„ensemble πk“ konzertiert am 16. November im Evangelischen Gemeindehaus

Musik am Pranger der Nazis

Klassisch oder modern, Folk oder Rap, Jazz oder  Rock - glücklicherweise kann jeder sich die Musik anhören, die ihm gefällt. Das ist nicht selbstverständlich und war es auch nie. In Diktaturen gehört die Bevormundung der Bürger zum System. Im sogenannten "Dritten Reich" bestimmten die Nazis, was gehört werden darf und was nicht.  Vor 81 Jahren gehörte Staatsrat Hans Severus Ziegler zu den nationalsozialistischen Besserwissern in allen Musikfragen. Am 24. Mai 1938 hatte er anlässlich der Düsseldorfer Reichsmusiktage sein langersehntes Ziel erreicht, Ziegler eröffnete die Ausstellung „Entartete Musik“.  Ein Wendepunkt mit einschneidenden Folgen für Musiker, Komponisten und für jedweden Musikfreund, war doch plötzlich die Musikauswahl keine Geschmackssache mehr. 

Dirigent Uwe Renz und Komponist Edgar Mann haben sich nun zusammengetan, um mit dem Aalener „ensemble πk“ (sprich: pi:k) an jene Musiker zu erinnern, deren Musik  während der Nazizeit verboten war. Als Dritte im Bunde wird Studienreferendarin (SG) Simone Kiesel mit dabei sein , deren Schüler Ton-, Bild- und Textdokumente  zusammengetragen haben.

Mit „Verfemt und unerwünscht – verbotene Musik im Dritten Reich“  hat das Trio das Konzert am 16. November im evangelischen Gemeindehaus (Aalen) überschrieben.

Damit will  das "ensemble πk" zugleich Licht in ein dunkles Kapitel der vergangenen deutschen Geschichte bringen. "Unter der Herrschaft der Nationalsozialisten erfasste deren Machtwillkür selbst die verschiedenen Genres und Gattungen der Musik. Neben atonaler Musik, Operette und Jazz wurden vor allem Kompositionen von jüdischen Musikerinnen und Musikern diffamiert und verboten", hebt Uwe Renz hervor. Die Folgen seien Berufsverbot, Verfolgung, Emigration und Ermordung gewesen.

Diesen Künstlerinnen und Künstlern soll nun mit dem Konzert wieder eine Stimme verliehen. Sie zu würdigen und an sie zu erinnern, sei das Anliegen. Um sich - wie Simone Kiesel betont - eine Vorstellung von der Zeit um 1938 zu machen, haben ihre Schüler mit viel Akribie die Exponate für die Ausstellung „Entartetete Musik“ zusammengetragen. Bei der Ausstellungseröffnung (16.11.; 18 Uhr) werden sie ihre Dokumentation erläutern.

Nazi-Chefideologe Alfred Rosenberg griff Zieglers Initiative auf und ließ unter anderem ab 1940 das Eigentum jüdischer Musiker beschlagnahmen. Wer nicht mehr fliehen konnte, wurde deportiert und ermordet. Das Konzert des „ensembles πk" ist den verfolgten und ermordeten  Komponistinnen und Komponisten gewidmet.

Stellvertretend werden Kompositionen von Hans Eisler, Paul Hindemith, Henriette Hilda Bosmans und Rudolf Karel  erklingen. Das Schicksal des tschechischen Komponisten Rudolf Karel hat es Uwe Renz besonders angetan. Er sei im Widerstand gewesen. Nach seiner Verhaftung schrieb er das "Nonett" auf Papierstückchen, die ein Wärter nach und nach aus der Haft geschmuggelt habe. "Was für eine Leistung unter diesen schrecklichen Umständen." Rudolf Karel  wurde im Februar 1945 im KZ Theresienstadt ermordet.

 

Bei seiner Gründung vor einem Jahr verzichtete das „ensemble πk" bewusst auf eine feste Zusammensetzung. "Für ein bevorstehendes Projekt holen wir die dafür passenden Musiker zusammen", erklärt Edgar Mann. 15 Musiker werden es heuer sein, acht davon spielen erstmals beim „ensemble πk".

INFO

Aalener Kulturwochen

„ensemble πk"

Konzert "Unerwünscht und verfemt" - Verbotene Musik im "3.Reich"

16. November 2019

18 Uhr: Ausstellungseröffnung

19 Uhr: Konzert

Ort

Evangelisches Gemeindehaus
Friedhofstraße 5
Aalen


Programm

Einführung durch Schüler der Kursstufe 1 des Schubart Gymnasiums Aalen  (Mariella Bork, Amelie Nemeth)

 

Hans Eisler (1898-1962)

"Nonett Nr. 2" (1940/41)

 

Paul Hindemith (1895-1963)

"Kammermusik Nr. 1" (1922)

 

Pause

 

Henriette Hilda Bosmans (1895-1952)

"Nuit calme"

aus "Impressions" (1926)

 

Rudolf Karel (1880-1945)

"Nonett" (1945)

Druckversion Druckversion | Sitemap
Aalener Kulturjournal