Lady Rose Watson´s Black Gospel Angels

"We´ve come to bring you joy, peace and love!"

(KH) Alle Jahre wieder laden Gospel-Interpreten zum Konzert in die Aalener Stadthalle. Musik mal traditionell, mal modern, aber immer in einem Rhythmus, bei dem man einfach mit muss! Gospel, das sind nicht einfach nur christliche Lieder. Gospel ist auch eine Lebensgefühl, eines für Körper und Geist (siehe entsprechende Beiträge auf youtube). Aalenes Gospelfans erinnern sich sicherlich gerne an die legendären "Golden Gospel Singers", an die "Gospel People", den "Soveto Gospel Chor" oder auch an "Joy of Gospel", den Chor von der Ostalb. 

Vor allem zwei unterschiedliche Gründe führen Sänger und Chöre zum Gospel: Die einen beanspruchen eine unmittelbare Beziehung zum Gottesdienst, wie ihn Black-Church-Gemeinden pflegen, die anderen lassen sich von der Musik inspirieren, ohne religiösen Ritus Drumherum. 

Nun wurde die Variation der Chöre in der Aalener Stadthalle um eine weitere ergänzt: Um die "Black Gospel Angels", die sich eindeutig in die Kategorie Religiös einfügen, hat doch deren Show den Gottesdienst als Vorbild. Nicht so intensiv wie bei den "Golden Gospel Singers", aber dennoch unüberhör- wie unübersehbar.

Zum 30. gratulierten die Obamas  

Sie singen nicht nur Gospels, sie wollen sie auch leben, geben die fünf Sängerinnen unumwunden zu verstehen. Und was sie damit meinen, offenbaren die "Black Gospel Angels" in der Aalener Stadthalle mit einem zweistündigen Programm, das tatsächlich einem Gottesdienst der Black Church entlehnt sein könnte, zum Besten. Seit 33 Jahren tourt die berühmte Truppe durch die Alte Welt, um mit ihrem Gesang die Botschaft von Jesus Christus zu verkünden. Übrigens seit drei Jahren mit ausdrücklicher Segnung von Michelle und Barack Obama, damals noch US-amerikanisches Präsidentenehepaar.

Violettfarbene bodenlange Kleider, goldener Schal um den Hals - so treten vier Sänger nach vorne. In der Mitte zwischen ihnen: Lady Rose Watson, gekleidet als güldener Engel. Gefühlsbetont stimmen sie das erste Gospel an. Keines der bekannten, aber ansprechend.  Weitere folgen  mal verhalten und gediegen, mal kraftvoll und dynamisch. Dieser stete Wechsel zwischen langsamen und schnellen Liedern sorgt für Euphorie beim Publikum, im weiteren Verlauf auf der Bühne gar für Ekstase. Wobei sich immer wieder die Frage auftut: Musik-Event oder Gottesdienst?

Erstklassiger Gesang

Für die "Black Gospel Angels" ist die Antwort klar, ihr Gospel-Konzert soll nicht nur musikalisch, sondern auch missionarisch überzeugen. Mit einem Liedgut, das offensiv dem Lobpreis Gottes dient. Ein höchst rhythmisches Mittel zum Zweck, um traditionelle wie moderne Spirituals und Gospels zu interpretieren, überwiegend religiös eingefärbte Texte, eingebettet in überlieferte Melodien, teils aber auch im Stile des amerikanischen Schlagers der 1950er beziehungsweise 1970er Jahre. Aber nicht nur, denn einigen stehen in bluesiger, manchmal jazziger Verpflichtung, die von einem groovenden Bass-Solo aufgepuscht und von der Sängerinnen Refrain "Jesus loves me" andächtig abgerundet werden. 

Apropos, das Anfang des 20. Jahrhunderts erstmals notierte "Kumbaya" (kreolisch für "Komm hier her"), vor allem durch die Interpretation von Joan Baez bekannt, einem einfach gehaltenen Appell an Gott, zu kommen und zu helfen, fassen die "Black Gospel Angels" gar in Reggae ähnlichen Rhythmen. Gesungen von "Queen Yahna", die als leidenschaftliche Anhängerin von Mahalia Jackson stimmgewaltig und unvergleichbar soulig weitere Jackson-Songs vorträgt. Aufbrausender Zwischenbeifall ist der in Berlin lebenden Sängerin, denn auch gewiss, ganz gleich ob sie die Tonleiter hinab oder hinaufsteigt. 

Alles zu Ehren Gottes

Beim Konzert dominiert modernes Repertoire, das sich nahtlos in die schon seit einigen Jahren propagierte "other side of Gospel" einfügt und als furioses Feuer­werk aus religiöser Lei­denschaft, seliger Euphorie und planmäßigem Showbusiness daherkommt. Entsprechend perfekt inszeniert die Bühnenshow der Frontfrau Lady Rose Watson, die ihre kleine Sängerschar und die Live-Band fest im Griff hat. Deutlich sichtbar deren professionelle Bühnenpräsenz, eingeschlossen Choreografie, Lichttechnik und Gesang. Selbst der immer wieder gen Himmel erhobene Fingerzeig passt stimmig ins Bild. 

Auch wenn bekannte Traditionals sich zeitgemäßen Stücken aus dem Liederbuch der African-American-Spiritual-Music unterordnen müssen, so begeistern dennoch vor allem die populären Gospels. Wobei die "Black Gospel Angels" ihre Zuhörer immer wieder an der Hand nehmen, um mit ihnen gemeinsam zu singen und zu klatschen. Alles zu Ehren Gottes, und wie es in amerikanischen Gottesdiensten üblich zu sein scheint. In der Stadthalle wird daraus ein wenig Volksmission, was der Begeisterung freilich keinen Abbruch tut.

 

Live-Band sorgt für Groove

Im Gegenteil! Ob bei "He's got the whole world in His hand", "Go tell it on the mountain" oder auch bei "Hey Man" - das Publikum wird regelrecht von den Stühlen gerissen, singt mit, wiegt sich im Rhythmus. "Jesus Loves you", ruft´s hymnisch in die Menge. Sängerin Chiquita Cross wischt sich eine Träne aus dem Gesicht und alle stimmen ein fröhliches "Oh happy day" an.

So emphatisch preisen die "Black Gospel Angels" den „Herrn“, danken für Lebensfreude und Gottvertrauen. 

Das mutet ursprünglich an, vital und mit einer für europäisches Empfinden geradezu treuherzigen Naivität. „Swing low, sweet Chariot“ - solch Gotteslob kommt dennoch an, wobei die fünf „Angels“ das Liederbuch der modernen Spirituals wie ein vielstimmiger Chor zelebrieren, sich von Drums, Bass und Piano begleiten lassen. Eine erfolgreiche Methode, um ihr „Praise the Lord“ zeitgemäß rhythmisch kraftvoll, dynamisch und manchmal gar in schweißtreibendem Tempo zu verkünden. Welches Gospel am Schluss steht? Gefühlt gibt es kein Ende, auch wenn das "Halleluja" einen Schlusspunkt unter die "Black Gospel Angels"-Show setzt.

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Aalener Kulturjournal