Open Air auf Schloss Kapfenburg

in situ 18 - nominiert !

Die Filmfestspiele in Cannes haben ihn und auch die Berlinale: den Roten Teppich. Nach 18 Jahren Festival Schloss Kapfenburg ist er endlich auch ob Lauchheim angekommen Von der Schlossmauer bis hinüber zum Torbogen ist der rote Läufer ausgelegt und so manch ein Gast nutzt die Gunst der Stunde, um sich hierauf wohl zu fühlen wie immer wieder gerne die Stars und Sternchen. Selbst vor den berüchtigten Paparazzi (VHS-Fotokurs Aalen) ist beim Stiftungsfest "in situ 18 - nominiert" niemand sicher. Zum Starfoto mit Akademiedirektor Erich Hacker bitten sie, während in der Schlossscheune bereits "berühmte" Schauspieler beim nächsten Dreh (St. Jakobus Gymnasium Abtsgmünd, Theater der Stadt Aalen) sind. 

Unterdessen gibt auf der Bühne im Schlosshof das Stuttgarter "Johnny Trouble Trio" mit "Big Moon" und "Blue Guitar" den "Lonesome Cowboy", sichtlich gut gelaunte Festivalbesucher trudeln ein. Popcorn, Kapfenburg-Bratwurst und Flammkuchen locken, Wein und Bier ebenso.  Mit Einbruch der Dämmerung steigt dann die Party der besonderen Art, denn noch bevor in den kommenden Festivaltagen Status Quo, Gianna Nannini und Co aufheizen, bietet "in situ 18" die Tradition abendlicher Serenaden. Zu hören sind gleich zwei Konzerte, die sich beide der Filmmusik widmen. Die forschen Rhythmen bleiben bis auf wenige Ausnahmen, außen vor, dafür appellieren alle anderen an die großen Gefühle der Zuhörer, wobei die Bandbreite so vielfältig wie  das Filmangebot selbst ist. 

Den Auftakt macht die "Philharmonie Merck Horns", die unter anderem mit der glorreich klingenden, indes fast elegisch gespielten "20th Century Fox Hymne" einstimmen, bevor es dann mit Einbruch der Nacht zur eigentlichen Performance des Abends geht, einem gelungenen Mix aus Musik, Show, Lichtdesign und Feuerwerk.

Zuviel des Guten? Die zurückliegenden Jahre haben gezeigt:  Es kommt auf die Akteure an! Erfolgsgarantie geben auch in diesem Jahr die Musiker der "Jungen Philharmonie Ostwürttemberg" unter der Leitung ihres Chefdirigenten Uwe Renz. Ein Orchester, das sich glänzend darauf versteht, Musik zu intonieren, die Vorstellungskraft des Publikums herauszufordern, die Phantasie mit auf die Reise zu nehmen. Niemand muss die Filme gesehen haben, deren Titelmelodie so intensiv, dicht und hochemotinal erklingt. 

"Das Kino ist die direkte Bahn in die Ohren und Herzen des Publikums und alle Komponisten sollten die Lein­wand als eine schöpferische Gelegenheit betrachten", postulierte einst Filmkomponist Erich Korngold. Seine Kollegen, die beispielsweise aus "Star Wars Main Title", "Love Theme" aus "Romeo und Julia",  "Jaws" ("Der weiße Hai") und "Goldfinger" Welthits formten, haben Korngolds Thesen unüberhörbar ernst genommen.

Wie interpretationsfähig diese Musiken zugleich sind, belegen Uwe Renz und die "Junge Philharmonie" auf exzellente Weise, indem sie vortrefflich zwischen lyrischen, leidenschaftlichen und emotionalen Klangwebereien balancieren. 

Und sie zeigen zugleich, wie und wo man perfekt i-Tüpfelchen setzt, lassen doch gleich zwei Solisten aufhorchen. Zum einen Mundharmonika-Mann Michael Hirte, der Ennio Moriccones "Spiel mir das Lied vom Tod" den dramatischen Sonnenuntergangs-Sound verleiht und ganz besonders Melanie Bayer. Laut Akademiedirektor Hacker unterbrach die Aalener Musical-Sängerin eigens für den "in situ"-Auftritt ihr derzeitiges Engagement auf dem ZDF-"Traumschiff", um das Kapfenburg-Publikum mit der tragischen Romanze  "My heart will go on" (aus "Titanic") zu betören.  

Die Kapfenburg wäre freilich nicht die Kapfenburg, würde die Musik für sich alleine stehen. Die Eröffnungsperformance erweist sich alle Jahre wieder als beispielhaftes Gesamtkunstwerk, bei dem an die Musik angedocktes Lichtdesign (Kay Möller) mit visuellen Reizen für einen enormen Emotionsschub sorgt und die Pyrotechnik (Joachim Berner, Robert Wahl) für grenzenlose Begeisterung.

 

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Aalener Kulturjournal