Dodokay in der Unterkochener Festhalle

Vom Glügge a Schwob zu sai

Die Globalisierung ist vollbracht! Doch anders als gedacht, denn sie klingt unverwechselbar schwäbisch. Das behauptet zumindest Dominik Kuhn. Sein Beweis: "Dr Schwob ischd schon längschd iberall!" Und er führt glaubwürdige Zeugen an: Ex-US-Präsident Obama, Kanzlerin Merkel, Bundestagspräsident Schäuble, Jürgen Trittin, Günther Oettinger und und und. Alle schwätzed schwäbisch und werden so Teil einer weltumspannenden Sprachgemeinschaft. Nur einer bleibt außen vor: Donald Trump. Er darf nicht Teil dieser globalen Wertegemeinschaft sein, weil so Kuhn, der Donald "a Seggl is".

Apropos Dominik Kuhn.  Als Dodokay bildet die Klammer, die die Welt von Ost bis West und von Nord bis Süd zusammenhält, denn will doch der Komödiant, Menschen aus allen Herren Länder mit schwäbischer Sprache und Kultur beglücken. Um es vorwegzunehmen, politisch korrekt und genderfrei, redet doch der gemeine Schwabe im Zweifelsfalle in der dritten Person. „Könnt mol ois in Kellr ganga ond en Schbrudl hola?“ Bei Bedarf wird zur Verstärkung noch „ebba“ oder „ihr“ nachgeschoben. „Leid, was machet ihr denn do?“

Die schwäbisch globale Heimat kennt nur drei Wegmarken und die heißen Kehrwoche, Gelber Sack und Sicomatic, wobei letzterer innovativ vom Thermomix abgelöst wird, wie Dodokay verrät.

Mer send Schwaben

 

Alles zusammen genau sein Ding. Grasdackel-gleich tourt es deshalb mit seiner Comedy-Show durchs Ländle, spricht selig, was schwäbische Herzen bewegt. "Gnau mai Ding, gnau mai Ding / Mol  s´Umeglische z´ waga / Zu olla Wunder ja  z´saga / Des machd Sinn" - von wegen Helene-Fischer-Schlager, der Dodokay macht´s erst möglich! Via Videos holt er bekannte Persönlichkeiten auf die Bühne, legt ihnen das schwäbische Idiom in den Mund, banalisiert deren politische Statements zum Geschwätz von Staubsaugervertretern. Nicht aufdringlich, schließlich soll niemand "merken tun, dass  mer Schwaben send", sagt er in astreinem Honoratiorenschwäbisch, um gleich danach überaus herzhaft Alltagsszenen nachzuspielen, sie in kernigem Jargon (be)greifbar zu machen. Ob mütterlich zugewandte Arzthelferin, beißzangige Bäckereiverkäuferin, liebenswerter Inder oder kantonesisch redender Chines´ - ein höchst humorvolles Bild dieser eigentlich doch kleinen Welt entsteht. Zu der gehören auch Eigenbeschau und Sprudel-Werbung sowie all jene Clips, die den Reutlinger Comedian berühmt gemacht haben. Obama-Care steht dabei ganz oben auf der Liste. Dazu kommen noch "Die 1000 Glotzböbbel vom Dr. Mabuse“, Liebesszenen mit James Bond und vieles mehr.

Was soll das bedeuten?

 

Da muss gar der standfesteste Schwabe lachen, zumal Kuhn eingesteht, manchmal selbst über das Schwäbische verblüfft zu sein. So habe ihn einmal eine Nachbarin mit „Ah, i hau Sie arsch gar edd kennt!“ angesprochen. Überlegen musste er, was das bedeuten soll. Mit dem schwäbischen Dialekt ist das nun mal so eine Sache, weiß er und verrät, dass es der zweitunbeliebteste Dialekt sei. Dennoch lautet sein Bekenntnis „Man muss sei Schwäbisch ned verschdega.“ Das einleuchtendste Argument dafür liefert er gleich mit: „Die NSA verschdehd di beim Ablosa ned.“ Was soll ein Spitzel auch unter Gsälz verstehen? Das steht in keinem Wörterbuch!

Viele der Szenen wirken wie aus dem Leben gegriffen, weil eben Ausdruck, Mimik und Gestik unverwechselbar zum schwäbischen Dasein gehören. "Ha, no", „hano“, „ha no“ - bei Dodokay blitzt immer wieder schön der Humor des Schwabenduos Häberle und Pfleiderer hervor. Da darf „dr Grasdaggl“ nicht fehlen, aber auch nicht das Geständnis: „Schwoba send ganz arg nedde Dyba. Abr du bliggschd's ned, weil se so oi brudale Schbrache han.“ Un so ischs wirklich!

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Aalener Kulturjournal