Oberkochen: Jazz im Rathaus

Unterwegs mit Brian Augers Oblivion Express

Es scheint so, als müsse Oberkochens Reinhold Hirth nur mal kurz zum Telefon greifen, schon versprechen Musikgrößen das eine oder andere Konzert. So auch bei Brian Augers „Oblivion Express“. Die Musiker kommen eigens aus Kalifornien geflogen, vielleicht auch der guten Erinnerung an Oberkochen wegen, denn das letzte Konzert liegt gerademal sieben Jahre zurück.  Ausverkauft auch diesmal der Bürgersaal, obwohl sich - zugegebenermaßen - eine Musik angekündigt hat, deren beste Zeit längst vorüber scheint. Dafür versprechen zwei altgediente Musiker erstklassigen Sound und  musikalische Finesse: Brian Auger und Ex-Santana-Vocalist Alex Ligertwood.

Gemeinsam mit  Karma Auger (Schlagzeug) und Andreas Geck (Bass) führen sie mühelos zurück in musikalische Vergangenheit, zelebrieren eher kontemplativ leicht angehauchten Jazz, einen mit rockiger Note, aber ohne die Aufgeregtheit von einst. Dafür mit dem wohligen Timbre eines mehrstimmigen Spiels, für dessen Klang eine Hammond-B3-Orgel sorgt. Ein satter Sound, der mit dem groovenden Bass verschmilzt, fein ziselierte Klangschichten und freie Assoziationsräume ermöglicht. Alles ohne aufdringliche Effekthascherei!

Jazz im Rathaus

Allerdings zeigt sich, bei Brian Auger und seiner Band "Oblivion Express"  nimmt niemand den "A-Train" gen „Sophisticated Lady“. Auger nutzt lieber virtuos die warme Klangfarbe der B3, begeistert so seine Zuhörerschaft. Gut behütet sitzt diese im Bürgersaal an Tischchen. Nur wenige wagen leider ein Tänzchen.

Oberkochens Reinhold Hirth erinnert an das alte Format "Jazz im Rathaus", eine der ersten Jazz-Veranstaltungen in der Region und seiner Aussage nach Kristallisationspunkt für zahlreiche nachfolgende Musikevents in den Nachbarstädten. Die "Jazz-Lights" seien beispielsweise daraus hervorgegangen. Nachdem die sich selbstständig gemacht haben,  scheint es in Oberkochen nun wieder Platz für neues Bewährtes zu geben oder wie Brian Auger es griffig fragend umschreibt: "Are you fertig for Music?"

Im Bürgersaal erntet er dafür stürmischen Applaus, zumal seine Musik zu fast vergessenen Erinnerungen führt. Schuld daran ist freilich der Organist selbst, denn mit seiner Hammond kommt unterschwellig auch der Sound seiner Orgelkollegen Jenn Hensley (Uriah Heep) und Jon Lord ( Deep Purple) sowie  Klaus Wunderlichs "Hammond-Feuerwerk" zurück.

Mal sitzend, mal stehend bedient Auger die zwei Manuale, liefert mit dem Swell Percussionklänge, mit dem Great Jethro-Tull-gleiche Pfeiftöne. Da bricht der Jazz-Fusion-Organist aus ihm heraus, da offenbaren sich seine Jazz-, Soul-, Funk-Wurzeln. Insbesondere in den Instrumentals. Mischt sich hingegen Alex Ligertwood mit ein, dämpft Auger seine B3, macht Platz für die Stimme Santanas. Doch nicht nur, denn  Ligertwood versteht sich auch darauf, mit der Rhythmusgitarre den souligen Sound der Orgel mit einem härteren, rockigeren Kontra zu parieren. Schönes, klang- wie stimmgewaltiges Beispiel  „Sundown“. Solch ein  Sonnenuntergang darf denn auch sicher als gutes Zeichen für Oberkochens weitere "Jazz im Rathaus"-Konzerte interpretiert werden.

 

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Aalener Kulturjournal