Theaterring Aalen

Oper Pforzheim spielt die Zauberflöte

(vS) Ein großer Schlafsaal und jede Menge Kinder. Solange die Erzieherinnen im Raum sind, geht´s brav und gesittet zu, kaum sind die Kleinen alleine, treiben sie um, hüpfen über die Reihen weißer Eisenbetten, vergnügen sich in Kissenschlachten. Fantasievoll, heiter und doch ein wenig hintergründig - so lässt der Intendant der Pforzheimer Oper Thomas Münstermann in der Aalener Stadthalle Mozarts populäre Oper "Die Zauberflöte" beginnen. Das Publikum kennt das märchenhafte Stück aus unterschiedlichen Produktionen in der Vergangenheit. In guter Erinnerung wohl jene der Städtischen Musikschule, bei der die Kinder als Mozartkugeln gekleidet über die Bühne tanzten. 

"Die Zauberflöte", von Mozart in seinem letzten Lebensjahr 1791gemeinsam mit Emanuel Schikaneder in Wien auf die Bühne gebracht, ist bis heute die populärste aller Opern überhaupt. Dem Komponisten Mozart und dem Librettisten Schikaneder gelang ein überaus lebensfrohes Volkstheater, ein Singspiel mit existentiellen Menschheitsfragen, allem voran dem Streben nach einer humanen Welt. Übrigens: Wer gerne Verschwörungstheorien anhängt: Beide Autoren waren Freimaurer, deren Symbolik in der "Zauberflöte" allgegenwärtig ist. 

Alte Musik zwischen moderner Kulisse

Kurz zusammengefasst der Inhalt: Prinz Tamino begibt sich auf die Suche nach Pamina, in deren Bild er sich verliebt hat. Begleitet vom lebenslustigen Vogelfänger Papageno, der sich nach einem „Weibchen“ sehnt, muss Tamino Prüfungen bestehen, die den beiden im Weisheitstempel auferlegt werden. Allerlei Abenteuer stehen ihnen bevor, sie führen sowohl in das Reich der Dunkelheit zur Königin der Nacht als auch in Sarastros Sonnenreich. Dass sich am Ende alle Liebenden finden, versteht sich. Durch all die Irrungen und Wirrungen wird das ungleiche Paar begleitet von einer Kinderschar, die als Teil des Opern- Kinderchors immer wieder auch sängerisch die Handlung kommentieren.

(Liliane Friedl, Cora Frank, Swantje Schwarzien, Laurin Gallenbach, Laura Jung,  Elias Hennig). 

Ganz ohne den sonst üblichen Schnickschnack in Sachen Bühnendekoration wie bei klassischen Opernaufführungen üblich bewegen sich die Akteure zwischen mobilen Stellwänden (Thomas Mogendorf), welche die "Zauberflöten"-Welten illustrieren. Reizvolle Bilder nehmen die Zuschauer mit in die bunt gemalte Sphären der Königin der Nacht und in die kühle Geometrie von Sarastros Tempel.

Musikalisch bleibt die Badische Philharmonie Pforzheim ganz nah bei Mozart. Geradlinig, zügig, energisch, an den richtigen Stellen geschmeidig und sanft führt Dirigent Yonatan Cohen seine Musiker durch die Ouvertüre. Ein entspannter Melodienreigen durch die illustren Szenenmusiken folgt - dynamische Musik, wie sie nur aus Mozarts Feder stammen kann. Beispielhaft die lyrischen Arien von Pamina und Tamino, die dramatischen der Königin der Nacht, die erhabenen des Sarastro und die so entgegengesetzt wirkenden volkstümlichen Lieder des Papageno. 

Das Märchen vom Sieg der Liebe 

In diesem Stück erscheint alles märchenhaft: Das Miteinander der Damen und  Knaben, die Zauberflöte und das Wunderglockenspiel, dessen Glöckchenklang selbst die wildesten Löwen bändigt.  Wenig märchenhaft indes: Mozart und Schikaneder blicken illusionslos auf ihre Zeitgenossen wie auf alle Nachfolgenden: Aus dem selbstgefälligen Prinzen wird durch die ihm auferlegten Prüfungen zwar tatsächlich ein geläuterter Mensch, bei Vogelfänger Papageno verpuffen hingegen alle gut gemeinten Ratschläge. Er bleibt wie er ist. So sind eben Menschen - auch eine Botschaft! 

In diesem Stück erscheint alles märchenhaft: Das Miteinander der Damen und  Knaben, die Zauberflöte und das Wunderglockenspiel, dessen Glöckchenklang selbst die wildesten Löwen bändigt.  Wenig märchenhaft indes: Mozart und Schikaneder blicken illusionslos auf ihre Zeitgenossen wie auf alle Nachfolgenden: Aus dem selbstgefälligen Prinzen wird durch die ihm auferlegten Prüfungen zwar tatsächlich ein geläuterter Mensch, bei Vogelfänger Papageno verpuffen hingegen alle gut gemeinten Ratschläge. Er bleibt wie er ist. So sind eben Menschen - auch eine Botschaft! 

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Aalener Kulturjournal