Festival für Alte Musik Aalen: Baroque Jam

Wenn das Barockcello zum Samba bittet

Hugs Weinkontor statt Stützels Villa, Neue  anstelle Alter Musik. Das Festival Alte Musik Aalen (FAMA) wechselte beim dritten Date den Tatort. An diesem sorgte diesmal kein Händel für Melodien aus vergangenen Jahrhunderten für Kurzweil, sondern ein nebeneinander höchst unterschiedlicher Musiken, die eigentlich nicht zusammenpassen und dennoch mit unerwarteter Harmonie überraschten. Der erste Hinweis: „Baroque Jam“, zwar keine spontane Session, doch immer wieder gelang den Musikern ein gemeinsames Spiel, bei dem Elemente der Alten und Neuen Musik zusammenkamen, um das Verbindende hervorzuheben. 

Entsprechend barock und jazzig ging es zu, wobei sich Crossover in Grenzen hielt. Es war - zumindest anfänglich - ein Abwägen von der Musik des 17. und 20. Jahrhunderts. Purcell, Strozzi, Legrenzi und Monteverdi standen Gershwin, Strayhorn, Finzi, und Jobim gegenüber. Für den  akustischen Kontrast sorgten hierbei Norbert Botschek mit dem Saxophon und Daniela Wartenberg mit dem Barockcello.

Nicht zu vergessen der Gesang. Während Sopranistin Sandra Röddiger mit heller Stimme Purcells  "One charming night / Gives more delight / Than a hundred / Than a hundred A hundred lucky days" sang, grummelte Botschek mit rauer Kehle einen jazzigen "Summertime" mit viel "Dibdib-Bibabadu". Da kommen die Gegensätze zur Geltung, da spürt man regelrecht die Reibungspunkte. Da kommen die Sänger bei der Crossover-Unternehmung tatsächlich an harmonische Grenzen. Die übrigens, instrumental gesehen nicht vorhanden zu sein scheinen, denn Cembalo, Cello, Laute, Saxophon und Gitarre meistern mühelos die Jahrhunderte. Beredtes Beispiel: Antonio Carlos Jobims "One Note Samba". Zum Tanzen schön!

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Aalener Kulturjournal