Comedia Vocale in der Essinger Schlossscheune

"Sioa sengat so schea ond sia sengat so laut."

Zum Saisonauftakt bat die Essinger Kulturinitiative kein famoses Streichquartett, auch kein Bläserensemble auf die Bühne der Schlossscheune, sondern Vokalisten, gleich acht Stimmakrobaten, die sich in der Tradition der Comedian Harmonists sehen. Ein gut gewählter Zeitpunkt, denn trafen sich doch die echten Vorbilder erstmals vor fast genau 90 Jahren. Für die Pioniere deutscher Popmusik der Beginn einer beispiellosen Weltkarriere.

Etwas bescheidener in der Kulturscheune. Aus dem Ostalbkreis kommt die bunt zusammengewürfelte Boygroup, die sich in Memoriam  "Comedia Vocale" nennt, vom ehemaligen Aalener Musiklehrer Norbert Locher auf Vordermann gebracht, von Pianistin Simone Häcker Brune unvergleichlich charmant am Klavier begleitet. 

Vorbildlich befrackt stehen die Sänger frohgemut im Rampenlicht, trällern mit feinsinnigem Humor über Gott und die Welt, an diesem Abend vor allem über das Verhältnis von Mann und Frau.

Ein konzertantes wie komödiantisches Vergnügen, wobei das Schwabenoktett eingesteht, ohne den Humor der Bayern und der Nonchalance der Badener zu sein. Dafür dürfen ganz nach Sebastian Blaus "Gsangverei"  Christoph Heinrich, Dirk Häcker, Klaus Angstenberger und Lothar Schwarz "von odaruff brommlat wia ausama Fass - ganz tiaf ond hohl - a Bierbrauersbass", während die Tenöre Dieter Gauss, Bernhard Schwarz, Thomas Schmidle und Werner Sturm "schpitzige Mäuler" machen, um zu klagen, dass sie "koi Schätzle meh" haben. Dabei kommt es gar nicht darauf an, welches Lied aus dem umfänglichen Repertoire der "Comedia Vocale" gerade ansteht, darf man doch schon nach dem ersten erneut mit Sebastian Blau feststellen: "Sioa sengat so schea ond sia sengat so laut."

Ein reines Vergnügen für das Essinger Publikum, zumal sich die Vokalisten auch immer wieder direkt an sie wenden. Moderieren, scherzen, singen - das macht Laune, auch weil sie sich selbst gerne gegenseitig verhohnepipeln.  Und wer sich bei diesem Liederabend immer wieder an die einstigen "Comedian Harmonists" erinnert fühlt, bekommt spätestens die Bestätigung mit "Comedian Vocales" drolligem "Wohnwagenlied", dem komischen "Ali Baba" und manch anderem skurrilen Sangesspaß. Dabei bleibt es selbstredend nicht, denn am Original führt mit "Mein Papagei frisst keine harten Eier", "Wenn die Sonja russisch tanzt" und "Lass mich Dein Badewasser schlürfen" kein Weg vorbei. Nicht zuletzt, da die Acht hierbei ihr komödiantische Potential prächtigst ausspielen können.

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Aalener Kulturjournal