Trio Rosenrot

Es fiel ein Reif

(KH) Auf dem Booklet zwei Männer und eine Frau, die Landschaft verliert sich im Nebel. Einsamkeit kommt in den Sinn, sicherlich auch Melancholie. In kleiner Schrift ist am obigen Rand "Es fiel ein Reif" zu lesen. Ein von Mendelssohn-Bartholdy vertontes Lied, dessen Text aus der Feder des Volksliedsammlers Florentin von Zuccalmaglio (1803–1869) stammt.

"Es fiel ein Reif in der Frühlingsnacht" - mit leiser zurückhaltender Stimme singt Dana Hoffmann das unvergängliche Lied über Jugend und Liebe, argwöhnisch beäugt von den Erwachsenen. Der Jüngling und das Mädchen müssen sich den Gepflogenheiten einer rigiden Zeit unterwerfen.  Die Liebenden fliehen. Doch: "Sie haben gehabt weder Glück noch Stern“. Behutsam mit der Gitarre gezupfte Melancholie.

Mit 14 Liedern führt das "Trio Rosenrot" auf ihrer neuen CD in längst vergangene Zeiten (oder nur vergangen geglaubte?). "Rosenrot". Manch einer wird da hellhörig, konzertierte doch das Ensemble im letzten Frühjahr in der Aalener Stadthalle im Rahmen der Schubart-Literaturpreisverleihung. Dana Hoffmann (Sopran), Hub Hildenbrand (Gitarre) und Denis Stilke (Schlagzeug) widmen sich auf ihrer CD Liedern, die sicher vielen vom Titel her  in Erinnerung sein dürften, allerdings längst nicht mehr im Rundfunk zu hören sind. Nicht zuletzt, da sie unter dem Verdikt "Volkslied" stehen. Statt hinzuhören, regieren Vorurteile. Zu Unrecht, denn was das Trio auf seiner CD aufnimmt, erweist sich als höchst hörenswert. 

Kreativ -  romantisch -  zeitlos

Angemerkt sei: "Rosenrots" Musik ist weder Musikantenstadl noch zeitgeistiges Jazzen á la Play Bach. Vielmehr hauchen die drei Musiker den alten Weisen einen vernehmbar modernen Odem ein, wenn sie von romantischen Lebensthemen singen.

Ein gewagtes Unterfangen, welches Gewohntes aufbricht, inhaltlich kulturelle und gesellschaftliche Gegebenheiten der Vergangenheit spiegelt, die dennoch partiell auf die Gegenwart übertragen werden können.  

Gleichwohl - moderne Arrangements und deutsches Volkslied pflegen ein brüchiges Verhältnis, während Traditionals und Folk anderer Länder gerne gehört werden. So standen denn auch "Rosenrot" im Frühjahr lediglich vor einem kleinen Kreis an Musikfreunden. Die bekamen dafür erlesene Musik zu Gehör. Bemerkenswerte Lieder mit Tiefgang und hohem musikalischen Profil, exzellent interpretiert, gesungen und gespielt.

Alte Lieder neu gehört, denen der nötigen Respekt vor dem Original nicht abhanden gekommen ist. Genau das belegt das Trio mit der CD "Es fiel ein Reif" erneut, beweisen die Drei doch abermals sprühende Kreativität, ein unvermeidliches Quäntchen Romantik und die Fähigkeit zeitlose Überlieferungen zeitgemäß zu interpretieren. So gelingt es, ein intimes Timbre zu entfalten, ein lyrisches, das mit viel Verve für ein außergewöhnliches Hörerlebnis sorgt. Insbesondere da das Trio tradierte Volksweisen in ein fabelhaftes Idiom überträgt, den Schöngesang der Sopranistin mit raffiniert unterlegten Melodien serviert.

So dargeboten entpuppen sich die als "altväterlich" in Verruf gekommenen "Traditionals" als gelungene Neuinterpretationen, deren überlieferter Lebensbezug auch in der Gegenwart seine Bedeutung bewahrt. Das gilt sowohl für Friedrich Silchers "Lorelei" Vertonung - Hub Hildebrand gibt seinem Arrangement dominantes Schlagwerk mit auf den Weg, dramatisiert musikalisch so den Text -  ebenso wie für Zuccalmaglios "Kein schöner Land". 

"Rosenrots" Musik begeistert

Wer sich mit den neu vertonten alten Liedern nicht anfreunden kann, sollte in das Traditional "Thoughts are still free" hineinhören. Denis Stilke sorgt mit den Drums für einen aufschlussreichen Weckruf, packt einen Rhythmus hinein, der mitnimmt. Sei es beim pulsierende Schlag auf die Pauke oder beim impulsiven Schlagzeugsolo. Und wer dann immer noch nicht weiß, um was es geht, den führt Dana Hoffmann auf den richtigen Weg:   

"Die Gedanken sind frei, wer kann sie erraten, sie fliehen vorbei, wie nächtliche Schatten. Kein Mensch kann sie wissen, kein Jäger erschießen. Es bleibet dabei:
Die Gedanken sind frei."

Hoffmann von Fallersleben Version von "Die Gedanken sind frei". Das "Trio Rosenrot" zieht mit dem Lied einen roten Faden, der bis in die Philosophie der Antike reicht, im Mittelalter sich als "Freidank" wiederfindet  und die Walther von der Vogelweide mit "Noch sint iedoch gedanke frî".  Aktuell wie eh und je.  Selbst wenn danach "Rosenrot" Friedrich Rückerts "Ich bin der Welt abhanden gekommen" folgt. Auf der CD bleibt "Rosenrot" übrigens überraschend nah bei Gustav Mahlers Vertonung von 1901.

Ob nun die Gitarre Melodien in langgezogenen Akkorden spielt, der Schlagzeuger sehnsuchtsvoll die Besen über die Felle streicht und Dana Hoffmann mit getragener Stimme einer tröstlichen Melancholie vertraut - die CD des Trios begeistert mit jedem Lied mehr.

 

INFO

Trio Rosenrot

"Es fiel ein Reif"

www.triorosenrot.de

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Aalener Kulturjournal