Festival für Alte Musik : Alice Wielant  und Maarten Vandenbemden

"Das klinget so herrlich!"  

Tag vier beim Aalener Festival für Alte Musik. Mischte sich am Vorabend in Ingo Hugs Weinkontor der Jazz in barocke Klänge, sollte es nun, zurück im Salon der Villa Stützel,  Mozart sein. „Eben komme ich von der Oper“, schrieb dieser einst an seine Konstanze. „Sie haben das Duett, weißt Du, das Duett, 'Mann und Weib', haben sie wiederholt, auch das Glöckchenspiel im 1. Akt. Am meisten freut mich jetzt der stille Beifall.“ Mozart selbst nutzte immer wieder jede Gelegenheit, um sich während der Vorstellungen hinter die Bühne zu schleichen, um dieses Glockenspiel selbst zu bedienen. "Das klinget so herrlich", heißt es denn auch folgerichtig in der "Zauberflöte" und weil es eben so außergewöhnlich schön passt, stand es gleich als Motto über dem Musikabend, über einer bemerkenswerten Konversation zwischen Sopran und Gitarre.

Mozarts Liedchen kam darin selbstredend vor, als Gitarrensolo, allerdings in Fernando Sors "Introduction et variations sur un théme de Mozart", so der vielversprechende Titel. Gitarrist Maarten Vandenbemden belegt mit virtuosem Spiel, wie variationsreich Mozarts musikalische Ideen weitergeführt werden können, wie sich aus einer kleinen Melodie facettenreiche, zugleich höchst eigenständige Musik entwickelt, eine sich sanft, impulsiv oder auch distanziert gerierende, wie Vandenbemden mit der Gitarre belegt. Er ist ein fingerfertiger Meister der Gitarre, der die Saiten virtuos und anspruchsvoll zu zupfen versteht, sei es in spanischem Timbre und ganz neuzeitlich mit Joaquin Rodrigos "Trois Canciones Espanolas" oder eben doch der Alten Musik zugewandt mit einer Bachschen Partita. Apropos Alte Musik. So ganz auf Linie war die Serenade an diesem Abend nicht, tummelte sich doch manch moderner Geist im Programm.

Auffallend auch die Sopranistin. Alice Wielant begleitete das Publikum auf dieser Reise vom 17. ins 20. Jahrhundert  mit vielfältigen wie höchst unterschiedlichen Liedbeiträgen - von Caldara über Mozart bis de Falla. Das Bemerkenswerte an dieser jungen Sopranistin war indes ihre "wohltemperierte" Stimmlage, ein schöner, klarer Sopran, der sich durch dunkleres Timbre sowie einen etwas tiefer liegenden Stimmumfang auszeichnet. Beste Voraussetzung  also für Mozarts Arie "Dove sono i bei momenti?" aus der Oper "Le nozze di Figaro". Derzeit vielleicht mit "Wo sind die guten Zeiten?" zu übersetzen.

Bereits in der Aria "Sebben, crudele" (Caldara) fiel Alice Wielants bezauberndes Belcanto-

Timbre auf, ein lyrischer Schöngesang, den die Künstlerin trefflich mit weit gespannten Tönen und  fein ausgeschmückten  Koloraturen hervorhebt, um gleichzeitig den inhaltlichen Aspekt ihrer Arien zu umschreiben. Vandenbemdens dezente Gitarrenbegleitung betont nochmals diese Sangeskunst, erhöht sie zugleich ausdrucksvoll zum artifiziellen Canto fiorito.  Unvergleichlich schön in Händels Sarabande "Lascia ch’io pianga". Es klingt wie ein hinreißendes Liebeslied in Moll. Aber nur  weil Alice Wielant in der italienischen Originalsprache singt und deshalb kaum jemand die Klage "Lass mich beweinen / mein grausames Schicksal / und beseufzen / die verlorene Freiheit" versteht.

INFO

 

Beim "Festival für Alte Musik Aalen" in der Villa Stützel (Ulmerstraße 116)  steht heute Abend (19.30 Uhr)  "Musikalische Blumenspaliere" auf dem Programm. Morgen geht es um das 250. Todesjahr von Georg Phillip Telemann (19.30 Uhr).

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Aalener Kulturjournal