Cacao-Chocoladen-Fabrik Carl Bader

Als Aalen noch nach Schokolade roch

Seit Juliette Binoche in dem Film "Chocolat" als Vianne das verschlafene französische Städtchen Lansquenet-sous-Tannes nicht nur mit ihrer Chocolaterie in Aufruhr brachte, ist klar, mit Schokoladenspezialitäten lassen sich Menschen von Verbitterung und moralischer Rigidität befreien.

 Die sympathische Fabel über die Wirkung von Schokolade war Carl Bader nicht bekannt, doch sicherlich wusste er von der magischen Kraft der süßen Verlockung und von der damit verbundenen Frage, ob solch Süßes Sünde sein kann.

Wenn es um die zarteste Versuchung geht, sicherlich nicht, zumal jetzt an Ostern.  Schon vor hundert Jahren sorgte der Aalener Carl Bader in seiner „Cacao-Chocoladen-Fabrik“ für leckere Osterhasen. Doch das ist lange her und auch die Schokoladenfabrik gibt es schon lange nicht mehr. Wer heute dennoch einen waschechten Osterhasen aus der Aalener Bucht will, der ist auf jene Konditorei angewiesen, die noch handgefertigte Schokohasen herstellen.

Soweit das Auge reicht, Säcke voller Kakaobohnen. Arbeiter schleppen sie zur Mühle, zermahlen sie zu Pulver und dann beginnt das geheimnisvolle Schokoladeherstellen. Carl Bader, in dunklem Anzug und weißem Stehkragen, prüft regelmäßig die Qualität der angelieferten Ware, denn was in seiner Fabrik daraus gemacht wird, nennt er stolz feinste „Dessert-Chocolade“.

Seit 1866 produziert er sie in seiner Cacao-Chocoladen-Fabrik im Nördlichen Stadtgraben. Die Produktion der zartesten Versuchung hat bei Carl Bader allerdings wenig mit jener verführerischen Romantik zu tun, wie sie Lasse Hallström in seinem Film „Chocolat“ zelebriert. Ganz im Gegenteil, hart mussten seine Leute ran, schließlich galt es rund durchs Jahr in „modernster Massenproduktion“ Weihnachts- und Osterartikel herzustellen.

 

"Nur Gutes und das Gute schön" - Carl Baders Werbeslogan

Unterstützt wurden die Arbeiter dabei von fortschrittlicher „Dampf- und Wasserkraft von 60 Pferdestärke“, wie Carl Bader einst in der Zeitung pries.

Beim Nördlichen Stadtgraben herrschte vorletztes Jahrhundert noch reges Handwerker- und Manufakturleben, denn der Kocher lieferte die nötige Kraft für die Maschinen, die so manchem Wohlstand bescherten, frei Haus. Wie eben dem Schokoladefabrikanten Bader, der sich 1902 eine Villa neben seiner Fabrik leisten konnte.

Das ist allerdings längst Vergangenheit und die letzten Überbleibsel der Baderschen Cacao-Chocoladen-Fabrik mussten in der zweiten Hälfte des vergangenen Jahrhunderts dem Kaufhaus "Orion" und vor Jahren samt Patriarchen-Villa dem Einkaufszentrum "Mercatura" weichen. 

So manche Aalener erinnern sich dennoch gerne an diese Zeit. Vor allem wenn der Wind von der Fabrik herüber wehte, roch es in der ganzen Stadt nach Schokolade. Auch Aalens Konditoren schätzten den kurzen Weg und holten sich bei Carl Bader die „Couverture“, aus denen sie eigene Osterhasen gossen.

Während die Schokoladeproduktion längst industrielle Dimensionen erreicht hat, gießen (gute) Konditoren noch immer ihre Hasen wie zu Carl Baders Zeiten von Hand und in bester Qualität. Glanz müsse gute Kuvertüre haben, knackig sein und himmlisch im Geschmack, so die Ostalb-Konditoren, die beteuern, dass sie auf jegliches Billigfett verzichten. „Palmfett im Schmelz? Bei uns nicht!“ Dafür lege man großen Wert auf beste Zutaten. Nur Kakaobutter und Zucker gehöre in einen guten Osterhasen, dessen Schokolade ausschließlich durch Conchieren, dem mechanischen Bearbeiten, verfeinert werde. Selbstredend, dass der so entstehende verführerische Schmelz denn auch von Hand in die Hasenform gegossen wird. Fast so, wie zu Zeiten Baderscher „Figurierter Chocolade“.

Fotos: Privat

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Aalener Kulturjournal