FAMA - Festival für Alte Musik Aalen

Neues Sommerfestival beginnt mit "Hot Love - High Voices"  

Seit drei Jahren findet in der Aalener Villa Stützel (Ulmerstraße 16) ein besonderes Kulturprogramm statt, welches sich überwiegend der Alten Musik widmet. Erfolgreich, da ist selbstredend der Schritt zu einem kleinen, aber feinen Festival nicht weit. Kein musikalisches Allerweltsgezirpe soll es sein, sondern ein einwöchiges, kompaktes Musikfest mit Niveau.

Am Sonntagabend gab es einen vielversprechenden Auftakt mit dem Ensemble "Lux et Umbrae" und den beiden Sopranisten Annette Fischer und Dr. Robert Crowe. "Weiblicher und männlicher Sopran im süßesten Kampf um die Oberstimme/Oberhand in der Musik wie in der Liebe", umschreiben die beiden Veranstalter Dr. Sandra Röddiger und Dr. Ralf Kurek den musikalischen Schlagabtausch in Sachen Liebe. Und es gibt noch ein i-Tüpfelchen an diesem Abend: Musikwissenschaftlerin Alisha Czerlinsky macht kompetent nicht nur Sinn und Wesen dieser Musik verständlich, sondern auch den Unterschied zwischen  männlichem und weiblichem Sopran (siehe Alisha Czerlinskys Erläuterungen)

Ein warmer Sommerabend. Die Terrassentüren stehen weit offen, ein leichter, kühler Windhauch weht vom Park in den Salon. "Ich bete an die Macht der Liebe", kommt in den Sinn, denn mit viel Wohlwollen ließe sich Gerhard Tersteegens Hymne inhaltlich wie zeitlich noch annehmen. Aber es sollte nicht um pietistische Kirchenlieder, sondern vornehmlich um Lieder aus den großen Barockopern gehen. Deshalb begann der Abend mit dem anmutigen Duett "Dunque mio bene". So etwas wie "Also meine Liebe!"

Welch schönes Bild bot sich dazu! Da sitzen gut gelaunte Menschen im Halbkreis um die Künstler, freuen sich, auf eine schöne Musik, die in extenso versprochen wurde - mit verheißungsvollem Untertitel: "Hot Love - High Voices". Kann es an einem warmen Sommerabend Schöneres geben? Sicher nicht, denn was im großen Salon der Aalener Villa Stützel zusammenkommt, ergänzt sich auf ideale Weise, hochherzige Musik des Barocks, zwei exzellente Musiker - die inzwischen in Aalen gut bekannte Daniela Wartenberg (Barock Cello) und Michael Eberth, der so blendend das Cembalo bedient - und zwei Sänger, die sich vortrefflich auf die Liebesromanzen des 17. und 18. Jahrhunderts verstehen.

Doch nicht nur, schließlich greifen die Beiden auf  einen damals vorherrschenden Hype zurück, bei extrem hohen Opernstimmen in Verzückung zu geraten. Erstaunlich, aber gut verständlich für all diejenigen, die in der Villa Stützel dem Gesang von Annette Fischer und Robert Crowe lauschen. Eine stimmliche Kombination ohnegleichen, vor allem heute nur noch selten zu hören, denn Annette Fischer singt im hohen Sopran und Crow folgt in vergleichbarer Stimmlage. Einen Abend lang fechten beide um die wahre Liebe - miteinander, gegeneinander, aneinander vorbei. Mal sich verliebt gebend, mal ernsthalft, ab und an auch verzückt wie humorvoll. Immer umgeben von den einstmals so beliebten Klängen des schnurrenden Barockcellos und des verspielt klingenden Cembalos.

Während Daniela Wartenberg ihr Cello altruistisch verliebt in den Spiegel schauen lässt, die Rede ist von Vivaldis "In a Mirror" (RV 44), setzt Michael Eberth auf William Babells "Arias and Variations from Rinaldo", auf eine ausgeprägt anglo-italienische Sicht der Dinge in Sachen Liebe. "Entsinnst du dich der kleinsten Torheit nicht, in welche dich die Liebe je gestürzt, so hast du nicht geliebt!", heißt es in Shakespeares "Wie es Euch gefällt".

Mal solo, mal im Duett umkreisen Annette Fischer und Robert Crowe lustvoll das Thema. "Cosi fan tutte - So machen es alle" eben, um mit Verdi Liebe, Lust und Leidenschaft zu umschreiben. Ein ewiges Thema! Wie  weiblicher und männlicher Sopran mit Händels Duett "Son nato a lagrimar" belegen.

Der Liebesschwur zeigt Folgen, denn Crowe zelebriert hernach "Nie war der Schatten einer Pflanze, lieblicher und angenehmer, süßer" - ein höchst andächtiges "Ombra mai fu" (Händel), das seinesgleichen sucht und findet, ist doch Annette Fischer dank Mozarts allseits bekanntem "Figaro" um keine Antwort verlegen: "Porgi amor". Ein Schelm, wer Schlechtes dabei denkt.

Heiße Liebe mit hohen Stimmen zelebriert bedarf eigentlich keiner Erklärung, zumal es aller Andeutungen zum Trotz gesittet zugeht; und während im realen England des 17. Jahrhunderts König Karl den Revolutionären zum Opfer fällt, träumt Henry Purcell von mystischen "King

Arthur". Crowe schreitet majestätisch in den Salon, um vom Cello begleitet in tiefem Moll bitter "Welche Macht bist Du? Die von unten mich ließ auferstehn. Unwillig und langsam aus den Betten des ewig währ´nden Schnees?"  Ein bisschen Wehmut darf schon sein. Aber, um es mit Monteverdi .zu sagen, das Schäferland der Liebe kennt kein Leid und so dürfen nach diesem Liebesliederabend unter aparten Klängen von Cello und Cembalo Annette Fischer und Robert Crowe  einander zugewandt schwärmen: "Pur ti miro, Pur ti godo, dich nur anschauen, dich nur genießen - Io son tua ... Ich bin Dein - Tuo son io ... Dein bin."  So schön kann Liebe sein!

Wer mehr davon hören möchte, am Dienstagabend wird es moderner mit dem "Barock Jam" in Ingo Hugs Weinkontor (10.7.; 19.30 Uhr).

 

Mehr Infos und alle Termine des Aalener Festivals Alte Musik unter  http://www.altemusik-aalen.de

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Aalener Kulturjournal